Und
sie in ihrer warmen Sphäre
Fühlt
sich behaglich, zierlich, fein:
Da
sie nicht ohne den Menschen wäre,
So
dünkt sie sich ein Mensch zu sein.
Den
24. Juli. Der Morgen ging ziemlich ruhig hin, der Ausmarsch verzögerte sich, es
sollten Geldangelegenheiten sein, die man so bald nicht abtun könne. Endlich zu
Mittag, als alles bei Tisch und Topf beschäftigt und eine große Stille im Lager
sowie auf der Chaussee war, fuhren mehrere dreispännige Wagen, in einiger Ferne
voneinander, sehr schnell vorbei, ohne daß man sich's versah und darüber
nachsann; doch bald verbreitete sich das Gerücht: auf diese kühne und kluge
Weise hätten mehrere Klubisten sich gerettet. Leidenschaftliche Personen
behaupteten, man müsse nachsetzen, andere ließen es beim Verdruß bewenden,
wieder andere wollten sich verwundern: daß auf dem ganzen Wege keine Spur von
Wache, noch Pikett, noch Aufsicht erscheine; woraus erhelle, sagten sie, daß
man von oben herein durch die Finger zu sehen und alles, was sich ereignen
könnte, dem Zufall zu überlassen geneigt sei.
Diese
Betrachtungen jedoch wurden durch den wirklichen Auszug unterbrochen und
umgestimmt. Auch hier kamen mir und Freunden die Fenster des Chausseehauses
zustatten. Den Zug sahen wir in aller seiner Feierlichkeit herankommen.
Angeführt durch preußische Reiterei, folgte zuerst die französische
Garnison. Seltsamer war nichts, als wie sich dieser Zug ankündigte; eine
Kolonne Marseiller, klein, schwarz, buntscheckig, lumpig gekleidet, trappelten
heran, als habe der König Edwin seinen Berg aufgetan und das muntere
Zwergenheer ausgesendet. Hierauf folgten regelmäßigere Truppen, ernst und
verdrießlich, nicht aber etwa niedergeschlagen oder beschämt. Als die
merkwürdigste Erscheinung dagegen mußte jedermann auffallen, wenn die Jäger zu
Pferd heraufritten; sie waren ganz still bis gegen uns herangezogen, als ihre
Musik den Marseiller Marsch anstimmte. Dieses revolutionäre Te Deum hat ohnehin
etwas Trauriges, Ahndungsvolles, wenn es auch noch so mutig vorgetragen wird;
diesmal aber nahmen sie das Tempo ganz langsam, dem schleichenden Schritt
gemäß, den sie ritten. Es war ergreifend und furchtbar und ein ernster Anblick,
als die Reitenden, lange hagere Männer, von gewissen Jahren, die Miene
gleichfalls jenen Tönen gemäß, heranrückten; einzeln hätte man sie dem Don
Quichote vergleichen können, in Masse erschienen sie höchst ehrwürdig.
Als
ich zurückfuhr, rief mich ein Mann mittleren Alters an und bat mich, seinen
Knaben von ungefähr acht Jahren, den er an der Hand mit fortschleppte, zu mir
zu nehmen. Er war ein ausgewanderter Mainzer, welcher, mit großer Hast und Lust
seinen bisherigen Aufenthalt verlassend, herbeilief, den Auszug der Feinde
triumphierend anzusehen, sodann aber den zurückgelassenen Klubisten Tod und
Verderben zu bringen schwor. Ich redete ihm begütigende Worte zu und stellte
ihm vor: daß die Rückkehr in einen friedlichen und häuslichen Zustand nicht mit
neuem bürgerlichen Krieg, Haß und Rache müsse verunreinigt werden, weil sich das
Unglück ja sonst verewige. Die Bestrafung solcher schuldigen Menschen müsse man
den hohen Alliierten und dem wahren Landesherrn nach seiner Rückkehr
überlassen, und was ich sonst noch Besänftigendes und Ernstliches anführte;
wozu ich ein Recht hatte, indem ich das Kind in den Wagen nahm und beide mit
einem Trunk guten Weins und Bretzeln erquickte. An einem abgeredeten Ort setzt'
ich den Knaben nieder, da sich denn der Vater schon von weitem zeigte und mit
dem Hut mir tausend Dank und Segen zuwinkte.