Freitag, 6. Februar 2026
Am 30. Oktober
1808 beklagte sich Goethe in einem Brief an Zelter: „Die Kunstwelt liegt
freilich zu sehr im Argen, als dass ein junger Mensch so leicht gewahr werden
sollte, worauf es ankommt. Sie suchen es immer wo anders als da, wo es
entspringt, und wenn sie die Quelle einmal erblicken, so können sie den Weg
dazu nicht finden. Deswegen bringen mich auch ein halb Dutzend jüngere
poetische Talente zur Verzweiflung, die bei außerordentlichen Naturanlagen
schwerlich viel machen werden, was mich erfreuen kann. Werner, Oehlenschläger,
Arnim, Brentano und andere treibens immerfort; aber alles geht durchaus ins
Form- und Charakterlose. Kein Mensch will begreifen, dass die höchste und
einzige Operation der Natur und Kunst die Gestaltung sei, und in der Gestaltung
die Spezifikation, damit jedes ein besonderes Bedeutendes werde, sei und
bleibe.“
Montag, 2. Februar 2026
Innungszwang und Gewerbsfreiheit, Festhalten und
Zersplittern des Grundbodens, es ist immer derselbe Konflikt, der zuletzt
wieder einen neuen erzeugt. Der größte Verstand des Regierenden wäre daher,
diesen Kampf so zu mäßigen, daß er ohne Untergang der einen Seite sich ins
Gleiche stellte; dies ist aber den Menschen nicht gegeben, und Gott scheint es
auch nicht zu wollen.



