Montag, 12. März 2018
Mit wird, je länger ich lebe, immer verdriesslicher, wenn ich den
Menschen sehe, der eigentlich auf seiner höchsten Stelle da ist, um der Natur
zu gebieten, um sich und die Seinigen von der gewalttätigen Notwendigkeit zu
befreien, wenn ich sehe, wie er aus irgend einem vorgefassten Begriff gerade
das Gegenteil tut von dem, was er will, und sich alsdann, weil die Anlage im
ganzen verdorben ist, im einzelnen kümmerlich herumpfuschet.
Dienstag, 13. Februar 2018
So sehr ich, wie billig, von der
Partei der Christen war, stand ich doch der heidnischen Heldin mit ganzem
Herzen bei, als sie unternahm, den großen Turm der Belagerer anzuzünden. Und
wie nun Tankred dem vermeinten Krieger in der Nacht begegnet, unter der düstern
Hülle der Streit beginnt und sie gewaltig kämpfen. – Ich konnte nie die Worte
aussprechen:
‚Allein das Lebensmaß Chlorindens
ist nun voll,
Und ihre Stunde kommt, in der sie sterben soll!’
Und ihre Stunde kommt, in der sie sterben soll!’
dass mir nicht die Tränen in die
Augen kamen, die reichlich flossen, wie der unglückliche Liebhaber ihr das Schwert
in die Brust stößt, der Sinkenden den Helm löst, sie erkennt und zur Taufe
bebend das Wasser holt.
Es
bemächtigte sich die Geschichte meiner Einbildungskraft so, dass sich mir, was
ich von dem Gedichte gelesen hatte, dunkel zu einem Ganzen in der Seele
bildete, von dem ich dergestalt eingenommen war, dass ich es auf irgendeine
Weise vorzustellen gedachte. Ich wollte Tankreden und Reinalden spielen und
fand dazu zwei Rüstungen ganz bereit, die ich schon gefertigt hatte. Die eine,
von dunkelgrauem Papier mit Schuppen, sollte den ernsten Tankred, die andere
aus Silber- und Goldpapier, den glänzenden Reinald zieren. In der Lebhaftigkeit
meiner Vorstellung erzählte ich alles meinen Gespannen, die davon ganz entzückt
wurden und nur nicht wohl begreifen konnten, dass das alles aufgeführt, und
zwar von ihnen aufgeführt werden sollte.
Dienstag, 16. Januar 2018
Welche
Kraft ergreift dich mit diesem Anblicke! Schau die unerschütterliche Gestalt!
Diesen ausgebildeten Mann, und diesen zusammengeknoteten Drang. Sieh das ewige
Bleiben und Ruhen auf sich selbst. Welche Gewalt und welche Lieblichkeit! Nur
der mächtigste und reinste Geist hat diese Bildung ausgewirkt.
Eherner
Sinn ist hinter der steilen Stirne befestigt, er packt sich zusammen und
arbeitet vorwärts in ihren Höckern, jeder wie die Buckeln auf Fingals Schild
von heischendem Schlacht- und Tatengeiste schwanger. Nur Erinnerung von
Verhältnissen großer Taten ruht in den Augenknochen, wo sie durch die
Naturgestalt der Wölbungen zu anhaltendem, mächtig wirksamen Anteil
zusammengestrengt wird.
Doch
ist für Liebe und Freundschaft in der Fülle der Schläfe ein gefälliger Sitz
überblieben. - Und die Augen! dahinblickend. Als des Edlen, der vergebens die
Weit außer sich sucht, deren Bild in ihm wohnt, zürnend und teilnehmend. Wie
scharf und klug das obere Augenlid; wie voll, wie sanft das untere! Welche
gelinde kraftvolle Erhabenheit der Nase! Wie bestimmt die Kuppe, ohne fein zu
sein, und die Größe des Nasenloches und des Nasenläppchens, wie lindert sie das
Angespannte des übrigen! Und eben in diesen untern Teilen des Gesichts wohnt
eine Ahnung, daß dieser Mann auch Sammlung gelassener Eindrücke fähig sei. In
der Ableitung des Muskels zum Munde herab schwebt Geduld, in dem Munde ruht
Schweigen, natürliche liebliche Selbstgelassenheit, die feinste Art des
Trutzes. Wie ruhig das Kinn ist, und wie kräftig ohne Gierigkeit und
Gewaltsamkeit sich so das Ganze schließt!
Freitag, 12. Januar 2018
Montag, 1. Januar 2018
Mittwoch, 27. Dezember 2017
Man verdient wenig Dank von den Menschen, wenn man ihr inneres Bedürfnis erhöhen, ihnen eine große Idee von ihnen selbst geben, ihnen das Herrliche eines wahren, edlen Daseins zum Gefühl bringen will. Aber wenn man die Vögel belügt, Märchen erzählt, von Tag zu Tag ihnen forthelfend sie verschlechtert, da ist man ihr Mann, und darum gefällt sich die neuere Zeit in so viel Abgeschmacktem. Ich sage das nicht, um meine Freunde herunterzusetzen, ich sage nur, daß sie so sind, und daß man sich nicht verwundern muß, wenn alles ist, wie es ist.
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