Wie viel die Menschen schreiben, davon hat man gar keinen Begriff. Von dem, was davon gedruckt wird, will ich gar nicht reden, ob es gleich schon genug ist. Was aber an Briefen und Nachrichten und Geschichten, Anekdoten, Beschreibungen von gegenwärtigen Zuständen einzelner Menschen in Briefen und größeren Aufsätzen in der Stille zirkuliert, davon kann man sich nur eine Vorstellung machen, wenn man in gebildeten Familien eine Zeitlang lebt, wie es mir jetzt geht.
Sonntag, 25. August 2024
Dienstag, 20. August 2024
Beherzigung
Ach, was soll der Mensch verlangen?
Ist es besser, ruhig bleiben?
Klammernd fest sich anzuhangen?
Ist es besser, sich zu treiben?
Soll er sich ein Häuschen bauen?
Soll er unter Zelten leben?
Soll er auf die Felsen trauen?
Selbst die festen Felsen beben.
Eines schickt sich nicht für alle!
Sehe jeder, wie ers treibe,
Sehe jeder, wo er bleibe,
Und wer steht, daß er nicht falle!
Montag, 12. August 2024
Der Geschlechtsunterschied des Menschen von den Tieren
bezeichnet sich schon lebhaft im Knochenbau. Wie unser Haupt auf Rückenmark und
Lebenskraft aufsitzt! Wie die ganze Gestalt als Grundpfeiler des Gewölbes
dasteht, in dem sich der Himmel bespiegeln soll! Wie unser Schädel sich wölbt,
gleich dem Himmel über uns, damit das reine Bild der ewigen Sphären drinnen
kreisen könne! Wie dieser Behälter des Gehirns den größten Teil unsers Kopfes
ausmacht! Wie über den Kiefern alle Empfindungen auf- und absteigen und sich
auf den Lippen versammeln! Wie das Auge, das beredteste von allen Organen, wo
nicht Worte, doch bald der freundlichen Liebehingebenheit, bald der grimmigen
Anstrengung der Wangen und aller Abschattungen dazwischen bedarf, um
auszudrücken, ach nur um zu stammeln, was die innersten Tiefen der Menschheit
durchdringt!
Mittwoch, 7. August 2024
Mittwoch, 31. Juli 2024
Darf ich mich, mein Verehrtester, in altem Zutrauen
ausdrücken, so gesteh ich gern daß in meinen hohen Jahren mir alles mehr und
mehr historisch wird: ob etwas in der vergangenen Zeit, in fernen Reichen oder
mir ganz nah räumlich im Augenblicke vorgeht, ist ganz eins, ja ich erscheine
mir selbst immer mehr und mehr geschichtlich; und da mir meine gute Tochter
Abends den Plutarch vorlies't, so komm ich mir oft lächerlich vor, wenn ich
meine Biographie in dieser Art und Sinn erzählen sollte.
Verzeihen Sie mir dergleichen Äußerungen! im Alter
wird man redselig und da ich dictire, kann mich diese Naturbestimmung gar wohl
auch überraschen.
Lassen Sie uns beiderseits von Zeit zu Zeit einen
Anklang fortwährenden Daseyns nicht vermissen.


