Montag, 10. Dezember 2018



In Neu York sind neunzig verschiedene Religionen, christliche Confessionen, von welchen jeder auf ihre Art Gott und den Herrn bekennt, ohne weiter an einander irre zu werden. In der Naturforschung, ja in jeder Forschung, müssen wir es so weit bringen; denn was will das heißen dass jedermann von Liberalität spricht und den andern hindern will nach seiner Weise zu denken und sich auszusprechen?

Das Verhältnis sämtlicher vorübergehenden Personen zu Makarien war vertraulich und ehrfurchtsvoll, alle fühlten die Gegenwart eines höheren Wesens, und doch blieb in solcher Gegenwart einem jeden die Freiheit, ganz in seiner eigenen Natur zu erscheinen. Jeder zeigt sich wie er ist, mehr als je vor Eltern und Freunden, mit einer gewissen Zuversicht, denn er war gelockt und veranlaßt nur das Gute, das Beste was an ihm war an den Tag zu geben, daher beinahe eine allgemeine Zufriedenheit entstand.

Donnerstag, 6. Dezember 2018

Er selbst war und erschien daher als der beste Trost, wenn man ihn nur ansah und bedachte, aus was für Betrübnissen er sich gerettet, worüber alles er sich zufrieden gegeben und fortwährend zu geben hatte und gab; denn auf Entsagung war er früh schon gefasst und lernte sie täglich mehr ein. Daher sein paradox scheinendes: „Wer nicht verzweifeln kann, der muss nicht leben“, d.h. verzichten, entbehren muss einer können und zufrieden sein, wenn er leben will: denn darin liegt „der Spass des Lebens, dass man lustig sei, wo nicht – vergnügt!“

Dienstag, 4. Dezember 2018

Wer sichert den Olymp? vereinet Götter?
Des Menschen Kraft, im Dichter offenbart.

In bunten Bildern wenig Klarheit,
Viel Irrtum und ein Fünkchen Wahrheit,
So wird der beste Trank gebraut,
Der alle Welt erquickt und auferbaut.

Samstag, 1. Dezember 2018

Goethe war mit seinen Nieren nicht so zufrieden. Sie waren wahrscheinlich „desorientiert“. Im Januar 1806 sagte er: „Wenn mir doch der liebe Gott eine von den gesunden Russennieren schenken wollte, die zu Austerlitz gefallen sind!“

Montag, 26. November 2018

 

Wie schwer ist es, daß der Mensch recht abwäge, was man aufopfern muß gegen das, was zu gewinnen ist, wie schwer, den Zweck zu wollen und die Mittel nicht zu verschmähen! Viele verwechseln gar die Mittel und den Zweck, erfreuen sich an jenen, ohne diesen im Auge zu behalten. Jedes Übel soll an der Stelle geheilt werden, wo es zum Vorschein kommt, und man bekümmert sich nicht um jenen Punkt, wo es eigentlich seinen Ursprung nimmt, woher es wirkt. Deswegen ist es so schwer, Rat zu pflegen, besonders mit der Menge, die im Täglichen ganz verständig ist, aber selten weiter sieht als auf morgen. Kommt nun gar dazu, daß der eine bei einer gemeinsamen Anstalt gewinnen, der andre verlieren soll, da ist mit Vergleich nun gar nichts auszurichten. Alles eigentlich gemeinsame Gute muß durch das unumschränkte Majestätsrecht gefördert werden.

Sie wiederholte sich aber- und abermals, was sie seit jenem unerwarteten Vorschlag des Grafen oft genug bei sich um und um gewendet hatte. Der Hauptmann schien vor ihr zu stehen. Er füllte noch das Haus, er belebte noch die Spaziergänge, und er sollte fort, das alles sollte leer werden! Sie sagte sich alles, was man sich sagen kann, ja sie antizipierte, wie man gewöhnlich pflegt, den leidigen Trost, daß auch solche Schmerzen durch die Zeit gelindert werden. Sie verwünschte die Zeit, die es braucht, um sie zu lindern; sie verwünschte die totenhafte Zeit, wo sie würden gelindert sein.

Mittwoch, 21. November 2018


Eines schickt sich nicht für alle,
Jeder sehe, wie er's treibe,
Jeder sehe, wo er bleibe,
Und wer steht, daß er nicht falle.

Donnerstag, 15. November 2018


Der wirklichen Königin, die in der Geschichte keine Rolle gespielt hat, sendet er, bevor er ins Exil geht, die Botschaft: „Sagen Sie es ihr, wie glücklich mich dieses Phantom gemacht hat.“ Die Liebe zu ihr war nicht weniger Liebe, weil die Königin nichts davon wusste, alle Ermutigungen, die diese Liebe erfuhr, betrügerisch waren, und alle, die an ihr schmarotzten, heimlich über sie lachten.