Dienstag, 1. September 2026
Sonntag, 30. August 2026
Freitag, 28. August 2026
Und so erhalten wir auch mit freundlicher Gewohnheit den äußern Schein, zu dem wir zufällig gelangt und der so gut zu unserm Innern paßt: denn ob wir gleich alle gute Fußgänger und rüstige Träger sind, so bleibt das lastbare Tier doch immer in unserer Gesellschaft, um eine oder die andere Bürde fortzubringen, wenn uns ein Geschäft oder Besuch durch diese Berge und Täler nötigt. Wie Ihr uns gestern angetroffen habt, so kennt uns die ganze Gegend, und wir sind stolz darauf, daß unser Wandel von der Art ist, um jenen heiligen Namen und Gestalten, zu deren Nachahmung wir uns bekennen, keine Schande zu machen.
Mittwoch, 26. August 2026
Aber wie das Erhabene von Dämmerung und Nacht, wo sich die Gestalten
vereinigen, gar leicht erzeugt wird, so wird es dagegen vom Tage verscheucht,
der alles sondert und trennt, und so muß es auch durch jede wachsende Bildung
vernichtet werden, wenn es nicht glücklich genug ist, sich zu dem Schönen zu
flüchten und sich innig mit ihm zu vereinigen, wodurch denn beide gleich
unsterblich und unverwüstlich sind.
Dienstag, 25. August 2026
Sonntag, 23. August 2026
Dienstag, 18. August 2026
Man
sieht mancherlei Holz gezimmert; eben soll es zusammengesetzt werden, und
zufälligerweise bilden ein paar Stücke ein Kreuz. Das Kind ist auf dem Kreuze
eingeschlafen, die Mutter sitzt daneben und betrachtet es mit inniger Liebe,
und der Pflegevater hält mit der Arbeit inne, um den Schlaf nicht zu stören.
Gleich darauf folgt die Flucht nach Ägypten. Sie erregte bei dem beschauenden
Wanderer ein Lächeln, indem er die Wiederholung des gestrigen lebendigen Bildes
hier an der Wand sah.
Sonntag, 16. August 2026
Dem
heiligen Joseph war nichts Geringeres aufgetragen, als einen Thron für den
König Herodes zu machen. Zwischen zwei gegebenen Säulen soll der Prachtsitz
aufgeführt werden. Joseph nimmt sorgfältig das Maß von Breite und Höhe und
arbeitet einen köstlichen Königsthron. Aber wie erstaunt ist er, wie verlegen,
als er den Prachtsessel herbeischafft: er findet sich zu hoch und nicht breit
genug. Mit König Herodes war, wie bekannt, nicht zu spaßen; der fromme
Zimmermeister ist in der größten Verlegenheit. Das Christkind, gewohnt, ihn
überallhin zu begleiten, ihm in kindlich demütigem Spiel die Werkzeuge
nachzutragen, bemerkt seine Not und ist gleich mit Rat und Tat bei der Hand.
Das Wunderkind verlangt vom Pflegevater, er solle den Thron an der einen Seite
fassen; es greift in die andere Seite des Schnitzwerks, und beide fangen an zu
ziehen. Sehr leicht und bequem, als wär' er von Leder, zieht sich der Thron in
die Breite, verliert verhältnismäßig an der Höhe und paßt ganz vortrefflich an
Ort und Stelle, zum größten Troste des beruhigten Meisters und zur vollkommenen
Zufriedenheit des Königs.
Freitag, 7. August 2026
Dienstag, 4. August 2026
Und kurz darauf jene zwei Wörter, die seine berühmtesten sind: Mehr
Licht! Aber tatsächlich hat Goethe als Letztes nicht Mehr Licht,
sondern Mehr nicht! gesagt. Nur Riemer und ich – und Kräuter –
waren dabei anwesend. Wir, Riemer, Kräuter und ich einigten uns darauf, der
Welt mitzuteilen, Goethe habe Mehr Licht gesagt als
Letztes und nicht Mehr nicht! An dieser Lüge als
Verfälschung leide ich, nachdem Riemer und Kräuter längst daran gestorben sind,
noch heute.
