Dienstag, 5. März 2013


 

 

Auf die Frage des Oheims, was bisher begegnet, womit man sich unterhalten, fiel Hersilie vorschnell ein: »Unser guter Gast hätte wohl über Ihre lakonischen Inschriften verwirrt werden können, wäre ihm Juliette nicht durch einen fortlaufenden Kommentar zu Hülfe gekommen.« – »Du hast es immer mit Julietten zu tun«, versetzte der Oheim, »sie ist ein wackres Mädchen, das noch etwas lernen und begreifen mag.« – »Ich möchte vieles gern vergessen, was ich weiß, und was ich begriffen habe, ist auch nicht viel wert«, versetzte Hersilie in Heiterkeit.

 

»Wenn er vom besten Humor ist, mag er gern die Schrecknisse eines Familientisches lebhaft schildern, wo jedes Glied mit fremden Gedanken beschäftigt sich niedersetzt, ungern hört, in Zerstreuung spricht, muffig schweigt und, wenn gar das Unglück kleine Kinder heranführt, mit augenblicklicher Pädagogik die unzeitigste Mißstimmung hervorbringt. ›So manches Übel‹, sagt er, ›muß man tragen, von diesem habe ich mich zu befreien gewußt.‹ Selten erscheint er an unserm Tische und besetzt den Stuhl nur augenblicklich, der für ihn leer steht. Seine Feldküche führt er mit sich umher, speist gewöhnlich allein, andere mögen für sich sorgen. Wenn er aber einmal Frühstück, Nachtisch oder sonst Erfrischung anbietet, dann versammeln sich alle zerstreuten Angehörigen, genießen das Bescherte, wie Sie gesehen haben. Das macht ihm Vergnügen; aber niemand darf kommen, der nicht Appetit mitbringt, jeder muß aufstehen, der sich gelabt hat, und nur so ist er gewiß, immer von Genießenden umgeben zu sein. ›Will man die Menschen ergötzen‹, hörte ich ihn sagen, ›so muß man ihnen das zu verleihen suchen, was sie selten oder nie zu erlangen im Falle sind.‹«