Freitag, 13. April 2018

Es ist im Wercke daß man dem Seiler Wächter neben der Buchholzen die Erlaubniß Schläuche zu verfertigen geben will. Wir fürchte beyde es werde die Operation dem Gewerbe mehr schaden als nutzen. Es ist nicht so ausgebreitet daß mehrere Personen mit entschiedenem Vortheil sich darin sollten theilen können. Die Concurrenz wird geringere Preise erzwingen, die Fremden werden davon profitiren und die Waare wird wahrscheinlich geringer und beyde reiben sich auf. Die Buchholz ist betriebsam, und verdient wohl daß man auf ihre Erhaltung dencke und ihr einigen Vortheil gönne, um so mehr als sie nicht schuldenfrey, ja der Kriegskasse noch 700 schuldig ist, die sie richtig verinteressirt und nach abzutragen sucht. Käme sie zurück; so bliebe nichts übrig als ihr väterlich Hauß anzuschlagen und eine Person zu Grunde zu richten die sich bisher wacker gehalten hat und deren Unternehmungen eine Folge und Glück hatten. Ich will nicht wie andre behaupten, daß es eine Privatabsicht des Majors Germar sey mit dem sie sich von Anfang her nicht vertragen hat. Etwas menschliches kann aber doch dabey zum Grunde liegen. Der Präsident und ich dencken überein und bitten nur daß Sie es nochmals überlegen möchten! es ist mir unbekannt was man für die Theilung des Gewerbs angeführt hat. 

Empfehlen mich den Schönheiten und gedencken mein zur guten Stunde.

Donnerstag, 12. April 2018


1779 März

d. 11 Die Stuterey besehen. Mit Prizelius essen. Nach Kalbsrieth der Strase Wegen. Abends allein.

d. 12 von Alstädt ab. mit Castrop nach Weimar Steinbruch. unterweegs gedacht. endlich Castre Litaney von altem Saukram.

13. Alles durchgesehn. leidlich gefunden. Glauers Arb. Gut. Die Garten Wirth. hübsch. Abends vorgelesen die drey ersten Ackte Iph [*Herzog Carl August] und Knebel bleiben da essen.

14. Besorgung. Abschrifft der Rollen. Kirchgang der Herzoginn. Zu Hause gessen.

d. 16 nach Ilmenau. über Wölfershausen Arnstadt. Martinrode.

d 17 Auslesung beym Comm. Rath gessen. Auf die Porzellanfabr.

d. 18 nach Stüzzerbach. auf den Gickelhahn, Ascherofen, Schwalbenstein.

d. 19 Allein auf dem Schwalbenstein. d. 4. Ackt der Iph. geschrieben.

Mittwoch, 28. März 2018

Es tut mir sehr leid, dass unser Freund Goethe krank war; er sollte nur bald nach Karlsbad reisen. Es ist recht betrübt, dass man ihm nicht mit Liebe beikommen kann, sondern nur mit der Kunst.
„Morgen werde ich ordentlich den Kreuzbrunnen wieder trinken und dann bald wieder ein ordentlicher Mensch mit Folge werden.“
Er sei selbst geneigt, wenn ein schönes Kind ihn darum begrüsse, einige anonyme Verse zu spenden.

Mittwoch, 14. März 2018

Als wir im Dunkel gegen zehn Uhr nach Hause kamen, klagte Goethe seinen Jammer über dieß Pestalozzi'sche Wesen. Wie das ganz vortrefflich nach seinem ersten Zweck und Bestimmung gewesen, wo Pestalozzi nur die geringe Volksklasse im Sinne gehabt, die armen Menschen, die in einzelnen Hütten in der Schweiz wohnen, und die Kinder nicht in Schulen schicken können. Aber wie es das Verderblichste von der Welt werde, so bald es aus den ersten Elementen hinaus gehe, auf Sprache, Kunst und alles Wissen und Können angewandt werde, welches nothwendig ein Überliefertes voraussetze, und wo man nicht mit unbekannten Größen, leeren Zahlen und Formen zu Werk gehen könne. Und nun gar dazu der Dünkel, den dieses verfluchte Erziehungswesen errege; da sollte ich nur einmal die Dreistigkeit der kleinen Buben hier in der Schule sehen, die vor keinem Fremden erschrecken, sondern ihn in Schrecken setzen! Da falle aller Respekt, alles weg, was die Menschen unter einander zu Menschen macht. »Was wäre denn aus mir geworden,« sagte er, »wenn ich nicht immer genöthigt gewesen wäre, Respect vor andern zu haben. Und diese Menschen mit ihrer Verrücktheit und Wuth, alles auf das einzelne Individuum zu reduciren, und lauter Götter der Selbstständigkeit zu sein; diese wollen ein Volk bilden und den wilden Schaaren widerstehen, wenn diese einmal sich der elementarischen Handhaben des Verstandes bemächtigt haben, welches nun gerade durch Pestalozzi unendlich erleichtert ist. Wo sind da religiöse, wo moralische und philosophische Maximen, die allein schützen könnten?«
Goethe klagt, daß er zur Großfürstin von Oldenburg soll: »Sie haben nichts von mir, und ich nichts von ihnen, den Herrschaften.« Ich vergleiche die fürstlichen Personen und die vornehme Welt mit Gewässer, welches um uns herum anschwillt, ein Strom im See werden kann, worauf man schifft und segelt, sich aber auch wieder verlaufen kann. Man muß ihm nicht trauen, ist und bleibt Wasser. - Goethe: »Nun, zu hypochondrisch muß man sie nicht nehmen, aber so als Naturkräfte.« - Goethe speist bei der Großfürstin.

Montag, 12. März 2018

Die Dilettanten, wenn sie das möglichste getan haben, pflegen zu ihrer Entschuldigung zu sagen, die Arbeit sei noch nicht fertig. Freilich kann sie nie fertig werden, weil sie nie recht angefangen ward. Der Meister stellt sein Werk mit wenigen Strichen als fertig dar; ausgeführt oder nicht, schon ist es vollendet. Der geschickteste Dilettant tastet im Ungewissen, und wie die Ausführung wächst, kommt die Unsicherheit der ersten Anlage immer mehr zum Vorschein. Ganz zuletzt entdeckt sich erst das Verfehlte, das nicht auszugleichen ist, und so kann das Werk freilich nicht fertig werden.