Sonntag, 2. August 2026
Donnerstag, 30. Juli 2026
So zeigte sich diese junge, unerklärliche Person, die mich ganz eingenommen hatte, binnen zwei Jahren, die es ihr gefiel bei uns zu verweilen, bis sie mit einer Torheit schloß, die viel seltsamer ist, als ihre Eigenschaften ehrwürdig und glänzend waren. Mein Sohn, jünger als ich, wird sich trösten können; was mich betrifft, so fürchte ich, schwach genug zu sein, sie immer zu vermissen.
Dienstag, 28. Juli 2026
Donnerstag, 16. Juli 2026
Der junge Revanne hörte noch zu, da sie schon ausgesprochen hatte. Er stand wie vom Blitz getroffen; Tränen öffneten zuletzt seine Augen, und in dieser Rührung lief er zur Tante, zum Vater, ihnen zu sagen: Mademoiselle gehe weg, Mademoiselle sei ein Engel, oder vielmehr ein Dämon, herumirrend in der Welt, um alle Herzen zu peinigen. Aber die Pilgerin hatte so gut sich vorgesehen, daß man sie nicht wiederfand. Und als Vater und Sohn sich erklärt hatten, zweifelte man nicht mehr an ihrer Unschuld, ihren Talenten, ihrem Wahnsinn. So viel Mühe sich auch Herr von Revanne seit der Zeit gegeben, war es ihm doch nicht gelungen, sich die mindeste Aufklärung über diese schöne Person zu verschaffen, die so flüchtig wie die Engel und so liebenswürdig erschienen war.
Die
Frage Wilhelms: wann man ihm aufwarten könne? ward durch die Nachricht
beantwortet: der Herr sei, nach seiner Gewohnheit, ganz früh weggeritten. Er
pflege zu sagen: Aufmerksamkeit ist das Leben! – Sie werden diesen und andere
Sprüche, in denen er sich bespiegelt, in den Feldern über den Türen
eingeschrieben sehen, wie wir hier zum Beisüpiel gleich antreffen: Vom Nützlichen durchs Wahre zum Schönen.
Donnerstag, 9. Juli 2026
Nun
suchten die Schwestern durch Aufrichtigkeit und Mitteilung das Vertrauen des
schweigsamen Gastes, der ihnen gefiel, zu gewinnen; sie erzählten von einem
werten Vetter, der, drei Jahre abwesend, zunächst erwartet werde, von einer
würdigen Tante, die, unfern in ihrem Schlosse wohnend, als ein Schutzgeist der
Familie zu betrachten sei. In krankem Verfall des Körpers, in blühender
Gesundheit des Geistes ward sie geschildert, als wenn die Stimme einer
unsichtbar gewordenen Ursibylle rein göttliche Worte über die menschlichen
Dinge ganz einfach ausspräche.
Hersilie, die bisher lächelnd schweigsam geblieben, versetzte dagegen: »Wir Frauen sind in einem besondern Zustande. Die Maximen der Männer hören wir immerfort wiederholen, ja wir müssen sie in goldnen Buchstaben über unsern Häupten sehen, und doch wüßten wir Mädchen im stillen das Umgekehrte zu sagen, das auch gölte, wie es gerade hier der Fall ist. Die Schöne findet Verehrer, auch Freier, und endlich wohl gar einen Mann; dann gelangt sie zum Wahren, das nicht immer höchst erfreulich sein mag, und wenn sie klug ist, widmet sie sich dem Nützlichen, sorgt für Haus und Kinder und verharrt dabei. So habe ich's wenigstens oft gefunden. Wir Mädchen haben Zeit zu beobachten, und da finden wir meist, was wir nicht suchen.«
Freitag, 3. Juli 2026
Dienstag, 30. Juni 2026
Montag, 29. Juni 2026
Mit Goethe zu Tische. Ich sprach mit ihm über eine Stelle in seinen
Gedichten, ob es heißen müsse: ›Wie es dein Priester Horaz in der Entzückung
verhieß‹, wie in allen ältern Ausgaben steht; oder: ›Wie es dein Priester
Properz u.s.w.,‹ welches die neue Ausgabe hat.
