Mittwoch, 30. September 2026

 

Auch ich verharre meiner Pflicht;
Der Schatten weicht der Sonne nicht.

 

Zur Strafe, dafür es jeden graut,
Ist der Himmel neben die Hölle gebaut,
Damit die armen, verdammten Seelen
Vergeblich horchend baß sich quälen.
Drum, teure Kinder, seid fromm und gut,
Besonders hütet euch für Wankelmut.

Dienstag, 22. September 2026

 

Mad. B. wußte im Anfange nicht recht was sie mit Wilhelmen machen sollte. Die ersten Zeiten ihrer Bekanntschaft gingen unter ziemlicher Gesprächichkeit hin, bis diese sich endlich verlor, und er in eine selige Stille verfiel, in der wir neben dem geliebten Gegenstande selbst aus der Langenweile eine unaussprechliche Wollust saugen.


 

Mittwoch, 16. September 2026

 

Seine Gutheit, Ergebenheit, Beschränktheit, Unschuld, Genügsamkeit, Verehrung, und Herzlichkeit machten sie Anfangs verlegen. Sie hatte in ihren ersten Jahren gar zu bald die kindlichen Freuden der Liebe von sich weg gescheucht gesehen, sie war sich so mancher Erniedrigungen bewußt, denen sie sich in den Armen eins und des andern hatte hingeben müssen, auch gegenwärtig opferte sie sich den heimlichen Vergnügungen eines reichen und unausstehlich platten Muttersöhngens auf, und da sie von Natur eine gute Seele war wurd's ihr niemals recht wohl, wenn Wilhelm ihr die Hand mit treuem Herzen hielt und küßte, wenn er ihr mit dem vollen reinen Blick jugendlicher Liebe in die Augen sah, sie konnte den Blick nicht aushalten, sie fürchtete er mögte Erfahrenheit in den ihrigen lesen, verwirrt schlug sie die Augen nieder, und der glückliche Wilhelm glaubte Ahndung, liebliches Geständnis der Liebe zu finden, und seine Sinnen gingen durcheinander wie Saiten auf dem Psalter.

 

Glückliche Jugend! glückliche Zeiten des ersten Liebebedürfnisses! Der Mensch ist dann wie ein Kind, das sich am Echo stundenlang ergötzt, die Unkosten des Gesprächs allein trägt und mit der Unterhaltung sehr wohl zufrieden ist, wenn der unsichtbare Gegenmann auch nur die letzten Sylben seiner eignen Worte wiederholt. Mariane half sich eine Zeitlang mit dieser Art. Sie hatte geliebt, war Liebe fähig, und vor Wilhelmen hatte sie, wie vor einem fremden Wesen, ein Gefühl, das der Ehrfurcht glich. Sie wußte sich halb natürlich, halb theatralisch in die Stimmung zu versetzen in der er war, ihre drollige Art half ihr vieles, und es währte nicht lange, so war sie mit ihm bekannt, sie kam sich selbst in seiner Gegenwart besser vor, sie erinnerte sich wenig glücklicher reiner Stunden ihrer Jugend, und die ganze Liebe mit der Wilhelm sie umfaßte, der hohe Wert, den diese gute Seele auf sie legte, ihre eigne Neigung zu ihm, verwischte bald, besonders in seiner Gegenwart, alles widrige Gefühl ihrer Unwürdigkeit.

 

Ihr andrer Liebhaber war abwesend, und sie schob das Verhältnis mit ihm im Gedächtnisse seitwärts, wie man das Andenken von irgend einer Schuld aus dem Reiche der lebhaften Erinnerungen in das Fach der historischen Kenntnisse verscheucht.

Freitag, 11. September 2026

 

Ja ich wage mir zu schmeicheln Ew. Königl. Majestät werde die beschränkte Mühseligkeit bey ernstem Wollen, welches sich in diesen Bogen überall ausspricht, mit einiger Rührung betrachtet haben, und fasse die Überzeugung daß Allerhöchstdieselben einem Zeitgenossen Leben und Bildung auf eine bedeutende Weise großmüthig erleichtert hätten.

 


 

 

Möge mir diese Ausführlichkeit verziehen seyn; hätte ich das Glück von Ew. Majestät in Gegenwart gehört zu werden, so würde ich gleichmäßig Geist und Herz aufzuschließen gnädigste Genehmigung hoffen.