Der Plan mißlingt,
die Schuld fällt auf die Amazone zurück. Alles Gemeine und Niederträchtige
setzt sich in Bewegung, und sie entfernt sich.
Oft wurde auch vorgelesen, besonders Calderon in der Übersetzung von Schlegel. Die Rollen wurden vertheilt und an den Chören mußten auch die Frauen theilnehmen. Goethe wies sie an, wie sie sprechen sollten, wobei es denn oft belustigenden Widerspruch gab. Im Tragischen gefiel mir Goethes Vortrag nicht, ich fand zuweilen falsches Pathos darin, aber im Komischen war er ganz unvergleichlich.
Aber
nicht seine Persönlichkeit allein, auch die eines andern machte den Unter- und
Oberbehörden viel zu schaffen. Er hatte einen denkenden jungen Mann namens
Weißhuhn nach Jena berufen, einen Gehülfen und Mitarbeiter an ihm hoffend;
allein dieser wich bald in einigen Dingen, das heißt für einen Philosophen in
allen, von ihm ab, und ein reines Zusammensein war gar bald gestört, ob wir
gleich zu den »Horen« dessen Teilnahme nicht verschmähten.
Dieser
Wackere, mit den äußeren Dingen noch weniger als Fichte sich ins Gleichgewicht
zu setzen fähig, erlebte bald mit Prorektor und Gerichten die unangenehmsten
persönlichen Händel; es ging auf Injurienprozesse hinaus, welche zu
beschwichtigen man von oben her die eigentliche Lebensweisheit hereinbringen
mußte.
Ankündigung
der Horen
Man
wird sich, soweit kein edlerer Zweck darunter leidet, Mannigfaltigkeit und
Neuheit zum Ziele setzen, aber dem frivolen Geschmacke, der das Neue bloß um
der Neuheit willen sucht, keineswegs nachgeben. Übrigens
wird man sich jede Freiheit erlauben, die mit guten und schönen Sitten
verträglich ist.
Wohlanständigkeit
und Ordnung, Gerechtigkeit und Friede werden also der Geist und die Regel
dieser Zeitschrift sein; die drei schwesterlichen Horen Eunomia, Dike und Irene
werden sie regieren. In diesen Göttergestalten verehrte der Grieche die
welterhaltende Ordnung, aus der alles Gute fließt, und die in dem
gleichförmigen Rhythmus des Sonnenlaufs ihr treffendstes Sinnbild findet. Die
Fabel macht sie zu Töchtern der Themis und des Zeus, des Gesetzes und der Macht;
des nämlichen Gesetzes, das in der Körperwelt über den Wechsel der Jahrszeiten
waltet und die Harmonie in der Geisterwelt erhält.
Einer
heitern und leidenschaftfreien Unterhaltung soll sie gewidmet sein, und dem
Geist und Herzen des Lesers, den der Anblick der Zeitbegebenheiten bald
entrüstet, bald niederschlägt, eine fröhliche Zerstreuung gewähren. Mitten in
diesem politischen Tumult soll sie für Musen und Charitinnen einen engen
vertraulichen Zirkel schließen, aus welchem alles verbannt sein wird, was mit
einem unreinen Parteigeist gestempelt ist. Aber indem sie sich alle Beziehungen
auf den jetzigen Weltlauf und auf die nächsten Erwartungen der Menschheit
verbietet, wird sie über die vergangene Welt die Geschichte und über die
kommende die Philosophie befragen, wird sie zu dem Ideale veredelter
Menschheit, welches durch die Vernunft aufgegeben, in der Erfahrung aber so
leicht aus den Augen gerückt wird, einzelne Züge sammeln und an dem stillen Bau
beßrer Begriffe, reinerer Grundsätze und edlerer Sitten, von dem zuletzt alle
wahre Verbesserung des gesellschaftlichen Zustandes abhängt, nach Vermögen
geschäftig sein.