Dienstag, 23. Dezember 2014
Samstag, 20. Dezember 2014
»Er ist nur zu reich,« sagte Goethe, »denn am Ende ist alles Influenz, insofern wir es nicht selber sind.«
»Man hat nur darauf zu sehen,« sagte ich, »ob eine Influenz hinderlich oder förderlich, ob sie unserer Natur angemessen und begünstigend oder ob sie ihr zuwider ist.«
»Das ist es freilich,« sagte Goethe, »worauf es ankommt; aber das ist auch eben das Schwere, daß unsere bessere Natur sich kräftig durchhalte und den Dämonen nicht mehr Gewalt einräume als billig.«
Montag, 8. Dezember 2014
Dienstag, 25. November 2014
Mittwoch, 12. November 2014
»Ja«, sagte Goethe. »Nun, was sagen Sie zu der Handschrift? Ist das nicht ein Mensch, dem es groß und frei zu Sinne war, als er die Adresse schrieb? Wem möchten Sie die Hand zutrauen?«
Ich betrachtete das Blatt mit Neigung. Die Züge der Handschrift waren sehr frei und grandios. »Merck könnte so geschrieben haben«, sagte ich.
»Nein,« sagte Goethe, »der war nicht edel und positiv genug. Es ist von Zelter. Papier und Feder hat ihn bei diesem Kuvert begünstigt, so daß die Schrift ganz seinen großen Charakter ausdrückt. Ich will das Blatt in meine Sammlung von Handschriften legen.«
Auch sagte er mir, daß ein großer versteinerter Klotz angekommen, den er mir zeigen wolle.
»Solche versteinerte Stämme«, sagte er, »finden sich unter dem einundfunfzigsten Grade ganz herum bis nach Amerika, wie ein Erdgürtel. Man muß immer mehr erstaunen. Von der früheren Organisation der Erde hat man gar keinen Begriff, und ich kann es Herrn von Buch nicht verdenken, wenn er die Menschen endoktriniert, um seine Hypothesen zu verbreiten. Er weiß nichts, aber niemand weiß mehr, und da ist es denn am Ende einerlei, was gelehrt wird, wenn es nur einigermaßen einen Anschein von Vernunft hat.«
Samstag, 1. November 2014
Samstag, 25. Oktober 2014
Sonntag, 19. Oktober 2014
Mittwoch, 8. Oktober 2014
Samstag, 27. September 2014
Samstag, 20. September 2014
Dienstag, 16. September 2014
Donnerstag, 11. September 2014
Mittwoch, 10. September 2014
Dienstag, 2. September 2014
Freitag, 29. August 2014
Freitag, 22. August 2014
Donnerstag, 21. August 2014
Ich kenn' ihn lang , er ist so leicht zu kennen,
Und ist zu stolz sich zu verbergen. Bald
Versinkt er in sich selbst, als wäre ganz
Die Welt in seinem Busen, er sich ganz
In seiner Welt genug, und alles rings
Umher verschwindet ihm. Er läßt es gehn,
Läßt's fallen, stößt's hinweg und ruht in sich –
Die Mine zündet, sey es Freude, Leid,
Zorn oder Grille, heftig bricht er aus:
Dann will er Alles fassen, Alles halten,
Dann soll geschehn, was er sich denken mag',
In einem Augenblicke soll entstehn,
Was Jahre lang bereitet werden sollte,
In einem Augenblick gehoben seyn,
Was Mühe kaum in Jahren lösen könnte.
Er fordert das Unmögliche von sich,
Damit er es von andern fordern dürfe.
Die letzten Enden aller Dinge will
Sein Geist zusammen fassen; das gelingt
Kaum Einem unter Millionen Menschen,
Und er ist nicht der Mann: er fällt zuletzt,
Um nichts gebessert, in sich selbst zurück.
