Freitag, 24. Januar 2014
Dienstag, 21. Januar 2014
Montag, 20. Januar 2014
Samstag, 11. Januar 2014
Freitag, 10. Januar 2014
Dienstag, 7. Januar 2014
Sonntag, 5. Januar 2014
Freitag, 3. Januar 2014
Was
ist dir Mignon? rief er aus, was ist dir? – Sie richtete ihr Köpfchen auf und
sah ihn an, fuhr auf einmal nach dem Herzen, wie mit einer Gebärde die
Schmerzen verbeißt. Er hub sie auf und sie fiel auf seinen Schoß, er druckte
sie an sich und küßte sie. Sie antwortete durch keinen Händedruck, durch keine
Bewegung. Sie hielte ihr Herz fest und auf einmal tat sie einen Schrei, der mit
krampfigen Bewegungen des Körpers begleitet war. Sie fuhr auf und fiel auch
sogleich wie an allen Gelenken gebrochen vor ihm nieder. Es war ein gräßlicher
Anblick.
Mein
Kind! rief er aus, indem er sie aufhob und fest umarmte, mein Kind was ist dir?
– Die Zuckung dauerte fort die vom Herzen sich den schlotternden Gliedern
mitteilte, sie hing nur in seinen Armen. Er schloß sie an sein Herz und
benetzte sie mit seinen Tränen. Auf einmal schien sie wieder angespannt und
angespannter, wie eins das den höchsten körperlichen Schmerz erträgt; und bald,
mit einer neuen Heftigkeit wurden alle ihre Glieder wieder lebendig und sie
warf sich ihm, wie ein Ressort das zuschlägt, um den Hals, indem in ihrem
Innersten wie ein gewaltiger Riß geschah, und in dem Augenblicke floß ein Strom
von Tränen aus ihren geschlossenen Augen in seinen Busen. Er hielte sie fest.
Sie weinte, und weinte und keine Zunge spricht die Gewalt dieser Tränen aus.
Ihre
langen Haare waren aufgegangen und hingen von der Weinenden nieder und ihr
ganzes Wesen schien in einen Bach von Tränen unaufhaltsam dahin zu schmelzen.
Ihre starren Glieder wurden gelinder, es ergoß sich ihr Innerstes und in der
Verwirrung des Augenblickes fürchtete Wilhelm sie werde in seinen Armen
zerschmelzen und er nichts von ihr übrig behalten. Er hielte sie nur fester und
fester. – Mein Kind! rief er aus, mein Kind! du bist ja mein! wenn dich das
Wort trösten kann! du bist mein! ich werde dich behalten! dich nicht verlassen!
Ihre Tränen flossen noch immer. – Endlich richtete sie sich auf. Eine weiche
Heiterkeit glänzte von ihrem Gesichte. – Mein Vater! rief sie, du willst mich
nicht verlassen! willst mein Vater sein! – Ich bin dein Kind!




