Mittwoch, 5. März 2014

 

Aus dem Parterre konnte er ihren Anblick fast gar nicht mehr aushalten, es saß ihm gleich an der Kehle. Er machte sich aufs Theater, hinter die Wände. Die perspektivische Magie war weg, aber der Zauber der Liebe blieb. Stundenlang konnte er am schmierigen Lichtwagen stehn, sich den Qualm der Unschlittlampen an die Nase gehen lassen, nach ihr hinausblicken, an einem Blick von ihr erzittern und in dem Balken und Latten Gerippe sich ein Paradies fühlen. Die ausgestopfte Lämmgen, Wasserfälle von Zindel, die pappene Rosenstöcke, und die einseitigen Strohhütten rührten in ihm die lieblichsten Bilder, die er je in Dichtern von Schäferwelt gelesen hatte, sogar die hagere, langmäßige, weitbrüstige Tänzerinnen waren ihm nicht immer zu wider, weil sie auf Einem Brette mit seiner Einzigen stunden.

 

Und so ist es gewiß, daß Liebe, die selbst Rosen, und Myrtenwäldgen, und Mondschein erst beleben muß, auch Hobelspäne und Papierschnitzeln beleben kann – Sie ist so eine starke Würze, daß die schalsten und ekelsten Brühen davon schmackhaft werden. Solch einer Würze brauchte es freilich um den Zustand leidlich und in der Folge angenehm zu machen, in dem er gewöhnlich die verworrne Haushaltung ihrer Stube, auch wohl gelegentlich sie selbst antraf. 

 

In einem feinen Bürgerhause erzogen war Ordnung und Reinlichkeit das Element worin er atmete, und seine erhöhte Einbildungskraft hatte von jeher sein Zimmer, das er als sein kleines Reich ansah, stattlich ausstaffiert. Seine Bett-Vorhänge waren in großen Falten mit Quasten aufgezogen wie die Thronen gemalt werden, mit einigen Unkosten hatte er sich einen Teppich in die Mitte des Zimmers und einen feinen auf den Tisch angeschafft. Seine Bücher und Gerätschaften legte, und stellte er fast mechanisch so, daß sie meist eine schöne Gruppe machten, seine Mütze hatte er wie einen Turban zurechte gelegt, und die weiten Ärmel an seinem Schlafrock nach türkischem Schnitt kurz stutzen lassen, davon er zwar die Ursache angab, daß sie ihn im Schreiben hinderten, und wenn er Abends ganz allein war, und niemand mehr zu fürchten hatte, trug er eine seidne Schärpe um den Leib, auch sagt man, daß er wohl manchmal einen Dolch, den er sich aus einer alten Rüstkammer zugeeignet, in Gürtel gesteckt habe und die Stube mit auf und ab marschiert sei, ja er soll nie anders sein Gebet als knieend auf dem Teppich verrichtet haben.

 

Was soll der Stolz,
Das Gerede, der Spott?
So nimm doch Holz
Und schnitz auch einen Gott.