»Zu dieser letztern Lesart,« sagte Goethe, »habe ich mich durch Göttling
verleiten lassen. Priester Properz klingt zudem schlecht, und ich bin daher für
die frühere Lesart.«
»So,« sagte ich, »stand auch in dem Manuscript Ihrer ›Helena‹, daß
Theseus sie entführet als ein zehnjährig schlankes Reh. Auf Göttling's
Einwendungen dagegen haben Sie nun drucken lassen: ein siebenjährig schlankes
Reh, welches gar zu jung ist, sowohl für das schöne Mädchen als für die
Zwillingsbrüder Kastor und Pollux, die sie befreien. Das Ganze liegt ja so in
der Fabelzeit, daß niemand sagen kann wie alt sie eigentlich war, und zudem ist
die ganze Mythologie so versatil, daß man die Dinge brauchen kann wie es am
bequemsten und hübschesten ist.«
»Sie haben Recht,« sagte Goethe; »ich bin auch dafür, daß sie zehn Jahre
alt gewesen sei, als Theseus sie entführte, und ich habe daher auch später
geschrieben: vom zehnten Jahre an hat sie nichts getaugt. In der künftigen
Ausgabe mögt Ihr daher aus dem siebenjährigen Reh immer wieder ein zehnjähriges
machen.«
Samstag, 27. Juni 2026
Mittwoch, 10. Juni 2026
Montag, 8. Juni 2026
Sonntag, 7. Juni 2026
Autorität: ohne
sie kann der Mensch nicht existieren, und doch bringt sie ebensoviel Irrtum als
Wahrheit mit sich. Sie verewigt im einzelnen, was einzeln vorübergehen wollte,
lehnt ab und lässt vorbeigehen, was festgehalten werden sollte, und ist
hauptsächlich Ursache, dass die Menschheit nicht vom Flecke kommt.
Samstag, 6. Juni 2026
Freitag, 29. Mai 2026
Freitag, 22. Mai 2026
Freitag, 15. Mai 2026
Den
24. Juli. Der Morgen ging ziemlich ruhig hin, der Ausmarsch verzögerte sich, es
sollten Geldangelegenheiten sein, die man so bald nicht abtun könne. Endlich zu
Mittag, als alles bei Tisch und Topf beschäftigt und eine große Stille im Lager
sowie auf der Chaussee war, fuhren mehrere dreispännige Wagen, in einiger Ferne
voneinander, sehr schnell vorbei, ohne daß man sich's versah und darüber
nachsann; doch bald verbreitete sich das Gerücht: auf diese kühne und kluge
Weise hätten mehrere Klubisten sich gerettet. Leidenschaftliche Personen
behaupteten, man müsse nachsetzen, andere ließen es beim Verdruß bewenden,
wieder andere wollten sich verwundern: daß auf dem ganzen Wege keine Spur von
Wache, noch Pikett, noch Aufsicht erscheine; woraus erhelle, sagten sie, daß
man von oben herein durch die Finger zu sehen und alles, was sich ereignen
könnte, dem Zufall zu überlassen geneigt sei.
Diese
Betrachtungen jedoch wurden durch den wirklichen Auszug unterbrochen und
umgestimmt. Auch hier kamen mir und Freunden die Fenster des Chausseehauses
zustatten. Den Zug sahen wir in aller seiner Feierlichkeit herankommen.
