Aus dem persönlichen Umgang mit ihm kömmt in aller Ewigkeit nichts heraus.
Dienstag, 18. März 2008
Ich sehe Goethe täglich beim Herzog, und ich kann Dir nicht sagen, wie seltsam mir der Mann wohlgefällt; noch ist mir niemand vorgekommen, der meinem Innern so wohltäte; ich kann ihn nicht ohne ein heimliches Lächeln betrachten! Ich spreche zu niemandem lieber als zu ihm ... Aus dem einen Auge blickt ihm ein Teufel, und seine Rede ist eine tiefe Ironie aller menschlichen Dinge; wenn er zuweilen im engen Kreise recht heiter ist und das Gespräch allmählich bunt wird, dann weist er uns zuweilen zurecht und nennt uns: ihr Kinder! ...
Goethe spricht leise und sehr gemessen, aber mit einer unglaublichen Sicherheit und funkelnden Augen, die seltsam genug mit der Ruhe und dem Masse in seinen Worten abstechen.
Goethe spricht leise und sehr gemessen, aber mit einer unglaublichen Sicherheit und funkelnden Augen, die seltsam genug mit der Ruhe und dem Masse in seinen Worten abstechen.
Montag, 17. März 2008
Sonntag, 16. März 2008
Es war in der Abenddämmerung im heissen Augustmonat, in Teplitz, er sass am offenen Fenster, ich stand vor ihm und hielt ihn umhalst, und mein Blick wie ein Pfeil scharf ihm ins Auge gedrückt blieb drin haften, bohrte sich tiefer und tiefer ein.
...
„Und willst denken, dass es Unvergessliches ist, Unsterbliches, was ich in dir erlebe, willst du das glauben?“
...
„Warum meinst du, dass es Strafe verdient? - soll man nicht das Schöne umfassen? ist es nicht die Aufgabe meines Lebens? - bin ich darum nicht der Dichter?“
...
„Und willst denken, dass es Unvergessliches ist, Unsterbliches, was ich in dir erlebe, willst du das glauben?“
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„Warum meinst du, dass es Strafe verdient? - soll man nicht das Schöne umfassen? ist es nicht die Aufgabe meines Lebens? - bin ich darum nicht der Dichter?“
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Wie kräftig, gross, mild, überall ganz er selbst, in allem was er tut und denkt und spricht sein ganzes Gemüt gegenwärtig. Er hat mich recht von neuem mit Liebe und Ehrfurcht erfüllt. Ich weiss nichts, was so mit Lust und Freude am Leben erfüllen und so auf dem rechten Wege befestigen kann, als solch ein Anblick.
Samstag, 15. März 2008
Goethe aber blieb dort, wohin ihn sein literarischer Erfolg gebracht hatte, und verfing sich mehr und mehr im goldenen Käfig, in den sich der bunte Vogel hatte sperren lassen. So kann man ihn heute, seinen inneren Gang verkennend, als einen Kronzeugen bürgerlicher Fortschrittskultur vorzeigen.Dass dies überhaupt möglich ist, dass Goethe zum Denkmal erstarren konnte, ist nicht zuletzt seiner eigenen, fast unerschütterlichen Verhüllung anzulasten, die er staats- und selbsterhaltend betrieb, um der Qual der Leidenschaften zu entkommen.
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In jeder grossen Trennung liegt ein Keim von Wahnsinn; man muss sich hüten, ihn nachdenklich auszubrüten und zu pflegen.
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Schliesslich ist kein Künstler normal. Auch Goethes höflicher, peripathetischer Stil ist nur Vordergrund. Dahinter ist alles problematisch und unausgeglichen, voller Widersprüche und Disharmonien. ... Goethe war viel eher einer der unglücklichsten Menschen, die es je gegeben hat, und darum schamhafter und strenger im Verbergen seines Unglücks als so viele andere.
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