Wo ist ein
Sicherplatz gegen die Langeweile wie das Schauspielhaus, wo verbindet sich die
Gesellschaft angenehmer, wo müssen die Menschen eher gestehen, daß sie Brüder
sind, als wenn sie an der Gestalt, an dem Munde eines einzigen hangend alle in
Einer Empfindung schwebend emporgetragen werden? Was sind Gemälde und Statuen,
gegen das lebendige Fleisch von meinem Fleisch, gegen das andre Ich, das
leidet, fröhlich ist, und jede gleichgestimmte Nerve in mir unmittelbar
berührt? Und wo läßt sich mehr Tugend vermuten, bei dem gedrückten Bürger, der
in ängstlich schmutzigem Gewerb seine Nahrung zusammen schleppt, oder bei dem,
dessen Kunst, die ihm Brot gibt, zugleich die edelsten größten Gefühle
der Menschheit durchdringt, der Tugend und Laster täglich in seiner Blöße
studiert und darstellt, und die Schönheit und Häßlichkeit am lebhaftesten
fühlen muß eh er sie andre so lebhaft empfinden lassen kann.