Angeführt durch preußische Reiterei, folgte zuerst die französische
Garnison. Seltsamer war nichts, als wie sich dieser Zug ankündigte; eine
Kolonne Marseiller, klein, schwarz, buntscheckig, lumpig gekleidet, trappelten
heran, als habe der König Edwin seinen Berg aufgetan und das muntere
Zwergenheer ausgesendet. Hierauf folgten regelmäßigere Truppen, ernst und
verdrießlich, nicht aber etwa niedergeschlagen oder beschämt. Als die
merkwürdigste Erscheinung dagegen mußte jedermann auffallen, wenn die Jäger zu
Pferd heraufritten; sie waren ganz still bis gegen uns herangezogen, als ihre
Musik den Marseiller Marsch anstimmte. Dieses revolutionäre Te Deum hat ohnehin
etwas Trauriges, Ahndungsvolles, wenn es auch noch so mutig vorgetragen wird;
diesmal aber nahmen sie das Tempo ganz langsam, dem schleichenden Schritt
gemäß, den sie ritten. Es war ergreifend und furchtbar und ein ernster Anblick,
als die Reitenden, lange hagere Männer, von gewissen Jahren, die Miene
gleichfalls jenen Tönen gemäß, heranrückten; einzeln hätte man sie dem Don
Quichote vergleichen können, in Masse erschienen sie höchst ehrwürdig.
Sonntag, 10. Mai 2026
Als
ich zurückfuhr, rief mich ein Mann mittleren Alters an und bat mich, seinen
Knaben von ungefähr acht Jahren, den er an der Hand mit fortschleppte, zu mir
zu nehmen. Er war ein ausgewanderter Mainzer, welcher, mit großer Hast und Lust
seinen bisherigen Aufenthalt verlassend, herbeilief, den Auszug der Feinde
triumphierend anzusehen, sodann aber den zurückgelassenen Klubisten Tod und
Verderben zu bringen schwor. Ich redete ihm begütigende Worte zu und stellte
ihm vor: daß die Rückkehr in einen friedlichen und häuslichen Zustand nicht mit
neuem bürgerlichen Krieg, Haß und Rache müsse verunreinigt werden, weil sich das
Unglück ja sonst verewige. Die Bestrafung solcher schuldigen Menschen müsse man
den hohen Alliierten und dem wahren Landesherrn nach seiner Rückkehr
überlassen, und was ich sonst noch Besänftigendes und Ernstliches anführte;
wozu ich ein Recht hatte, indem ich das Kind in den Wagen nahm und beide mit
einem Trunk guten Weins und Bretzeln erquickte. An einem abgeredeten Ort setzt'
ich den Knaben nieder, da sich denn der Vater schon von weitem zeigte und mit
dem Hut mir tausend Dank und Segen zuwinkte.
Samstag, 2. Mai 2026
Donnerstag, 30. April 2026
Sonntag, 26. April 2026
Sie
wissen, ich bekümmere mich im Ganzen wenig um das, was über mich geschrieben
wird, aber es kommt mir doch zu Ohren, und ich weiß recht gut, dass, so sauer
ich es mir auch mein lebelang habe werden lassen, all mein Wirken in den Augen
gewisser Leute für nichts geachtet wird, eben weil ich verschmäht habe, mich in
politische Parteiungen zu mengen. Um diesen Leuten recht zu sein, hätte ich
müssen Mitglied eines Jakobinerklubs werden und Mord und Blutvergießen
predigen! – Doch kein Wort mehr über diesen schlechten Gegenstand, damit ich
nicht unvernünftig werde, indem ich das Unvernünftige bekämpfe.
Donnerstag, 23. April 2026
Montag, 20. April 2026
Freitag, 17. April 2026
Freitag, 10. April 2026
Heidelberg, den 11. Mai 1811.
