Samstag, 25. April 2015
»Es
giebt nur zwei Wege« – hörte ich ihn oftmals behaupten – »ein bedeutendes Ziel
zu erreichen und Großes zu leisten: Gewalt und Folge. Jene wird leicht verhaßt,
reizt zu Gegenwirkung auf und ist überhaupt nur wenigen Begünstigten verliehen;
Folge aber, beharrliche, strenge, kann auch vom Kleinsten angewendet werden und
wird selten ihr Ziel verfehlen, da ihre stille Macht im Laufe der Zeit
unaufhaltsam wächst. Wo ich nun nicht mit Folge wirken, fortgesetzt Einfluß
üben kann, ist es gerathener gar nicht wirken zu wollen, indem man außerdem nur
den natürlichen Entwickelungsgang der Dinge, der in sich selbst Heilmittel mit
sich führt, stört, ohne für die bessere Richtung Gewähr leisten zu können.«
Dienstag, 7. April 2015
Man muß sich über alles setzen, um nicht zermalmt zu
werden, und von der Höhe seiner Größe herab sich wohl vorstellen, daß die Menge
nur aus Unvernünftigen und Dummköpfen zusammengesetzt ist; man würde ihre Zahl
noch vermehren, wenn man nicht die Mißbräuche, wie sie die Dummheit besitzt
unter sich groß werden zu lassen, zum eignen Nutzen anwendete, da dann andere
von ihnen profitieren würden, wenn wir es nicht selbst täten.
Donnerstag, 26. März 2015
Die
kleine Anzahl nothwendiger und gewisser Wahrheiten wird niemals Geist und Herz
völlig befriedigen; wer sie entdeckt, hat ohne Zweifel den höchsten Ruhm, aber
auch nützlich für das menschliche Geschlecht haben die Verfasser solcher Werke
gearbeitet, die uns rühren oder angenehm betrügen. Will man die Leidenschaften
des Menschen mit metaphysischer Genauigkeit behandeln, so thut man seiner Natur
Gewalt. Auf dieser Erde giebt es nur Anfänge; keine Gränze ist bezeichnet, die
Tugend steht fest, aber das Glück schwebt im Weiten; und wenn es eine
Untersuchung nicht aushält, wird es durch sie vernichtet, wie glänzende
Nebelbilder, aus leichten Dünsten emporsteigend, für den verschwinden, der
durch sie hindurchgeht.
Versuch
über die Dichtungen. - Keine seiner Fähigkeiten ist dem Menschen werther, als
die Einbildungskraft. Das menschliche Leben scheint so wenig auf Glück
berechnet, daß man nur mit Hülfe einiger Schöpfungen und gewisser Bilder, nur
durch glückliche Wahl unserer Erinnerungen die vertheilten Freuden der Erde
sammeln, und, nicht durch die Kraft der Philosophie, sondern durch die weit
mächtigere Wirkung der Zerstreuungen gegen die Leiden zu kämpfen vermag, die
uns das Schiksal auflegt.
Man
hat viel von den Gefahren der Einbildungskraft gesprochen, und es wäre unnütz
aufzusuchen, was eine unfähige Mittelmäßigkeit, oder eine strenge Vernunft
hierüber wiederholt haben. Die Menschen werden nicht aufgeben, sich
interessiren zu lassen, und diejenigen die das Talent besitzen, uns zu rühren,
werden noch weniger Verzicht thun, es mit Glück auszuüben.
Das
Beste ist die tiefe Stille, in der ich gegen die Welt lebe und wachse und
gewinne, was sie mir mit Feuer und Schwert nicht nehmen können.
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Mittwoch, 25. März 2015
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