Aufgeregt,
durchdrungen von den peinlichsten Gefühlen, wie Eduard war, mußten ihm diese
Worte hohl und nichtig vorkommen. Der Glückliche, der Behagliche hat gut reden,
fuhr Eduard auf; aber schämen würde er sich, wenn er einsähe, wie unerträglich
er dem Leidenden wird. Eine unendliche Geduld soll es geben, einen unendlichen
Schmerz will der starre Behagliche nicht anerkennen. Es gibt Fälle, ja, es gibt
deren! wo jeder Trost niederträchtig und Verzweiflung Pflicht ist.
Dienstag, 14. Dezember 2021
Verlasse
mich jeder, der trocknen Herzens, trockner Augen ist! Ich verwünsche die
Glücklichen, denen der Unglückliche nur zum Spektakel dienen soll. Er soll sich
in der grausamsten Lage körperlicher und geistiger Bedrängnis noch edel
gebärden, um ihren Beifall zu erhalten, und, damit sie ihm beim Verscheiden
noch applaudieren, wie ein Gladiator mit Anstand vor ihren Augen umkommen.
Sonntag, 28. November 2021
Montag, 22. November 2021
Montag, 15. November 2021
Jena
den 17. August 1797.
Die Vorstellung, welche Sie mir von Frankfurt und großen Städten überhaupt geben, ist nicht tröstlich, weder für den Poeten, noch für den Philosophen, aber ihre Wahrheit leuchtet ein, und da es einmal ein festgesetzter Punkt ist, daß man nur für sich selber philosophirt und dichtet, so ist auch nichts dagegen zu sagen; im Gegentheil, es bestärkt einen auf dem eingeschlagenen guten Weg, und schneidet jede Versuchung ab, die Poesie zu etwas äußerm zu gebrauchen.
So
viel ist auch mir bei meinen wenigen Erfahrungen klar geworden, daß man den
Leuten, im ganzen genommen, durch die Poesie nicht wohl, hingegen recht übel
machen kann, und mir däucht, wo das eine nicht zu erreichen ist, da muß man das
andere einschlagen. Man muß sie incommodiren, ihnen ihre Behaglichkeit
verderben, sie in Unruhe und in Erstaunen setzen. Eins von beiden, entweder als
ein Genius oder als ein Gespenst muß die Poesie ihnen gegenüber stehen. Dadurch
allein lernen sie an die Existenz einer Poesie glauben und bekommen Respect vor
den Poeten. Ich habe auch diesen Respect nirgends größer gefunden als bei
dieser Menschenklasse, obgleich auch nirgends so unfruchtbar und ohne Neigung.
Etwas ist in allen, was für den Poeten spricht, und Sie mögen ein noch so
ungläubiger Realist sein, so müssen Sie mir doch zugeben, daß dieses X der Same
des Idealismus ist, und daß dieser allein noch verhindert, daß das wirkliche
Leben mit seiner gemeinen Empirie nicht alle Empfänglichkeit für das poetische
zerstört. Freilich ist es wahr, daß die eigentliche schöne und ästhetische
Stimmung dadurch noch lange nicht befördert wird, daß sie vielmehr gar oft
dadurch verhindert wird, so wie die Freiheit durch die moralischen Tendenzen;
aber es ist schon viel gewonnen, daß ein Ausgang aus der Empirie geöffnet ist.
Freitag, 12. November 2021
Mit
meinem Protégé, Herrn Schmidt, habe ich freilich wenig Ehre aufgehoben, wie ich
sehe, aber ich will so lange das Beste hoffen, bis ich nicht mehr kann. Ich bin
einmal in dem verzweifelten Fall, daß mir daran liegen muß, ob andere Leute
etwas taugen, und ob etwas aus ihnen werden kann; daher werde ich diese
Hölderlin und Schmidt so spät als möglich aufgeben.
Herr Schmidt, so wie er jetzt ist, ist freilich nur die entgegengesetzte Carricatur von der Frankfurter empirischen Welt, und so wie diese nicht Zeit hat, in sich hineinzugehen, so kann dieser und seines gleichen gar nicht aus sich selbst herausgehen. Hier möchte ich sagen, sehen wir Empfindung genug, aber keinen Gegenstand dazu; dort den nackten leeren Gegenstand ohne Empfindung. Und so sind überall nur die Materialien zum Menschen da, wie der Poet ihn braucht, aber sie sind zerstreut und haben sich nicht ergriffen.
Ich
möchte wissen, ob diese Schmidt, diese Richter, diese Hölderlins absolut und
unter allen Umständen so subjectivisch, so überspannt, so einseitig geblieben
wären, ob es an etwas primitivem liegt, oder ob nur der Mangel einer
ästhetischen Nahrung und Einwirkung von außen und die Opposition der
empirischen Welt in der sie leben gegen ihren idealischen Hang diese
unglückliche Wirkung hervorgebracht hat. Ich bin sehr geneigt das letztere zu
glauben, und wenn gleich ein mächtiges und glückliches Naturell über alles siegt,
so däucht mir doch, daß manches brave Talent auf diese Art verloren geht.
Es
ist gewiß eine sehr wahre Bemerkung, die Sie machen, daß ein gewisser Ernst und
eine Innigkeit, aber keine Freiheit, Ruhe und Klarheit bei denen, die aus einem
gewissen Stande zu der Poesie etc. kommen , angetroffen wird. Ernst und
Innigkeit sind die natürliche und notwendige Folge, wenn eine Neigung und
Beschäftigung Widerspruch findet, wenn man isolirt und auf sich selbst reducirt
ist, und der Kaufmannssohn, der Gedichte macht, muß schon einer größern
Innigkeit fähig sein, wenn er überall nur auf so was verfallen soll. Aber eben
so natürlich ist es, daß er sich mehr zu der moralischen als ästhetischen Seite
wendet, weil er mit leidenschaftlicher Heftigkeit fühlt, weil er in sich
hineingetrieben wird, und weil ihn die Gegenstände eher zurückstoßen als
festhalten, er also nie zu einer klaren und ruhigen Ansicht davon gelangen
kann.
