Sonntag, 10. Oktober 2010

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Es seien zu allen Zeiten nur die Individuen, welche für die Wissenschaft gewirkt. Nicht das Zeitalter. Das Zeitalter war’s das den Sokrates durch Gift hinrichtete, das Zeitalter, das Hus verbrannt; die Zeitalter sind sich immer gleich geblieben.
Wie zart, innig und warm er auch wenige Monate vor seinem Scheiden das Verhältnis zu Lili schildert, so reicht es doch im einzelnen nicht an die jugendliche Fülle und Glut, womit er es mir in weit früherer Zeit, ebenfalls auf einer Reise, darzustellen und sich sowohl als mich um einen Weg von drei Stunden anmutigst zu täuschen wusste.

Dienstag, 5. Oktober 2010

Montag, 4. Oktober 2010

Wenn man das Treiben und Tun der Menschen seit Jahrtausenden überblickt, so lassen sich einige allgemeine Formeln erkennen, die je und immer eine Zauberkraft über ganze Nationen, wie über die Einzelnen ausgeübt haben, und diese Formeln, ewig wiederkehrend, ewig unter tausend bunten Verbrämungen dieselben, sind die geheimnisvolle Mitgabe einer höheren Macht ins Leben. Wohl übersetzt sich jeder diese Formeln in die ihm eigentümliche Sprache, paßt sie auf mannigfache Weise seinen beengten individuellen Zuständen an und mischt dadurch oft so viel Unlauteres darunter, daß sie kaum mehr in ihrer ursprünglichen Bedeutung zu erkennen sind. Aber diese letztere taucht doch immer wieder unversehens auf, bald in diesem, bald in jenem Volke, und der aufmerksame Forscher setzt sich aus solchen Formeln eine Art Alphabet des Weltgeistes zusammen.

Montag, 20. September 2010

Bei dieser heitern Gelegenheit erinnerte man sich eines andern Schusters, der auf einem antiken Marmorkopf gewöhnlich sein Leder geklopft. »Es war das Porträt eines römisches Kaisers,« sagte Meyer; »die Antike stand vor des Schusters Thür, und wir haben ihn sehr oft in dieser löblichen Beschäftigung gesehen, wenn wir vorbeigingen.« 

Freitag, 17. September 2010

Sonntag, 12. September 2010

Nach 8 Uhr weggefahren nach Weimar. ... Prächtiger Morgen und Tag. Erzählte Goethe die Geschichte seiner Verliebung in Lili Schönemann.
Goethe war immer jung, man bemerkte bei ihm nicht das Alter.
Dass Goethe den Wein liebte, ist bekannt. Er bestellte ihn eimerweise, den Eimer zu sechzig Litern, und er bestellte oft. Auf seinem Tisch standen für ihn selbst und für jeden seiner Gäste nicht nur die Gläser bereit, sondern zu jedem Glas auch eine eigene Flasche. Zwei Liter am Tage waren für ihn nicht ungewöhnlich, “denn er trank fleissig, besser noch die Frau”.