Dienstag, 30. Juni 2026

 

Wie kommts, dass du so traurig bist,

Da alles froh erscheint?

Man sieht dirs an den Augen an,

Gewiss, du hast geweint.

 

"Und hab ich einsam auch geweint,

So ists mein eigner Schmerz,

Und Tränen fliessen gar süss,

Erleichtern mir das Herz."

 

Montag, 29. Juni 2026

 

Mit Goethe zu Tische. Ich sprach mit ihm über eine Stelle in seinen Gedichten, ob es heißen müsse: ›Wie es dein Priester Horaz in der Entzückung verhieß‹, wie in allen ältern Ausgaben steht; oder: ›Wie es dein Priester Properz u.s.w.,‹ welches die neue Ausgabe hat.

»Zu dieser letztern Lesart,« sagte Goethe, »habe ich mich durch Göttling verleiten lassen. Priester Properz klingt zudem schlecht, und ich bin daher für die frühere Lesart.«

»So,« sagte ich, »stand auch in dem Manuscript Ihrer ›Helena‹, daß Theseus sie entführet als ein zehnjährig schlankes Reh. Auf Göttling's Einwendungen dagegen haben Sie nun drucken lassen: ein siebenjährig schlankes Reh, welches gar zu jung ist, sowohl für das schöne Mädchen als für die Zwillingsbrüder Kastor und Pollux, die sie befreien. Das Ganze liegt ja so in der Fabelzeit, daß niemand sagen kann wie alt sie eigentlich war, und zudem ist die ganze Mythologie so versatil, daß man die Dinge brauchen kann wie es am bequemsten und hübschesten ist.«

»Sie haben Recht,« sagte Goethe; »ich bin auch dafür, daß sie zehn Jahre alt gewesen sei, als Theseus sie entführte, und ich habe daher auch später geschrieben: vom zehnten Jahre an hat sie nichts getaugt. In der künftigen Ausgabe mögt Ihr daher aus dem siebenjährigen Reh immer wieder ein zehnjähriges machen.«

Samstag, 27. Juni 2026

 

Zum Nachtisch zeigte Goethe mir zwei frische Hefte von Neureuther nach seinen Balladen, und wir bewunderten vor allem den freien heitern Geist des liebenswürdigen Künstlers.


 

Dienstag, 23. Juni 2026

 

Gedenken Sie mein mit den Ihrigen.

 

Alles empfiehlt sich Ihnen hier aufs beste.

Mittwoch, 10. Juni 2026

 

Und sie in ihrer warmen Sphäre
Fühlt sich behaglich, zierlich, fein:
Da sie nicht ohne den Menschen wäre,
So dünkt sie sich ein Mensch zu sein.

 

Was waren das für schöne Zeiten!
In Ecclesia mulier taceat!
Jetzt, da eine jegliche Stimme hat,
Was will Ecclesia bedeuten.

Montag, 8. Juni 2026

Sonntag, 7. Juni 2026

 

Autorität: ohne sie kann der Mensch nicht existieren, und doch bringt sie ebensoviel Irrtum als Wahrheit mit sich. Sie verewigt im einzelnen, was ein­zeln vorübergehen wollte, lehnt ab und lässt vorbeigehen, was festgehalten werden sollte, und ist hauptsächlich Ursache, dass die Menschheit nicht vom Flecke kommt.