Dein Glück bei Goethe, so
preislich Du es auch in den brillantesten Zügen herausstreichst, kömmt mir
nicht unerwartet, Du weißt, wie ich in Hinsicht der äußeren Verträglichkeit
über den alten Herrn denke; doch gefalle Dir nur nicht zu sehr in der vornehm
gelehrten Rolle, die Du angenommen hast, und bedenke, wie in allen menschlichen
Dingen, das Ende. Wenn Du nur Schwarz auf Weiß Dir herausreden kannst, erst
dann will ich Dich nach allen Kräften rühmen und preisen. Seit das Kantische
Prinzip der Zweckmäßigkeit ohne Zweck wieder aus der Mode gekommen, finde ich
das rein ästhetische Wohlgefallen überall in diesem interessierten Zeitalter
malplaciert, und denke im Gegensatz des Evangeliums: gebt uns nur erst alles
Andere, das Himmelreich wollen wir schon selbst zu finden trachten. Indessen
ist es denn doch kein kleiner Triumph für den Ernst und die Redlichkeit Deines
Strebens, mit einem so hoch berühmten und mit Recht verehrten Mann, um dessen
Beifall gewichtigere Männer wie Du, vergebens in Kunst und Wissenschaft sich
bemüht haben, auf diesem Punkte geistiger Vertraulichkeit und Gemeinschaft zu
stehen. Auch möchte ich Dich heimlich belauschen, Du warst gewiß innerlich so
gepudert, mit Stern und Ordensband geziert und schimmerst so sehr in fremdem
und eigenem Lichte, daß Du in der Dunkelheit Deines Wirthsstübchens ganz
transparent erscheinen mußt. Wenn uns einmal etwas in der Welt gelingen sollte,
liebes Kind, ohne Mühe und Anstrengung, in Lust und Freude haben wir es nicht
errungen, unter drückenden bürgerlichen und häuslichen Verhältnissen, im
Widerstreit gegen langjähriges Vorurtheil, gegen Apathie und Unempfänglichkeit
für das Höhere, von Leiden und Trübsalen aller Art bedrängt, haben wir unsern
Weg im Stillen fortgesetzt, ohne andere Aufmunterung und Unterstützung, als die
des innern besseren Bewußtseyns, und des treuen beharrlichen Sinnes, der durch
den Nebel der Zeiten wohl getrübt, aber nicht erstickt und vernichtet werden
kann. Wie denk' ich mit freudiger Erhebung zurück an die ersten Zeiten unserer
Bekanntschaft, die stillen, bescheidenen Anfänge Deiner Studien, wie oft habe
ich in zweifelndem Gemüthe mit Ernst und Fleiß erwogen, ob mir Pflicht und
Liebe es geböten, Dich dem Wirkungskreis zu entreißen, in dem Dich Deine ganze
Umgebung zurückzuhalten strebte; und was konnte ich Dir bieten zum Ersatz für
die Aufopferungen aller Art, zu denen Du Dich entschließen mußtest? ein fernes
dunkles Ziel, das nur nach langen mühseligen Anstrengungen und Kämpfen zu
erringen ist, während Du für die Gegenwart allem entsagen solltest, was in der
Jugend Blüthe und Kraft als des Lebens höchster Reiz gepriesen wird.
Wenn nun der hochberühmte Mann der Zeit Deinem Unternehmen freundlich Beifall
zunickte, wenn die Menge Deine Arbeiten bewundernd angafft, und der Ruf Deinen
Namen dem Vaterlande von der Fremde ehrenvoll zurückträgt, so denke an jene
einsamen Spaziergänge auf St.Severins und St.Gereons Wall, wo Ehrfurcht
gebietend in den Resten alter Herrlichkeit, die Vaterstadt so still und
schweigend vor uns lag, in deren öden Mauern ein in langjähriger Erschlaffung
entartetes und nun durch den Druck der Zeiten vollends niedergebeugtes
Geschlecht, uns auch nicht ein Wesen darbot, das an dem Zwecke unseres Strebens
mit Liebe Theil genommen hätte. Darum freue Dich des Gelingens Deiner Pläne und
gehe dem Ziele, das Du Dir vorgesteckt, mit freiem Muth entgegen.
Wer des reinen guten Willens vor Gott und den Menschen sich bewußt ist, den
darf das widerstrebende Drängen und Treiben der Zeit so leicht nicht irre
machen; wer dem Dienste des Höchsten sein Denken und Thun geweiht hat, dem wird
die Weisheit nicht fehlen, die allein wahren Werth und Bestand hat, und auch
die Klugheit nicht, die den Geist der Welt zähmen und bezwingen kann.
