Welche
Kraft ergreift dich mit diesem Anblicke! Schau die unerschütterliche Gestalt!
Diesen ausgebildeten Mann, und diesen zusammengeknoteten Drang. Sieh das ewige
Bleiben und Ruhen auf sich selbst. Welche Gewalt und welche Lieblichkeit! Nur
der mächtigste und reinste Geist hat diese Bildung ausgewirkt.
Dienstag, 16. Januar 2018
Eherner
Sinn ist hinter der steilen Stirne befestigt, er packt sich zusammen und
arbeitet vorwärts in ihren Höckern, jeder wie die Buckeln auf Fingals Schild
von heischendem Schlacht- und Tatengeiste schwanger. Nur Erinnerung von
Verhältnissen großer Taten ruht in den Augenknochen, wo sie durch die
Naturgestalt der Wölbungen zu anhaltendem, mächtig wirksamen Anteil
zusammengestrengt wird.
Doch
ist für Liebe und Freundschaft in der Fülle der Schläfe ein gefälliger Sitz
überblieben. - Und die Augen! dahinblickend. Als des Edlen, der vergebens die
Weit außer sich sucht, deren Bild in ihm wohnt, zürnend und teilnehmend. Wie
scharf und klug das obere Augenlid; wie voll, wie sanft das untere! Welche
gelinde kraftvolle Erhabenheit der Nase! Wie bestimmt die Kuppe, ohne fein zu
sein, und die Größe des Nasenloches und des Nasenläppchens, wie lindert sie das
Angespannte des übrigen! Und eben in diesen untern Teilen des Gesichts wohnt
eine Ahnung, daß dieser Mann auch Sammlung gelassener Eindrücke fähig sei. In
der Ableitung des Muskels zum Munde herab schwebt Geduld, in dem Munde ruht
Schweigen, natürliche liebliche Selbstgelassenheit, die feinste Art des
Trutzes. Wie ruhig das Kinn ist, und wie kräftig ohne Gierigkeit und
Gewaltsamkeit sich so das Ganze schließt!
Freitag, 12. Januar 2018
Montag, 1. Januar 2018
Mittwoch, 27. Dezember 2017
Man verdient wenig Dank von den Menschen, wenn man ihr inneres Bedürfnis erhöhen, ihnen eine große Idee von ihnen selbst geben, ihnen das Herrliche eines wahren, edlen Daseins zum Gefühl bringen will. Aber wenn man die Vögel belügt, Märchen erzählt, von Tag zu Tag ihnen forthelfend sie verschlechtert, da ist man ihr Mann, und darum gefällt sich die neuere Zeit in so viel Abgeschmacktem. Ich sage das nicht, um meine Freunde herunterzusetzen, ich sage nur, daß sie so sind, und daß man sich nicht verwundern muß, wenn alles ist, wie es ist.
Dienstag, 19. Dezember 2017
Morgens. Goethe:
was er näher kennen möchte, wäre das Verhältniß und der Weg der neuen
katholisch gewordenen Protestanten. – Ich meine, die Philosophie der Geschichte
der Menschheit (Herder, Müller), die Zeit der Gegenwart, die welthistorische
Richtung, haben es gethan. Stolberg ist der Heros unter ihnen. – Goethe: Ja, es
sei die Fülle der Menschheit in ihm; das Gemüth des Großen, das Naturell;
selbst das Kindermachen, die eigentliche Fülle des Menschlichen (ein Poet sei
er gerade deswegen nie gewesen). – Ich: Aber nun sei von der andern Seite das
Übel, daß er keine Kritik habe, die Tradition stützen wolle, durch
Gelehrsamkeit und Historie. – Goethe: »Ei, das ist gegen alle Überlieferung,
diese nimmt man entweder an, und dann gibt man von vorn herein etwas zu, oder
man nimmt sie gar nicht an und ist ein rechter kritischer Philister. Auf jenem
Mittelweg aber verdirbt man es mit allen; und es ist ein Beweis, daß er von
dieser Seite noch nicht einmal mit sich fertig ist. Die Protestanten dagegen
fühlen das Leere, und wollen nun einen Mysticismus machen, da ja gerade der
Mysticismus entstehen muß. Dummes, absurdes Volk, verstehen ja nicht einmal,
wie denn die Messe geworden ist, und es ist gerade als könne man eine Messe
machen! So der Schubart, der erbärmliche, mit seinem hübschen Talent, hübschen
aperçus, spielt nun mit dem Tode, sucht sein Heil in der Verwesung, da er
freilich selbst schon halb verwest ist, das heißt, buchstäblich die
Schwindsucht hat. Da möchte man des Teufels werden; es ist aber gut, ich lasse
sie machen, es geht zu Grunde, und das ist recht.«
Ich: und es ist
ihnen mit dem Christenthum, wenn man's beim Licht betrachtet, doch nicht recht
ernst, es läuft am Ende doch immer wieder auf alles und eines und eines und
alles hinaus. Dagegen ich mir den Dualismus für unentbehrlich halte, daß dem
Geist und Leib sein Recht widerfahre, und die Einheit als Ziel und Höchstes
immer gefordert, verlangt werde! Wovon hier auf der Erde nicht die Rede sein
kann, als wenn Gott selbst kömmt. Sie aber wollen dem Herrn Christus auf die Spur
kommen und selbst Christusse machen. Goethe: »Ja, recht, das ist: sie selbst
wollen ein kleiner Herr Christus sein; sie ließen den Leib als solchen gelten,
würden ihn auch zu ehren wissen.« – Dieß Alles kam zur Sprache, bei Gelegenheit
eines neuen dünnen Büchleins: über das Abendmahl, welches in Gießen erschienen,
und das ihm der hier badende Verfasser gegeben.
Sowenig nun die
Dampfmaschinen zu dämpfen sind, sowenig ist dies auch im Sittlichen möglich:
die Lebhaftigkeit des Handels, das Durchrauschen des Papiergelds, das
Anschwellen der Schulden, um Schulden zu bezahlen, das alles sind die
ungeheuern Elemente, auf die gegenwärtig ein junger Mann gesetzt ist. Wohl ihm,
wenn er von der Natur mit mäßigem, ruhigem Sinn begabt ist, um weder unverhältnismäßige
Forderungen an die Welt zu machen noch auch von ihr sich bestimmen zu
lassen!
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