Dienstag, 26. Oktober 2021

Hölderlin an Schiller. - Haben Sie Ihre Meinung von mir geändert? Haben Sie mich aufgegeben? Verzeihen Sie mir diese Fragen. Eine Anhänglichkeit an Sie, gegen welche ich oft vergebens angieng, wenn sie Leidenschaft war, eine Anhänglichkeit, die noch immer mich nicht verlassen hat, nöthigt solche Fragen mir ab. Ich würde mich darüber tadeln, wenn Sie nicht der einzige Mann wären, an den ich meine Freiheit so verloren habe.

Sonntag, 24. Oktober 2021

Damals trug er lange Locken an der Seite, und das oft starre, grosse Auge war von einem ungewöhnlichen Liebesschimmer belebt.

Mittwoch, 20. Oktober 2021

Ehe man mehreres von dem Verfasser gesehen hätte, daß man wüßte, ob er noch andere Talente in andern Versarten hat, wüßte ich nicht, was ihm zu raten wäre. Ich möchte sagen, in beiden Gedichten sind gute Ingredienzien zu einem Dichter, die aber keinen Dichter machen. Vielleicht täte er am besten, wenn er einmal ein ganz einfaches idyllisches Faktum wählte und es darstellte; so könnte man eher sehen, wie es ihm mit der Menschenmalerei gelänge, worauf doch am Ende alles ankommt. Ich sollte denken, der 'Äther' würde nicht übel im Almanach und 'Der Wanderer' gelegentlich ganz gut in den Horen stehen.

Dienstag, 19. Oktober 2021

Da wir überzeugt sind, dass derjenige, der die intellektuelle Welt beschaut und des wahren Intellekts Schönheit gewahr wird, auch wohl ihren Vater, der über allen Sinn erhaben ist, bemerken könne, so versuchen wir denn, nach Kräften einzusehen und für uns selbst auszudrücken - insofern sich dergleichen deutlich machen lässt -, auf welche Weise wir die Schönheit des Geistes und der Welt anzuschauen vermögen.  

Donnerstag, 30. September 2021

Sauwohl u Projeckte.

Dienstag, 28. September 2021

Als ich von der Behauptung des Journals des Débats sprach, daß eine Melodie aus dem Freischütz Motive aus Rousseau's Musik enthalte, schalt er lebhaft alles solches Nachgrübeln von Parallelstellen. Es sei ja alles, was gedichtet, argumentirt, gesprochen werde, allerdings schon dagewesen, aber wie könne denn eine Lectüre, eine Conversation, ein Zusammenleben bestehen, wenn man immer opponiren wolle: Das habe ich ja schon im Aristoteles, Homer und dergl. gelesen. Kurz, er war ziemlich negirend, ironisch, widersprechend.

Von 7-9 Uhr war ich heute bei Goethe allein, der ziemlich heiter und gesprächig, doch nicht so festhaltend an den Gegenständen und mittheilend war, wie in ganz guten Stunden. Er sprach vom Nekrolog der Fr.v. Krüdener. »So ein Leben ist wie Hobelspäne; kaum ein Häufchen Asche ist daraus zu gewinnen zum Seifensieden.« Doch rieth er mir ›Valerie‹ zu lesen.

Sonntag, 26. September 2021

Auf dem See von Izenach nach Gersau zu Mittag im Wirthsh. am See. gegen zwey dem Grüdli über wo die 3 Tellen schwuren drauf an der Tellen Platte wo Tell aussprang. Drauf 3 Uhr in Flüely wo er eingeschifft ward. 4 Uhr in Aldorf wo er den Apfel abschoss.

Mittwoch, 8. September 2021

Es freut mich, daß Sie meinem Freunde und Schutzbefohlenen nicht ganz ungünstig sind. Das Tadelnswürdige an seiner Arbeit ist mir sehr lebhaft aufgefallen, aber ich wußte nicht recht, ob das Gute auch Stich halten würde, das ich darinn zu bemerken glaubte. Aufrichtig, ich fand in diesen Gedichten viel von meiner eigenen sonstigen Gestalt, und es ist nicht das erstemal, daß mich der Verfasser an mich mahnte. Er hat eine heftige Subjectivität, und verbindet damit einen gewissen philosophischen Geist und Tiefsinn. Sein Zustand ist gefährlich, da solchen Naturen so gar schwer beyzukommen ist. Indessen finde ich in diesen neuern Stücken doch den Anfang einer gewissen Verbesserung, wenn ich sie gegen seine vormaligen Arbeiten halte; denn kurz, es ist Hölderlin, den Sie vor etlich Jahren bei mir gesehen haben. Ich würde ihn nicht aufgeben, wenn ich nur eine Möglichkeit wüßte, ihn aus seiner eignen Gesellschaft zu bringen, und einem wohlthätigen und fortdauernden Einfluß von außen zu öfnen.

Ich will Ihnen nur auch gestehen daß mir etwas von Ihrer Art und Weise aus den Gedichten entgegensprach, eine ähnliche Richtung ist wohl nicht zu verkennen, allein sie haben weder die Fülle, noch die Stärke, noch die Tiefe Ihrer Arbeiten. Indessen recommandirt diese Gedichte, wie ich schon gesagt habe, eine gewisse Lieblichkeit, Innigkeit und Mäßigkeit und der Verfasser verdient wohl, besonders da Sie frühere Verhältnisse zu ihm haben, daß Sie das mögliche thun um ihn zu lenken und zu leiten.