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Donnerstag, 26. März 2015


Die kleine Anzahl nothwendiger und gewisser Wahrheiten wird niemals Geist und Herz völlig befriedigen; wer sie entdeckt, hat ohne Zweifel den höchsten Ruhm, aber auch nützlich für das menschliche Geschlecht haben die Verfasser solcher Werke gearbeitet, die uns rühren oder angenehm betrügen. Will man die Leidenschaften des Menschen mit metaphysischer Genauigkeit behandeln, so thut man seiner Natur Gewalt. Auf dieser Erde giebt es nur Anfänge; keine Gränze ist bezeichnet, die Tugend steht fest, aber das Glück schwebt im Weiten; und wenn es eine Untersuchung nicht aushält, wird es durch sie vernichtet, wie glänzende Nebelbilder, aus leichten Dünsten emporsteigend, für den verschwinden, der durch sie hindurchgeht.

Samstag, 22. März 2008

Das Genie kommt mir immer vor, wie eine Rechenmaschine; die wird gedreht, und das Resultat ist richtig; sie weiss nicht warum? oder wieso?

Donnerstag, 20. März 2008

Weiber scheinen keiner Ideen fähig, - kommen mir sämtlich vor wie die Franzosen, - nehmen überhaupt von den Männern mehr, als dass sie geben ....

Mittwoch, 19. September 2007

Aber ein Wort, ein Laut - allen anderen unvernehmlich - spricht zu ihm in der Sprache der Geister, und er ist plötzlich ein anderer. Die Brauen wölben sich in höheren Bogen, das milde Frühlingslicht der Augen steigert sich zum eindringlichen Sonnenblick, alle Züge bilden sich zu sanftem Ernst, grösser wird die raschere, vorwärts strebende Gestalt. Sie wird zu einem König, der incognito reist, alles in seinem Reich Interessante kennen lernen, über alles sich belehren, dessen Individualität erforschen, jedes Detail durchschauen will. Alles muss ihm Rede stehen, Lebendiges und Totes frägt er aus. Die Spinne muss ihm erzählen, wie nah, oder wie fern sie mit dem Elefanten verwandt sei. Die sieben Schwestern im Prisma müssen ihm verraten, wer ihr Vater gewesen, und welche eigentlich ihre Muttersprache ist, und in welchen Verhältnissen sie miteinander leben. Die Sterne vertrauen ihm die Geheimnisse ihrer Reisen an, sprechen sich aus über die Konstitution ihres unermesslichen Kollektiv-Reichs ... Der Orkan wird zugänglich und mild in seiner Nähe, er flüstert ihm ins Ohr, von wannen er komme ... Ein Gerstenkörnchen vom Himalaja berichtet treulich über alles Merkwürdige jener hohen Provinz ... Plötzlich scheint er genug zu wissen, um sein Incognito abstreifen zu können. Der Reisemantel fällt von seiner Schulter, der König zeigt sich in seiner ganzen Pracht und Herrlichkeit ... Er spricht das Wort der Entscheidung, das Urteil ohne Appellation. Er ordnet, er befiehlt, er herrscht und hat seines Gleichen nicht neben sich. Er lohnt und begnadigt mit einem Strahl aus der Sonne seines Auges ...

Freitag, 31. August 2007

Sein Merkwürdigstes sind die grossen schwarzen Augen, aus denen gleich die gewaltige Fähigkeit entgegenleuchtet, ohne Anstrengung zu durchschauen, was ein Sterblicher durchschauen vermag.
Ceci me rappelle un mot du grand poète Goethe: il m’a dit plusieurs fois qu’en faisant ses ouvrages, il n’avait jamais pensé à son livre, mais que le seul but qui lui paraissait digne de tous ses efforts était le perfectionnement de son intelligence.

Donnerstag, 31. Mai 2007

Mit Goethe allein. Erst über die Weiber, dass sie keinen Geist haben. Ins Gartenhaus, Zinnformation.
Ich finde überhaupt, dass gewisse Eigenschaften bei allen Dichtern, sie mögen noch so verschieden sein, wiederkehren. Dahin gehört auch eine Uebermacht der innern Tätigkeit oder innern Erscheinungen, die den gewöhnlichen Fluss der Rede unterbrechen, und Hand, Blick, Wort und Mienen plötzlich in eine ungemessene Bewegung setzen. Goethe, der durch Ruhe und Haltung in seinem ganzen Betragen sich vor den übrigen auszeichnet, kann doch solcher Anfechtungen, wo der Geist gewaltsam hervordringt, sich nicht erwehren, und ist in solchen Augenblicken den andern Dichtern vollkommen gleich.

Freitag, 30. März 2007

Die Grossfürstin war bei ihr und Goethe, und er war unbeschreiblich liebenswürdig und geistreich.

Donnerstag, 15. März 2007

Tiefste Verehrung in der Brust, ging ich weg. So kerngesundes Urteil, so gänzliche Unbefangenheit, Freiheit von aller Prätention, rein menschliche, ich möchte sagen bürgerliche Würdigung der Dinge, so viel Milde, Nachsicht und Schonung gegen menschliche Verirrungen und Schwachheiten, stets mit ihrer klarsten Erkenntnis gepaart, so viel innre Ruhe in Überblickung einer höchst bewegten Vergangenheit, so viel gutmütige Festhaltung des Einzelnen, frohsinnige Erinnerung, Natürlichkeit in Ausdruck und Empfindung - wird sich wohl nicht leicht wieder in einem Fürsten vereinigen. Es ist unmöglich, ihn nicht zu lieben, ihm über etwas zu grollen, wenn man ihn so gemütlich über sich und andere sprechen hört. Diese zwei Stunden waren köstlich.
Da muss einer schon sehr gebildet sein, wenn er Gott und den Teufel los sein will.

Mittwoch, 7. März 2007

Ich traf gegen 4 Uhr Hofrat Meyern bei Goethe an, letzterer war sehr munter, ja aufgeregt; wie ein Gewitter bei heitrem Himmel suchte er sich seiner Kraftfülle durch geistige Blitze und Donnerschläge zu entledigen.