Ich falle, wie Du siehst, auf einen ernsthaften Text, Zeit und Umstände haben
mir ihn aber auch jetzt so nahe gelegt, wo Du im Begriffe stehst, die Resultate
Deines Strebens der Welt öffentlich darzulegen, und wo mir die momentane Stille
einsamer Zurückgezogenheit zum Nachdenken über Alles was unser gemeinsames Interesse
berührt, so mancherlei Veranlassung gibt.
(Bertram an Sulpiz Boisserée)
Berlin, den 31. März 1832.
Erst heute, verehrtester Mann, kann ich Ihnen für die freundschaftlichste Theilnahme danken, von welcher Art auch die Gelegenheit diesmal seyn mag.
Was zu erwarten, zu fürchten war, mußte ja kommen. Die Stunde hat geschlagen.
Der Weiser steht wie die Sonne zu Gibeon, denn siehe auf seinen Rücken
hingestreckt liegt der Mann, der auf Säulen des Hercules das Universum
beschritt, wenn unter ihm die Mächte der Erde um den Staub eiferten unter ihren
Füßen.
Was kann ich von mir sagen? zu Ihnen? zu allen dort? und überall? – Wie Er
dahinging vor mir, so rück' ich Ihm nun täglich näher und werd' ihn einholen,
den holden Frieden zu verewigen, der so viel Jahre nach einander den Raum von
sechsunddreyßig Meilen zwischen uns erheitert und belebt hat.
Nun hab' ich die Bitte: hören Sie nicht auf, mich Ihrer freundschaftlichen
Mittheilungen zu würdigen. Sie werden ermessen, was ich wissen darf, da Ihnen
das niemals gestörte Verhältnis zweyer, im Wesen stets einigen, wenn auch dem
Inhalte nach weit von einander entfernten Vertrauten bekannt ist. Ich bin wie
eine Wittwe, die ihren Mann verliert, ihren Herrn und Versorger! Und doch darf
ich nicht trauern; ich muß erstaunen über den Reichthum, den er mir zugebracht
hat. Solchen Schatz hab' ich zu bewahren und mir die Zinsen zu Capital zu
machen.
Verzeihen Sie, edler Freund! ich soll ja nicht klagen, und doch wollen die
alten Augen nicht gehorchen und Stich halten. Ihn aber habe ich auch einmal
weinen sehn, das muß mich rechtfertigen.
Zelter.
(Karl Friedrich Zelter an Kanzler von Müller)
Mittwoch, 25. März 2026
Sonntag, 22. März 2026
Donnerstag, 19. März 2026
Samstag, 14. März 2026
Wir treten also
weder der Urkraft der Natur, noch der Weisheit und Macht eines Schöpfers zu
nahe, wenn wir annehmen: daß diese mittelbar zu Werke gehe, jener mittelbar im
Anfang der Dinge zu Werke gegangen sei. Ist es nicht dieser großen Kraft
anständig, daß sie das Einfache einfach, das Zusammengesetzte zusammengesetzt
hervorbringe? Treten wir ihrer Macht zu nahe, wenn wir behaupten, sie habe ohne
Wasser keine Fische, ohne Luft keine Vögel, ohne Erde keine übrigen Tiere
hervorbringen können, so wenig als sich die Geschöpfe ohne die Bedingung dieser
Elemente existierend denken lassen.
Dienstag, 3. März 2026
Da im Wissen
sowohl als in der Reflexion kein Ganzes zusammengebracht werden kann, weil
jenem das Innre, dieser das Äußere fehlt, so müssen wir uns die Wissenschaft
notwendig als Kunst denken, wenn wir von ihr irgend eine Art von Ganzheit
erwarten. Und zwar haben wir diese nicht im Allgemeinen, im Überschwänglichen
zu suchen, sondern, wie die Kunst sich immer ganz in jedem einzelnen Kunstwerk
darstellt, so sollte die Wissenschaft sich auch jedesmal ganz in jedem
einzelnen Behandelten erweisen.
