Mittwoch, 30. April 2014

Dieser Goethe, von dem und von dem allein ich vom Aufgang bis zum Niedergang der Sonne, und von ihrem Niedergang bis wieder zu ihrem Aufgang mit Ihnen sprechen und stammeln und singen und dithyrambisieren möchte, dessen Genius zwischen Klopstocken und mir stand, und über die Alpen und Schneegebirge gleichsam einen Sonnenschleyer herwarf, er selbst immer mir gegenüber, und neben und über mir, dieser Goethe hat sich gleichsam über alle meine Ideale emporgeschwungen, die ich jemals von unmittelbarem Gefühl und Anschaun eines grossen Genius gefasst hatte. Noch nie hätt' ich das Gefühl der Jünger von Emmaus im Evangelio so gut exegesieren und mitempfinden können, von dem sie sagten: »Brannte nicht unser Herz in uns, als er mit uns redete?« Machen wir ihn immer zu unserm Herrn Christus, und lassen Sie mich den letzten seiner Jünger seyn! Er hat so viel und so vortrefflich mit mir gesprochen; Worte des ewigen Lebens, die, so lang ich atme, meine Glaubensartikel seyn sollen.

Er urtheilt schief, und es scheint fast, dass er es weiss, dass sein Verstand ohne langes Nachdenken nicht zuverlässig ist, denn er gibt Leuten, von denen er mutmasst, dass sich ihre Einsichten über die gemeinen erheben, lieber recht, als dass er sich die Verlegenheit über den Hals zöge, eine Materie mit ihnen durchsprechen, wobei er seine Schwäche sehen liesse.

Freitag, 25. April 2014


 

 

Der kleine Fitz stand auf einmal still und horchte. Er winkte die andern herbei: »Hört ihr pochen?« sprach er. »Es ist der Schall eines Hammers, der den Fels trifft.« – »Wir hören's«, versetzten die andern. – »Das ist Montan!« sagte er, »oder jemand, der uns von ihm Nachricht geben kann.« – Als sie dem Schalle nachgingen, der sich von Zeit zu Zeit wiederholte, trafen sie auf eine Waldblöße und sahen einen steilen, hohen, nackten Felsen über alles hervorragen, die hohen Wälder selbst tief unter sich lassend. Auf dem Gipfel erblickten sie eine Person. Sie stand zu entfernt, um erkannt zu werden.


 

Sonntag, 20. April 2014

Und doch - doch, doch, wollen wir sehen! Wenn's auch nur nicht ganz so schlimm wird, als es sonst geworden wäre, wenn auch nur etwas Gutes geschieht, das sonst nicht geschehen wäre - so war's ja der Mühe wert!

Sonntag, 13. April 2014

Du würdest ihn vergöttern! Er ist der furchtbarste und liebenswürdigste Mensch. 

Samstag, 12. April 2014

Donnerstag, 10. April 2014

 

Die Knaben erreichten bald den Gipfel, und Wilhelm vernahm ein lautes Freudengeschrei. Es ist Montan! rief Felix seinem Vater entgegen, und Montan trat sogleich an eine schroffe Stelle, reichte seinem Freunde die Hand und zog ihn aufwärts. Sie umarmten und bewillkommten sich in der freien Himmelsluft mit Entzücken.

Es ist Jarno, rief Felix …

 

Kaum aber hatten sie sich losgelassen, als Wilhelm ein Schwindel überfiel, nicht sowohl um seinetwillen, als weil er die Kinder über dem ungeheuren Abgrunde hängen sah. Jarno bemerkte es und hieß alle sogleich niedersitzen. Es ist nichts natürlicher, sagte er, als daß uns vor einem großen Anblick schwindelt, vor dem wir uns unerwartet befinden, um zugleich unsere Kleinheit und unsere Größe zu fühlen. Aber es ist ja überhaupt kein echter Genuß als da, wo man erst schwindeln muß.

 

Es ist weit und breit, versetzte Jarno, und da du nach solchen Dingen fragst, so merke dir, daß du gegenwärtig auf dem ältesten Gebirge, auf dem frühesten Gestein dieser Welt sitzest. - Ist denn die Welt nicht auf einmal gemacht? fragte Felix. – Schwerlich, versetzte Montan; gut Ding will Weile haben. –


 

Mittwoch, 9. April 2014


Was Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden. Goethe, Lavater, Herder, warum sollten sie nicht auch meine Freunde sein? Seit ich dies Kleeblatt kenne, sind sie meine Heiligen.

Ich lebe nun neun Wochen mit Goethen und lebe, seit unserer Seelenvereinigung so unvermerkt und ohne allen effort nach und nach zustande gekommen, ganz in ihm. Es ist in allen Betrachtungen und von allen Seiten das größte, beste, herrlichste menschliche Wesen, das Gott geschaffen hat. Heute war eine Stunde, wo ich in erst in seiner ganzen Herrlichkeit — der ganzen schönen gefühlvollen reinen Menschheit sah. Außer mir kniet' ich neben ihn, drückte meine Seele an seine Brust und betete Gott an.

Freund, ich bin allein; alles schläft, und mich hält's wach, daß es kaum ist, wie ich noch mit Dir zusammen war. Vielleicht, Göthe, war dies das höchste Ereignis meines Lebens; vielleicht war es der reichste, der seligste Augenblick; schönere Tage sollen mir nicht kommen, ich würde sie abweisen.
Oft fuhren Goethe und Lerse den Rhein hinauf. Da geriet Goethe oft in hohe Verzückung, sprach Worte der Prophezeiung und machte Lerse Besorgnisse, er werde überschnappen.
Schön wie ein Engel warst Du, bist Du und bleibst Du, so waren auch in Deiner frühesten Jugend aller Augen auf Dich gerichtet. Einmal stand jemand am Fenster bei Deiner Mutter, da Du eben über die Straße herkamst mit mehreren andern Knaben; sie bemerkten, daß Du sehr gravitätisch einherschrittest und hielten Dir vor, daß Du Dich mit Deinem Gradehalten sehr sonderbar von den andern Knaben auszeichnetest. – Mit diesem mache ich den Anfang, sagtest Du, und später werd' ich mich mit noch allerlei auszeichnen; und das ist auch wahr geworden, sagte die Mutter.

Über Goethen habe ich wohl zehn mal mich halb zu schanden geärgert, der ordentl. Kindisch über das alberne critische wesen ist, u. einen solchen geschmack daran findet dass er den seinigen darüber sehr verdorben hat: er besieht dabey das Ding, u. das ganze academische Wesen mit einem solchen leichtsinn dass er alles das gute was er bey seinen häufigen anwesenheiten zu Jena stiften könnte, unterläßet, er könnte leichter wie jemand wißen was jene schäckers lehren, uns davon avertiren, u. ihnen selbst zuweilen einreden u. sie durch vermahnungen in der ordnung halten. […] So aber findet er die sudeligen charmant […]. Mit Göthen kann ich gar nicht mehr über diese Sache reden, denn er verliert sich gleich dabey in eine so wort- u. Sophismen reiche discussion dass mir alle Gedult ausgeht,

Dienstag, 8. April 2014

Montag, 7. April 2014

Was Goethe und ich einander sein sollten, sein mussten, war, sobald wir vom Himmel runter neben einander hingefallen waren, im Nu entschieden.