Freitag, 11. September 2026

 

Ja ich wage mir zu schmeicheln Ew. Königl. Majestät werde die beschränkte Mühseligkeit bey ernstem Wollen, welches sich in diesen Bogen überall ausspricht, mit einiger Rührung betrachtet haben, und fasse die Überzeugung daß Allerhöchstdieselben einem Zeitgenossen Leben und Bildung auf eine bedeutende Weise großmüthig erleichtert hätten.

 


 

 

Möge mir diese Ausführlichkeit verziehen seyn; hätte ich das Glück von Ew. Majestät in Gegenwart gehört zu werden, so würde ich gleichmäßig Geist und Herz aufzuschließen gnädigste Genehmigung hoffen.

Donnerstag, 10. September 2026

Weil denn nun auch jede Stadt ihre Tragödie haben muß, wovor sich Kinder und Kindeskinder entsetzen, so ward in Straßburg oft des unglücklichen Prätors Klinglin gedacht, der, nachdem er die höchste Stufe irdischer Glückseligkeit erstiegen, Stadt und Land fast unumschränkt beherrscht und alles genossen, was Vermögen, Rang und Einfluß nur gewähren können, endlich die Hofgunst verloren habe, und wegen alles dessen, was man ihm bisher nachgesehen, zur Verantwortung gezogen worden, ja sogar in den Kerker gebracht, wo er, über siebenzig Jahre alt, eines zweideutigen Todes verblichen.

 

In der gärenden Zeit dieser natürlichen Kunstbemühungen, wollte das Schicksal daß die Liebe ihn mit noch festern Banden ans Theater knüpfte. Bisher waren seine kleine Geschichtgen wie Präludien zu einem großen Musik Stücke gewesen, wo man in manchfaltigen Harmonien aus einem Tone in den andern übergeht, ohne eine bestimmte Melodie vorzutragen, und ohne einen andern Zweck zu haben als das Ohr zu mehr Empfänglichkeit für das Folgende vorzubereiten, und den Zuhörer unvermerkt an die Pforte zu führen wo sich ihm die ganze Herrlichkeit auf einmal offenbaren soll. Den meisten Menschen geht's so in der Liebe, und wen das Schicksal lieb hat den leitet's so zu Glück und Unglück.

Sonntag, 6. September 2026


 

 Wo ist ein Sicherplatz gegen die Langeweile wie das Schauspielhaus, wo verbindet sich die Gesellschaft angenehmer, wo müssen die Menschen eher gestehen, daß sie Brüder sind, als wenn sie an der Gestalt, an dem Munde eines einzigen hangend alle in Einer Empfindung schwebend emporgetragen werden? Was sind Gemälde und Statuen, gegen das lebendige Fleisch von meinem Fleisch, gegen das andre Ich, das leidet, fröhlich ist, und jede gleichgestimmte Nerve in mir unmittelbar berührt? Und wo läßt sich mehr Tugend vermuten, bei dem gedrückten Bürger, der in ängstlich schmutzigem Gewerb seine Nahrung zusammen schleppt, oder bei dem, dessen Kunst, die ihm Brot gibt, zugleich die edelsten größten Gefühle der Menschheit durchdringt, der Tugend und Laster täglich in seiner Blöße studiert und darstellt, und die Schönheit und Häßlichkeit am lebhaftesten fühlen muß eh er sie andre so lebhaft empfinden lassen kann. 

Freitag, 4. September 2026

Ein Mädgen das zu mehrern Liebhabern die es unter sich gebracht hat, noch einen frischen gewinnt, gleicht der Flamme, wenn auf bald verzehrte Brände ein neu Stück Holz gelegt wird. Geschäftigt schmeichelt sie dem ankommenden Liebling, leckt sich an ihm betulich hinauf, rings an ihn herum, daß er in vollem herrlichem Glanz leuchtet, ihre Gierigkeit scheint nur an ihm hinzuspielen, aber mit jedem Zuge faßt sie tiefer, und zehrt ihm das Mark bis ins Innerste aus. Bald wird er, wie seine verlaßne Nebenbuhler, am Grunde liegen, und in angeschmauchter Trauer, in sich glühend, verglimmen.  

Die Natur hat uns meist so glücklich mit uns selbst verwebt, daß wir nicht leicht einen andern, seine Handlungen und Besitzungen ansehen, ohne auf uns zurückzukehren, um das Unsere, wäre es auch verhältnismäßig noch so klein, mit dem angenehmsten Vorgefühl zu genießen. Gütige Mutter, wie weise und liebreich hast du die kleine enge Haushaltung eines jeden sparsam reichlich ausgestattet. 

 

Es hezt mich alles!