Dienstag, 12. August 2014
Montag, 28. Juli 2014
Donnerstag, 24. Juli 2014
Sonntag, 13. Juli 2014
Das Neue ist: Der Autonomiegedanke begründet vom Inneren der Kunst her, weshalb die Kunst und mit ihr das Künstlertum als eigene Sphäre, als eigene in sich geschlossene Welt, als nutzloses Ganzes für sich bestehen soll und darf. ... Bisher war es ein kränkender Vorwurf gewesen, dass die Kunst doch eigentlich ein nutzloses Geschäft sei. Die Autonomiegedanken lassen diese Kränkung verschwinden. Kunst ist ein in sich selbst sinnhaft geschlossnener Kreis, der eben darum keinem anderen Zweck dient. ... Wo Kränkung war, soll Stolz werden: Die Kunst ist keinem dienstbar! Knebel konstatiert verwundert: Die Kunst hat ihn ganz eingenommen; er sieht solche als Ziel aller menschlichen Erhöhung.
Donnerstag, 10. Juli 2014
Montag, 30. Juni 2014
Sonntag, 22. Juni 2014
Freitag, 20. Juni 2014
Montag, 9. Juni 2014
Freitag, 6. Juni 2014
Donnerstag, 29. Mai 2014
Freitag, 23. Mai 2014
Mittwoch, 14. Mai 2014
Samstag, 3. Mai 2014
Mittwoch, 30. April 2014
Er urtheilt schief, und es scheint fast, dass er es weiss, dass sein Verstand ohne langes Nachdenken nicht zuverlässig ist, denn er gibt Leuten, von denen er mutmasst, dass sich ihre Einsichten über die gemeinen erheben, lieber recht, als dass er sich die Verlegenheit über den Hals zöge, eine Materie mit ihnen durchsprechen, wobei er seine Schwäche sehen liesse.
Freitag, 25. April 2014
Der
kleine Fitz stand auf einmal still und horchte. Er winkte die andern herbei:
»Hört ihr pochen?« sprach er. »Es ist der Schall eines Hammers, der den Fels
trifft.« – »Wir hören's«, versetzten die andern. – »Das ist Montan!« sagte er,
»oder jemand, der uns von ihm Nachricht geben kann.« – Als sie dem Schalle
nachgingen, der sich von Zeit zu Zeit wiederholte, trafen sie auf eine
Waldblöße und sahen einen steilen, hohen, nackten Felsen über alles
hervorragen, die hohen Wälder selbst tief unter sich lassend. Auf dem Gipfel
erblickten sie eine Person. Sie stand zu entfernt, um erkannt zu werden.
Sonntag, 20. April 2014
Sonntag, 13. April 2014
Samstag, 12. April 2014
Donnerstag, 10. April 2014
Die
Knaben erreichten bald den Gipfel, und Wilhelm vernahm ein lautes
Freudengeschrei. Es ist Montan! rief Felix seinem Vater entgegen, und Montan
trat sogleich an eine schroffe Stelle, reichte seinem Freunde die Hand und zog
ihn aufwärts. Sie umarmten und bewillkommten sich in der freien Himmelsluft mit
Entzücken.
Es
ist Jarno, rief Felix …
Kaum
aber hatten sie sich losgelassen, als Wilhelm ein Schwindel überfiel, nicht
sowohl um seinetwillen, als weil er die Kinder über dem ungeheuren Abgrunde
hängen sah. Jarno bemerkte es und hieß alle sogleich niedersitzen. Es ist
nichts natürlicher, sagte er, als daß uns vor einem großen Anblick schwindelt,
vor dem wir uns unerwartet befinden, um zugleich unsere Kleinheit und unsere
Größe zu fühlen. Aber es ist ja überhaupt kein echter Genuß als da, wo man erst
schwindeln muß.
Es
ist weit und breit, versetzte Jarno, und da du nach solchen Dingen fragst, so
merke dir, daß du gegenwärtig auf dem ältesten Gebirge, auf dem frühesten
Gestein dieser Welt sitzest. - Ist denn die Welt nicht auf einmal gemacht?
