Freitag, 25. Oktober 2019
Ach liebe Lotte du
weist nicht welche Gewalt ich mir angethan habe und anthue und daß der Gedancke
dich nicht zu besitzen mich doch im Grunde, ich mags nehmen und stellen und
legen wie ich will aufreibt und aufzehrt. Ich mag meiner Liebe zu dir Formen
geben welche ich will, immer immer – Verzeih mir daß ich dir wieder einmal sage
was so lange stockt und verstummt. Wenn ich dir meine Gesinnungen meine
Gedancken der Tage, der einsamsten Stunden sagen könnte. Leb wohl. Ich bin
heute konfus und fast schwach. Leb wohl Liebe mich, ich gehe nun weiter und du
hörst bald von mir und sollst durch mich noch ein Stück Welt weiter kennen
lernen. Rom d. 21. Febr. 87.
Mittwoch, 16. Oktober 2019
Donnerstag, 10. Oktober 2019
Wenn man vorstehendes
Liedchen nicht in buchstäblichem Sinn nehmen, nicht jenen Dämon, den man
gewöhnlich Amor nennt, dabei denken, sondern eine Versammlung tätiger Geister
sich vorstellen will, die das Innerste des Menschen ansprechen, auffordern, hin
und wider ziehen und durch geteiltes Interesse verwirren, so wird man auf eine
symbolische Weise an dem Zustand teilnehmen, in dem ich mich befand, und
welchen die Auszüge aus Briefen und die bisherigen Erzählungen genugsam
darstellen. Man wird zugestehen, dass eine große Anstrengung gefordert ward,
sich gegen so vieles aufrecht zu erhalten, in Tätigkeit nicht zu ermüden und im
Aufnehmen nicht lässig zu werden.
Nachts durch die
Stadt spazierend, gelangt' ich zum Molo. Dort sah ich mit einem Blick den Mond,
den Schein desselben auf den Wolkensäumen, den sanft bewegten Abglanz im Meere,
heller und lebhafter auf dem Saum der nächsten Welle. Und nun die Sterne des
Himmels, die Lampen des Leuchtturms, das Feuer des Vesuvs, den Widerschein
davon im Wasser und viele einzelne Lichter ausgesät über die Schiffe.
Das dritte Buch von
Goethes Italienerinnerungen beginnt mit einem lateinischen Gebet, das Romulus
bei der Gründung Roms spricht:
Longa sit huic, aetas dominaeque potentia terrae,
Sitque sub hac oriens occiduusque dies.
(Ovid, Fastorum libri)
Langes Leben sei ihr beschieden und Macht zur Herrschaft über die Welt,
und untertan
sei ihr die aufgehende und untergehende Sonne.
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