Samstag, 19. August 2017
Unaufhörlich
rief er sich jene Begebenheit zurück, welche einen unauslöschlichen Eindruck
auf sein Gemüt gemacht hatte. Er sah die schöne Amazone reitend aus den Büschen
hervorkommen, sie näherte sich ihm, stieg ab, ging hin und wider und bemühte
sich um seinetwillen. Er sah das umhüllende Kleid von ihren Schultern fallen;
ihr Gesicht, ihre Gestalt glänzend verschwinden. Alle seine Jugendträume
knüpften sich an dieses Bild. Er glaubte nunmehr die edle, heldenmütige
Chlorinde mit eignen Augen gesehen zu haben: ihm fiel der kranke Königssohn
wieder ein, an dessen Lager die schöne, teilnehmende Prinzessin mit stiller
Bescheidenheit herantritt.
Von dem
Wilhelm Meister und dem Hesperus ab stellen sie alle den Jüngling jener Tage
dar; wie er in glücklicher Dämmerung in das Leben eintritt, nach verwandten
Seelen sucht, der Freundschaft begegnet und der Liebe, wie er nun aber mit den
harten Realitäten der Welt in Kampf gerät und so unter mannigfaltigen
Lebenserfahrungen heranreift, sich selber findet und seiner Aufgabe in der Welt
gewiss wird.
Dienstag, 15. August 2017
Sonntag, 13. August 2017
Mann
verschlossener Tat! langsam reifender, aus tausend Eindrücken zusammen auf
einen Punkt gewirkter, auf einen Punkt gedrängter Tat! In dieser Stirne ist
nichts Gedächtnis, nichts Urteil, es ist ewig gegenwärtiges, ewig wirkendes,
nie ruhendes Leben, Drang und Weben! Welche Fülle in den Wölbungen aller Teile!
wie angespannt das Ganze! Dieses Auge faßt den Baum bei der Wurzel.
Donnerstag, 20. Juli 2017
Über
allen Ausdruck ist die reine Selbstigkeit dieses Mannes. Beim ersten Anblicke
scheint was Verderbendes dir entgegen zu streben. Aber die treuherzige
Verschlossenheit der Lippen, die Wangen, das Auge selbst! - Groß ist der
Mensch, in einer Welt von Großen. Er hat nicht die hinlässige Verachtung des
Tyrannen, er hat die Anstrengung dessen, der Widerstand findet, dessen, der
sich im Widerstande bildet; der nicht dem Schicksale, sondern großen Menschen
widerstrebt; der unter großen Menschen geworden ist. Nur ein Jahrhundert von
Trefflichen konnte den Trefflichsten durch Stufen hervorbringen.
Er kann keinen Herrn haben, kann nicht Herr sein. Er hat nie seine Lust
an Knechten gehabt. Unter Gesellen mußt er leben, unter Gleichen und Freien. In
einer Welt voll Freiheit edler Geschöpfe würd er in seiner Fülle sein. Und daß
das nun nicht so ist, schlägt im Herzen, drängt zur Stirne, schließt den Mund,
bohrt im Blicke! Schaut hier den gordischen Knoten, den der Herr der Welt nicht
lösen konnte.
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