fragte Felix. – Schwerlich, versetzte Montan; gut Ding will Weile haben. –
Mittwoch, 9. April 2014
Dienstag, 8. April 2014
Montag, 7. April 2014
Freitag, 28. März 2014
Dienstag, 25. März 2014
Samstag, 22. März 2014
Freitag, 21. März 2014
Donnerstag, 20. März 2014
Donnerstag, 6. März 2014
Mittwoch, 5. März 2014
Aus
dem Parterre konnte er ihren Anblick fast gar nicht mehr aushalten, es saß ihm
gleich an der Kehle. Er machte sich aufs Theater, hinter die Wände. Die
perspektivische Magie war weg, aber der Zauber der Liebe blieb. Stundenlang
konnte er am schmierigen Lichtwagen stehn, sich den Qualm der Unschlittlampen
an die Nase gehen lassen, nach ihr hinausblicken, an einem Blick von ihr
erzittern und in dem Balken und Latten Gerippe sich ein Paradies fühlen. Die
ausgestopfte Lämmgen, Wasserfälle von Zindel, die pappene Rosenstöcke, und die
einseitigen Strohhütten rührten in ihm die lieblichsten
Bilder, die er je in Dichtern von Schäferwelt gelesen hatte, sogar die hagere,
langmäßige, weitbrüstige Tänzerinnen waren ihm nicht immer zu wider, weil sie
auf Einem Brette mit seiner Einzigen stunden.
Und
so ist es gewiß, daß Liebe, die selbst Rosen, und Myrtenwäldgen, und Mondschein
erst beleben muß, auch Hobelspäne und Papierschnitzeln beleben kann – Sie ist
so eine starke Würze, daß die schalsten und ekelsten Brühen davon schmackhaft
werden. Solch einer Würze brauchte es freilich um den Zustand leidlich und in
der Folge angenehm zu machen, in dem er gewöhnlich die verworrne Haushaltung
ihrer Stube, auch wohl gelegentlich sie selbst antraf.
In
einem feinen Bürgerhause erzogen war Ordnung und Reinlichkeit das Element worin
er atmete, und seine erhöhte Einbildungskraft hatte von jeher sein Zimmer, das
er als sein kleines Reich ansah, stattlich ausstaffiert. Seine Bett-Vorhänge
waren in großen Falten mit Quasten aufgezogen wie die Thronen gemalt werden,
mit einigen Unkosten hatte er sich einen Teppich in die Mitte des Zimmers und
einen feinen auf den Tisch angeschafft. Seine Bücher und Gerätschaften legte,
und stellte er fast mechanisch so, daß sie meist eine schöne Gruppe machten,
seine Mütze hatte er wie einen Turban zurechte gelegt, und die weiten Ärmel an
seinem Schlafrock nach türkischem Schnitt kurz stutzen lassen, davon er zwar
die Ursache angab, daß sie ihn im Schreiben hinderten, und wenn er Abends ganz
allein war, und niemand mehr zu fürchten hatte, trug er eine seidne Schärpe um
den Leib, auch sagt man, daß er wohl manchmal einen Dolch, den er sich aus
einer alten Rüstkammer zugeeignet, in Gürtel gesteckt habe und die Stube mit
auf und ab marschiert sei, ja er soll nie anders sein Gebet als knieend auf dem
Teppich verrichtet haben.
Montag, 3. März 2014
Mittwoch, 26. Februar 2014
Luther war ein Genie sehr bedeutender Art; er wirkt nun schon manchen guten Tag, und die Zahl der Tage, wo er in fernen Jahrhunderten aufhören wird, produktiv zu sein, ist nicht abzusehen. – Lessing wollte den hohen Titel eines Genies ablehnen; allein seine dauernden Wirkungen zeugen wider ihn selber. Dagegen haben wir in der Literatur andere, und zwar bedeutende Namen, die, als sie lebten, für große Genies gehalten wurden, deren Wirken aber mit ihrem Leben endete, und die also weniger waren als sie und andere dachten. Denn, wie gesagt, es gibt kein Genie, ohne produktiv fortwirkende Kraft; und ferner, es kommt dabei gar nicht auf das Geschäft, die Kunst und das Métier an, das einer treibt: es ist alles dasselbige. Ob einer sich in der Wissenschaft genial erweist, wie Oken und Humboldt, oder im Krieg und der Staatsverwaltung, wie Friedrich, Peter der Große und Napoleon, oder ob einer ein Lied macht wie Béranger, es ist alles gleich und kommt bloß darauf an, ob der Gedanke, das Aperçu, die Tat lebendig sei und fortzuleben vermöge."









