Eines
schickt sich nicht für alle, Jeder
sehe, wie er's treibe, Jeder
sehe, wo er bleibe, Und
wer steht, daß er nicht falle.
Donnerstag, 15. November 2018
Der
wirklichen Königin, die in der Geschichte keine Rolle gespielt hat, sendet er,
bevor er ins Exil geht, die Botschaft: „Sagen Sie es ihr, wie glücklich mich
dieses Phantom gemacht hat.“ Die Liebe zu ihr war nicht weniger Liebe, weil die
Königin nichts davon wusste, alle Ermutigungen, die diese Liebe erfuhr,
betrügerisch waren, und alle, die an ihr schmarotzten, heimlich über sie
lachten.
Freitag, 2. November 2018
Aber
das gestehe ich gern, die Art wie du mich bißher behandelt hast, kann ich nicht
erdulden. Wenn ich gesprächig war hast du mir die Lippen verschloßen, wenn ich
mittheilend war hast du mich der Gleichgültigkeit, wenn ich für Freunde thätig
war, der Kälte und Nachlässigkeit beschuldigt. Jede meiner Minen hast du
kontrollirt, meine Bewegungen, meine Art zu seyn getadelt und mich immer mal a
mon aise gesetzt. Wo sollte da Vertrauen und Offenheit gedeihen, wenn du mich
mit vorsätzlicher Laune von dir stießest.
Ich
möchte gern noch manches hinzufügen, wenn ich nicht befürchtete daß es dich bey
deiner Gemüthsverfassung eher beleidigen als versöhnen könnte.
Unglücklicher
Weise hast du schon lange meinen Rath in Absicht des Caffees verachtet und eine
Diät eingeführt, die deiner Gesundheit höchst schädlich ist. Es ist nicht genug
daß es schon schwer hält manche Eindrücke moralisch zu überwinden, du
verstärckst die Hypochondrische quälende Kraft der traurigen Vorstellungen
durch ein physisches Mittel, dessen Schädlichkeit du eine Zeitlang wohl
eingesehn und das du, dich wohl befunden hattest. Möge dir die Cur, die Reise
recht wohl bekommen. Ich gebe die Hoffnung nicht ganz auf daß du mich wieder
erkennen werdest. Lebe wohl. Fritz ist vergnügt und besucht mich fleisig. Der
Prinz befindet sich frisch und munter.
Samstag, 20. Oktober 2018
Auch bei Schiller war ich schon einigemale, das erstemal eben nicht mit Glück. Ich trat hinein, wurde freundlich begrüßt, und bemerkte kaum im Hintergrunde einen Fremden, bei dem keine Miene, auch nachher lange kein Laut etwas besonders ahnden Ließ. Schiller nannte mich ihm, nannt' ihn auch mir, aber ich verstand seinen Namen nicht. Kalt, fast ohne einen Blick auf ihn begrüßt ich ihn, und war einzig im Innern und Äußern mit Schillern beschäftigt; der Fremde sprach lange kein Wort. Schiller brachte die Thalia, wo ein Fragment von meinem Hyperion u. mein Gedicht an das Schicksal gedruckt ist, und gab es mir. Da Schiller sich einen Augenblick darauf entfernte, nahm der Fremde das Journal vom Tische, wo ich stand, blätterte neben mir in dem Fragmente, und sprach kein Wort. Ich fühlt' es, daß ich über und über rot wurde. Hätt' ich gewußt, was ich jetzt weiß, ich wäre leichenblaß geworden. Er wandte sich darauf zu mir, erkundigte sich nach der Frau von Kalb, nach der Gegend und den Nachbarn unseres Dorfs, und ich beantwortete das alles so einsylbig, als ich vielleicht selten gewohnt bin. Aber ich hatte einmal meine Unglückssstunde. Schiller kam wieder, wir sprachen über das Theater in Weimar, der Fremde ließ ein paar Worte fallen, die gewichtig genug waren, um mich etwas ahnden zu lassen. Aber ich ahndete nichts. Der Maler Meyer aus Weimar kam auch noch. Der Fremde unterhielt sich über manches mit ihm. Aber ich ahndete nichts. lch ging, u. erfuhr an demselben Tage im Klub der Professoren, was meinst Du? daß Goethe diesen Mittag bei Schiller gewesen sei. Der Himmel helfe mir, mein Unglück, und meine dummen Streiche gut zu machen, wenn ich nach Weimar komme. Nachher speist ich bei Schiller zu Nacht, wo dieser mich so viel möglich tröstete, auch durch seine Heiterkeit, und seine Unterhaltung, worin sein ganzer kolossalischer Geist erschien, mich das Unheil, das mir das erstemal begegnete, vergessen ließ.
Donnerstag, 11. Oktober 2018
Freylich da ich selbst gegenwärtig an einer strengen Revision meiner
eignen Arbeiten bin, so erscheinen mir die Frauenzimmerlichkeiten unserer
lieben kleinen Freundin noch etwas loser und lockerer als vorher, und mir
wollen sehen wie wir uns eben durchhelfen.
Montag, 8. Oktober 2018
„Wer es getan habe, sei einerlei, nur gut, dass es geschehn, denn das Abscheuliche müsse geschehn.“ Bei Goethe ist das eine Art von Verzweiflung darüber, dass die Ruhe, die er liebt, sich ferner und ferner hält.
... und er rechnet auf ein derbes Honorar.
Mittwoch, 3. Oktober 2018
Was
bedächtlich Natur sonst unter viele verteilet, Gab sie mit reichlicher Hand alles der
Einzigen, ihr. Und
die so herrlich Begabte, von vielen so innig Verehrte, Gab ein liebend Geschick freundlich dem
Glücklichen, mir.