Die
kleine Anzahl nothwendiger und gewisser Wahrheiten wird niemals Geist und Herz
völlig befriedigen; wer sie entdeckt, hat ohne Zweifel den höchsten Ruhm, aber
auch nützlich für das menschliche Geschlecht haben die Verfasser solcher Werke
gearbeitet, die uns rühren oder angenehm betrügen. Will man die Leidenschaften
des Menschen mit metaphysischer Genauigkeit behandeln, so thut man seiner Natur
Gewalt. Auf dieser Erde giebt es nur Anfänge; keine Gränze ist bezeichnet, die
Tugend steht fest, aber das Glück schwebt im Weiten; und wenn es eine
Untersuchung nicht aushält, wird es durch sie vernichtet, wie glänzende
Nebelbilder, aus leichten Dünsten emporsteigend, für den verschwinden, der
durch sie hindurchgeht.
Donnerstag, 26. März 2015
Versuch
über die Dichtungen. - Keine seiner Fähigkeiten ist dem Menschen werther, als
die Einbildungskraft. Das menschliche Leben scheint so wenig auf Glück
berechnet, daß man nur mit Hülfe einiger Schöpfungen und gewisser Bilder, nur
durch glückliche Wahl unserer Erinnerungen die vertheilten Freuden der Erde
sammeln, und, nicht durch die Kraft der Philosophie, sondern durch die weit
mächtigere Wirkung der Zerstreuungen gegen die Leiden zu kämpfen vermag, die
uns das Schiksal auflegt.
Man
hat viel von den Gefahren der Einbildungskraft gesprochen, und es wäre unnütz
aufzusuchen, was eine unfähige Mittelmäßigkeit, oder eine strenge Vernunft
hierüber wiederholt haben. Die Menschen werden nicht aufgeben, sich
interessiren zu lassen, und diejenigen die das Talent besitzen, uns zu rühren,
werden noch weniger Verzicht thun, es mit Glück auszuüben.
Das
Beste ist die tiefe Stille, in der ich gegen die Welt lebe und wachse und
gewinne, was sie mir mit Feuer und Schwert nicht nehmen können.
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Mittwoch, 25. März 2015
Dienstag, 24. Februar 2015
"Dieses musste mir also zu meiner eigenen
Tröstung gereichen, welche nicht aus Belehrung und Gründen hervorging; hier
sprach vielmehr der Gegenstand das alles aus, was ein bekümmertes Gemüt so gern
vernehmen mag: die vernünftige Welt sei von Geschlecht zu Geschlecht auf ein
folgereiches Tun entschieden angewiesen. Wo nun der menschliche Geist diesen
hohen, ewigen Grundsatz in der Anwendung gewahr wird, so fühlt er sich auf
seine Bestimmung zurückgeführt und ermutigt, wenn er auch zugleich gestehen
wird: dass er eben in der Gliederung dieser Folge, selbst an- und abtretend so
Freude als Schmerz, wie in dem Wechsel der Jahreszeiten so in dem
Menschenleben, an andern wie an sich selbst zu erwarten habe."
Donnerstag, 12. Februar 2015
Solchen
Zerstreuungen und Heiterkeiten gab ich mich um so lieber und zwar bis zur
Trunkenheit hin, als mich mein leidenschaftliches Verhältnis zu Friedriken
nunmehr zu ängstigen anfing. Eine solche jugendliche, aufs Geratewohl gehegte
Neigung ist der nächtlich geworfenen Bombe zu vergleichen, die in einer
sanften, glänzenden Linie aufsteigt, sich unter die Sterne mischt, ja einen
Augenblick unter ihnen zu verweilen scheint, alsdann aber abwärts zwar wieder
dieselbe Bahn, nur umgekehrt, bezeichnet, und zuletzt da, wo sie ihren Lauf
geendet, Verderben hinbringt. Friedrike blieb sich immer gleich; sie schien
nicht zu denken noch denken zu wollen, daß dieses Verhältnis sich so bald
endigen könne. Olivie hingegen, die mich zwar auch ungern vermißte, aber doch
nicht so viel als jene verlor, war voraussehender oder offener. Sie sprach
manchmal mit mir über meinen vermutlichen Abschied und suchte über sich selbst
und ihre Schwester sich zu trösten. Ein Mädchen, das einem Manne entsagt, dem
sie ihre Gewogenheit nicht verleugnet, ist lange nicht in der peinlichen Lage,
in der sich ein Jüngling befindet, der mit Erklärungen ebenso weit gegen ein
Frauenzimmer herausgegangen ist. Er spielt immer eine leidige Figur: denn von
ihm, als einem werdenden Manne, erwartet man schon eine gewisse Übersicht
seines Zustandes, und ein entschiedener Leichtsinn will ihn nicht kleiden. Die
Ursachen eines Mädchens, das sich zurückzieht, scheinen immer gültig, die des
Mannes niemals.
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