Auch
ich verharre meiner Pflicht;
Der
Schatten weicht der Sonne nicht.
Mad.
B. wußte im Anfange nicht recht was sie mit Wilhelmen machen sollte. Die ersten
Zeiten ihrer Bekanntschaft gingen unter ziemlicher Gesprächichkeit hin, bis
diese sich endlich verlor, und er in eine selige Stille verfiel, in der wir
neben dem geliebten Gegenstande selbst aus der Langenweile eine
unaussprechliche Wollust saugen.
Seine
Gutheit, Ergebenheit, Beschränktheit, Unschuld, Genügsamkeit, Verehrung, und
Herzlichkeit machten sie Anfangs verlegen. Sie hatte in ihren ersten Jahren gar
zu bald die kindlichen Freuden der Liebe von sich weg gescheucht gesehen, sie
war sich so mancher Erniedrigungen bewußt, denen sie sich in den Armen eins und
des andern hatte hingeben müssen, auch gegenwärtig opferte sie sich den
heimlichen Vergnügungen eines reichen und unausstehlich platten Muttersöhngens
auf, und da sie von Natur eine gute Seele war wurd's ihr niemals recht wohl,
wenn Wilhelm ihr die Hand mit treuem Herzen hielt und küßte, wenn er ihr mit
dem vollen reinen Blick jugendlicher Liebe in die Augen sah, sie konnte den
Blick nicht aushalten, sie fürchtete er mögte Erfahrenheit in den ihrigen
lesen, verwirrt schlug sie die Augen nieder, und der glückliche Wilhelm glaubte
Ahndung, liebliches Geständnis der Liebe zu finden, und seine Sinnen gingen
durcheinander wie Saiten auf dem Psalter.
Glückliche
Jugend! glückliche Zeiten des ersten Liebebedürfnisses! Der Mensch ist dann wie
ein Kind, das sich am Echo stundenlang ergötzt, die Unkosten des Gesprächs
allein trägt und mit der Unterhaltung sehr wohl zufrieden
ist, wenn der unsichtbare Gegenmann auch nur die letzten Sylben seiner eignen
Worte wiederholt. Mariane half sich eine Zeitlang mit dieser Art. Sie hatte
geliebt, war Liebe fähig, und vor Wilhelmen hatte sie, wie vor einem fremden
Wesen, ein Gefühl, das der Ehrfurcht glich. Sie wußte sich halb natürlich, halb
theatralisch in die Stimmung zu versetzen in der er war, ihre drollige Art half
ihr vieles, und es währte nicht lange, so war sie mit ihm bekannt, sie kam sich
selbst in seiner Gegenwart besser vor, sie erinnerte sich wenig glücklicher
reiner Stunden ihrer Jugend, und die ganze Liebe mit der Wilhelm sie umfaßte,
der hohe Wert, den diese gute Seele auf sie legte, ihre eigne Neigung zu ihm,
verwischte bald, besonders in seiner Gegenwart, alles widrige Gefühl ihrer
Unwürdigkeit.
Ja ich wage mir zu schmeicheln Ew. Königl. Majestät werde die
beschränkte Mühseligkeit bey ernstem Wollen, welches sich in diesen Bogen
überall ausspricht, mit einiger Rührung betrachtet haben, und fasse die
Überzeugung daß Allerhöchstdieselben einem Zeitgenossen Leben und Bildung auf
eine bedeutende Weise großmüthig erleichtert hätten.