Samstag, 5. Oktober 2024

 

Ich erkläre mir dieses Wohlsein von der durchgängig darin herrschenden ruhigen Klarheit, Glätte und Durchsichtigkeit, die auch nicht das geringste zurückläßt, was das Gemüth unbefriedigt und unruhig läßt, und die Bewegung desselben nicht weiter treibt als nöthig ist, um ein fröhliches Leben in dem Menschen anzufachen und zu erhalten. Ueber das einzelne sage ich Ihnen nichts, bis ich das dritte Buch gelesen habe, dem ich mit Sehnsucht entgegen sehe.

  

Mein großes Erstaunen, daß Du Meisters Lehrjahre noch nicht gelesen, und die Versicherung, daß dies Buch eines der größten und schönsten Erzeugnisse des menschlichen Geistes sey, und die deutsche Litteratur durchaus nichts ähnliches aufzuzeigen habe, schienen Dich ein wenig zu befremden, und da wir uns schnell trennen mußten, so trugst Du mir auf, Dir über diesen Gegenstand zu schreiben. Wie gern erfüll' ich Deine Foderung; nur erwarte kein Urtheil, denn was ich Dir schreibe, soll nur die Beschreibung eines Eindrucks seyn. Welch' eine Fülle von Natur und Kunst! von tiefer reiner Kenntniß des Menschen und der Menschen!

Samstag, 31. August 2024

Ihr Bestien, ihr wolltet glauben,
Ich sollte höflich sein?
Der Hund, der seine Steine kennt,
Er scheißt auch auf den Stein.


Freitag, 30. August 2024

Junge Gänschen sehen so altklug aus, besonders um die Augen, so vielgelebt, und werden doch mit jedem Tage wie größer, so dümmer.

Dienstag, 27. August 2024

Sonntag, 25. August 2024

Wie viel die Menschen schreiben, davon hat man gar keinen Begriff. Von dem, was davon gedruckt wird, will ich gar nicht reden, ob es gleich schon genug ist. Was aber an Briefen und Nachrichten und Geschichten, Anekdoten, Beschreibungen von gegenwärtigen Zuständen einzelner Menschen in Briefen und größeren Aufsätzen in der Stille zirkuliert, davon kann man sich nur eine Vorstellung machen, wenn man in gebildeten Familien eine Zeitlang lebt, wie es mir jetzt geht.

 

Goethe ruft, als das Publikum in Schlegels Alarcos schallend lacht: «Man soll hier nicht lachen.»

Dienstag, 20. August 2024

 

Beherzigung

 

Ach, was soll der Mensch verlangen?

Ist es besser, ruhig bleiben?

Klammernd fest sich anzuhangen?

Ist es besser, sich zu treiben?

Soll er sich ein Häuschen bauen?

Soll er unter Zelten leben?

Soll er auf die Felsen trauen?

Selbst die festen Felsen beben.

Eines schickt sich nicht für alle!

Sehe jeder, wie ers treibe,

Sehe jeder, wo er bleibe,

Und wer steht, daß er nicht falle!

 

Montag, 12. August 2024

 

Der Geschlechtsunterschied des Menschen von den Tieren bezeichnet sich schon lebhaft im Knochenbau. Wie unser Haupt auf Rückenmark und Lebenskraft aufsitzt! Wie die ganze Gestalt als Grundpfeiler des Gewölbes dasteht, in dem sich der Himmel bespiegeln soll! Wie unser Schädel sich wölbt, gleich dem Himmel über uns, damit das reine Bild der ewigen Sphären drinnen kreisen könne! Wie dieser Behälter des Gehirns den größten Teil unsers Kopfes ausmacht! Wie über den Kiefern alle Empfindungen auf- und absteigen und sich auf den Lippen versammeln! Wie das Auge, das beredteste von allen Organen, wo nicht Worte, doch bald der freundlichen Liebehingebenheit, bald der grimmigen Anstrengung der Wangen und aller Abschattungen dazwischen bedarf, um auszudrücken, ach nur um zu stammeln, was die innersten Tiefen der Menschheit durchdringt!