Prüft
das Geschick dich, weiß es wohl warum:
Es wünschte dich enthaltsam! Folge stumm.
Donnerstag, 30. Juli 2026
So zeigte sich diese junge, unerklärliche Person, die mich ganz eingenommen hatte, binnen zwei Jahren, die es ihr gefiel bei uns zu verweilen, bis sie mit einer Torheit schloß, die viel seltsamer ist, als ihre Eigenschaften ehrwürdig und glänzend waren. Mein Sohn, jünger als ich, wird sich trösten können; was mich betrifft, so fürchte ich, schwach genug zu sein, sie immer zu vermissen.
Dienstag, 28. Juli 2026
Donnerstag, 16. Juli 2026
Der junge Revanne hörte noch zu, da sie schon ausgesprochen hatte. Er stand wie vom Blitz getroffen; Tränen öffneten zuletzt seine Augen, und in dieser Rührung lief er zur Tante, zum Vater, ihnen zu sagen: Mademoiselle gehe weg, Mademoiselle sei ein Engel, oder vielmehr ein Dämon, herumirrend in der Welt, um alle Herzen zu peinigen. Aber die Pilgerin hatte so gut sich vorgesehen, daß man sie nicht wiederfand. Und als Vater und Sohn sich erklärt hatten, zweifelte man nicht mehr an ihrer Unschuld, ihren Talenten, ihrem Wahnsinn. So viel Mühe sich auch Herr von Revanne seit der Zeit gegeben, war es ihm doch nicht gelungen, sich die mindeste Aufklärung über diese schöne Person zu verschaffen, die so flüchtig wie die Engel und so liebenswürdig erschienen war.
Die
Frage Wilhelms: wann man ihm aufwarten könne? ward durch die Nachricht
beantwortet: der Herr sei, nach seiner Gewohnheit, ganz früh weggeritten. Er
pflege zu sagen: Aufmerksamkeit ist das Leben! – Sie werden diesen und andere
Sprüche, in denen er sich bespiegelt, in den Feldern über den Türen
eingeschrieben sehen, wie wir hier zum Beisüpiel gleich antreffen: Vom Nützlichen durchs Wahre zum Schönen.
Donnerstag, 9. Juli 2026
Nun
suchten die Schwestern durch Aufrichtigkeit und Mitteilung das Vertrauen des
schweigsamen Gastes, der ihnen gefiel, zu gewinnen; sie erzählten von einem
werten Vetter, der, drei Jahre abwesend, zunächst erwartet werde, von einer
würdigen Tante, die, unfern in ihrem Schlosse wohnend, als ein Schutzgeist der
Familie zu betrachten sei. In krankem Verfall des Körpers, in blühender
Gesundheit des Geistes ward sie geschildert, als wenn die Stimme einer
unsichtbar gewordenen Ursibylle rein göttliche Worte über die menschlichen
Dinge ganz einfach ausspräche.
Hersilie, die bisher lächelnd schweigsam geblieben, versetzte dagegen: »Wir Frauen sind in einem besondern Zustande. Die Maximen der Männer hören wir immerfort wiederholen, ja wir müssen sie in goldnen Buchstaben über unsern Häupten sehen, und doch wüßten wir Mädchen im stillen das Umgekehrte zu sagen, das auch gölte, wie es gerade hier der Fall ist. Die Schöne findet Verehrer, auch Freier, und endlich wohl gar einen Mann; dann gelangt sie zum Wahren, das nicht immer höchst erfreulich sein mag, und wenn sie klug ist, widmet sie sich dem Nützlichen, sorgt für Haus und Kinder und verharrt dabei. So habe ich's wenigstens oft gefunden. Wir Mädchen haben Zeit zu beobachten, und da finden wir meist, was wir nicht suchen.«



