Das verwünschte Gebettel! Es
haben die vorderen Kutschen
Reichlich für uns mit bezahlt. Geben
nichts. Kutscher, fahr zu.
Nachmittags von 4
bis 5 Uhr weilte ich bei Goethen. Ein Frankfurter, Herr Fellner, wurde
angemeldet und abgeschlagen. »Man muß den Leuten abgewöhnen, einen unangemeldet
zu überfallen, man bekommt doch immer andere fremde Gedanken durch solche
Besuche, muß sich in ihre Zustände hineindenken. Ich will keine fremden
Gedanken, ich habe an meinen eigenen genug, kann mit diesen nicht fertig
werden.«
Eckermann trat
ein, das Gespräch kam auf Byron's Conversations. »Ich lese sie nun zum zweiten
Male, ich möchte sie nicht missen und doch lassen sie einen peniblen Eindruck
zurück. Wie viel Geklatsche oft nur um eine elende Kleinigkeit; welche
Empfindlichkeit über jedes alberne Urtheil der Journalisten, welch' ein wüstes
Leben mit Hunden, Affen, Pfauen, Pferden; alles ohne Folge und Zusammenhang. Nur
über Anschauungen urtheilt Byron vortrefflich und klar, Reflexion ist nicht
seine Sache, seine Urtheile und Combinationen sind dann oft die eines Kindes. Wie
viel zu geduldig läßt er sich Plagiate vorwerfen, scharmutzirt nur zu seiner
Vertheidigung, statt mit schwerem Geschütz die Gegner niederzudonnern.
Am 30. Oktober
1808 beklagte sich Goethe in einem Brief an Zelter: „Die Kunstwelt liegt
freilich zu sehr im Argen, als dass ein junger Mensch so leicht gewahr werden
sollte, worauf es ankommt. Sie suchen es immer wo anders als da, wo es
entspringt, und wenn sie die Quelle einmal erblicken, so können sie den Weg
dazu nicht finden. Deswegen bringen mich auch ein halb Dutzend jüngere
poetische Talente zur Verzweiflung, die bei außerordentlichen Naturanlagen
schwerlich viel machen werden, was mich erfreuen kann. Werner, Oehlenschläger,
Arnim, Brentano und andere treibens immerfort; aber alles geht durchaus ins
Form- und Charakterlose. Kein Mensch will begreifen, dass die höchste und
einzige Operation der Natur und Kunst die Gestaltung sei, und in der Gestaltung
die Spezifikation, damit jedes ein besonderes Bedeutendes werde, sei und
bleibe.“