Donnerstag, 26. Februar 2026
Mittwoch, 11. Februar 2026
Nachmittags von 4
bis 5 Uhr weilte ich bei Goethen. Ein Frankfurter, Herr Fellner, wurde
angemeldet und abgeschlagen. »Man muß den Leuten abgewöhnen, einen unangemeldet
zu überfallen, man bekommt doch immer andere fremde Gedanken durch solche
Besuche, muß sich in ihre Zustände hineindenken. Ich will keine fremden
Gedanken, ich habe an meinen eigenen genug, kann mit diesen nicht fertig
werden.«
Montag, 9. Februar 2026
Eckermann trat
ein, das Gespräch kam auf Byron's Conversations. »Ich lese sie nun zum zweiten
Male, ich möchte sie nicht missen und doch lassen sie einen peniblen Eindruck
zurück. Wie viel Geklatsche oft nur um eine elende Kleinigkeit; welche
Empfindlichkeit über jedes alberne Urtheil der Journalisten, welch' ein wüstes
Leben mit Hunden, Affen, Pfauen, Pferden; alles ohne Folge und Zusammenhang. Nur
über Anschauungen urtheilt Byron vortrefflich und klar, Reflexion ist nicht
seine Sache, seine Urtheile und Combinationen sind dann oft die eines Kindes. Wie
viel zu geduldig läßt er sich Plagiate vorwerfen, scharmutzirt nur zu seiner
Vertheidigung, statt mit schwerem Geschütz die Gegner niederzudonnern.
Freitag, 6. Februar 2026
Am 30. Oktober
1808 beklagte sich Goethe in einem Brief an Zelter: „Die Kunstwelt liegt
freilich zu sehr im Argen, als dass ein junger Mensch so leicht gewahr werden
sollte, worauf es ankommt. Sie suchen es immer wo anders als da, wo es
entspringt, und wenn sie die Quelle einmal erblicken, so können sie den Weg
dazu nicht finden. Deswegen bringen mich auch ein halb Dutzend jüngere
poetische Talente zur Verzweiflung, die bei außerordentlichen Naturanlagen
schwerlich viel machen werden, was mich erfreuen kann. Werner, Oehlenschläger,
Arnim, Brentano und andere treibens immerfort; aber alles geht durchaus ins
Form- und Charakterlose. Kein Mensch will begreifen, dass die höchste und
einzige Operation der Natur und Kunst die Gestaltung sei, und in der Gestaltung
die Spezifikation, damit jedes ein besonderes Bedeutendes werde, sei und
bleibe.“
Montag, 2. Februar 2026
Innungszwang und Gewerbsfreiheit, Festhalten und
Zersplittern des Grundbodens, es ist immer derselbe Konflikt, der zuletzt
wieder einen neuen erzeugt. Der größte Verstand des Regierenden wäre daher,
diesen Kampf so zu mäßigen, daß er ohne Untergang der einen Seite sich ins
Gleiche stellte; dies ist aber den Menschen nicht gegeben, und Gott scheint es
auch nicht zu wollen.
Dienstag, 27. Januar 2026
Sonntag, 25. Januar 2026
Freitag, 23. Januar 2026
Donnerstag, 15. Januar 2026
Goethe an Kleist
Ew.
Hochwohlgebornen bin ich sehr dankbar für das übersendete Stück des Phöbus. Die
prosaischen Aufsätze, wovon mir einige bekannt waren, haben mir viel Vergnügen
gemacht. Mit der Penthesilea kann ich mich noch nicht befreunden. Sie ist aus
einem so wunderbaren Geschlecht und bewegt sich in einer so fremden Region daß
ich mir Zeit nehmen muß mich in beide zu finden. Auch erlauben Sie mir zu sagen
(denn wenn man nicht aufrichtig sein sollte, so wäre es besser, man schwiege
gar), daß es mich immer betrübt und bekümmert, wenn ich junge Männer von Geist
und Talent sehe, die auf ein Theater warten, welches da kommen soll. Ein Jude
der auf den Messias, ein Christ der aufs neue Jerusalem, und ein Portugiese der
auf den Don Sebastian wartet, machen mir kein größeres Mißbehagen. Vor jedem
Brettergerüste möchte ich dem wahrhaft theatralischen Genie sagen: hic Rhodus,
hic salta! Auf jedem Jahrmarkt getraue ich mir, auf Bohlen über Fässer
geschichtet, mit Calderons Stücken, mutatis mutandis, der gebildeten und ungebildeten
Masse das höchste Vergnügen zu machen. Verzeihen Sie mir mein Geradezu: es
zeugt von meinem aufrichtigen Wohlwollen. Dergleichen Dinge lassen sich
freilich mit freundlichem Tournüren und gefälliger sagen. Ich bin jetzt schon
zufrieden, wenn ich nur etwas vom Herzen habe. Nächstens mehr.
Goethe.
Weimar,
den 1. Februar 1808
Samstag, 10. Januar 2026
An Heinrich Carl Abraham Eichstädt
Ew. Wohlgeboren
letztere hier zurückkehrende Sendung hat mich wirklich
betrübt, denn wen sollte es nicht schmerzen, daß ein
hohler Tageswahn hier als Urtheil und zwar als ein von Kopf zu Fuß
gewaffnetes, das Zeitalter bedrohendes Urtheil auftritt. Herr – Us scheint mir
kaum derselbe, von dem so manche geistreiche und beyfallswürdige Recension in
Ihren Blättern steht. Das Übel aber liegt freylich in der oberflächlichen
Zeitbildung, da denn alle Urtheile nach und nach nur aus dem einzelnen Menschen
und seiner augenblicklichen Stimmung hervorgehen.
Wer die Geschichte recht erkannt hat, dem wird aus
tausend Beyspielen klar seyn, daß das Vergeistigen des Körperlichen, wie das
Verkörperndes Geistigen nicht einen Augenblick geruht, sondern immer unter
Propheten, Religiosen, Dichtern, Rednern, Künstlern und Kunstgenossen hin und
her pulsirt hat; vor- und nachzeitig immer, gleichzeitig oft.
Und sollte man nicht, auf diesem höhern Standpunct,
mit unsern paar Männern auch fertig werden? Man gebe einem jeden sein
entschiedenes individuelles Talent mit Wohlwollen zu, man charakterisire es mit
Einsicht und Schärfe und zeige hinterdrein den Gebrauch und Mißbrauch
desselben, sowohl an den Originalgeistern, als an den Nachahmern, und so wird
man das Capitel sehr in die Enge bringen. Wie wollte man denn sonst eine
Dogmen- und Literargeschichte schreiben. Anstatt aber auf dem wirklich hohen
Standpunct unserer Zeit der Nachwelt vorzugreifen, die Sache abzuthun und der
Mitwelt nützlich zu seyn, so verwirrt sich der Fühlende, Denkende, Urtheilende
mit in der Tagesmenge und hilft den Staub erregen, den er löschen sollte.
Dem Übel ist indessen nicht zu steuern. Halten Ew.
Wohlgeb. so lang als möglich dergleichen Einflüsse von Ihrer Zeitschrift ab;
freylich wird es schwer seyn, weil soviel junge, thätige, vorzügliche Männer an
dieser Krankheit leiden, und vielleicht erst in zehen Jahren das Thörige und
Unglückliche davon einsehen lernen.
Verzeihen und secretiren Ew. Wohlgeb. diese meine
vielleicht hypochondrischen Äußerungen, ich wollte aber Ihr geneigtes Zutrauen, wenigstens mit
augenblicklicher Aufrichtigkeit, dankbar erwidern.
ergebenst
Weimar den 10. März 1815.
Goethe.
Dienstag, 6. Januar 2026
Montag, 5. Januar 2026
Der Menschenverstand wird mit dem gesunden Menschen rein geboren, entwickelt sich aus sich selbst und offenbart sich durch ein entschiedenes Gewahrwerden und Anerkennen des Notwendigen und Nützlichen. Praktische Männer und Frauen bedienen sich dessen mit Sicherheit. Wo er mangelt, halten beide Geschlechter, was sie begehren, für notwendig und für nützlich, was ihnen gefällt.






















