Mittwoch, 7. Februar 2007

Da ich ihn nach längerer Zeit wiedersah, öffnete er ein Schubfach, worin meine Briefe lagen, und sagte: „Ich lese alle Tage darin.“

Montag, 5. Februar 2007

Sonntag, 4. Februar 2007

Ich wollte mich doch lieber aufhängen, als ewig negieren, ewig in der Opposition sein, ewig schussfertig auf die Mängel und Gebrechen meiner Mitlebenden, Nächstlebenden lauern. Ihr seid noch gewaltig jung und leichtsinnig, wenn ihr so etwas billigen könnt.
Mit allen diesen mokanten Reden komme ich mir zuletzt wie auf dem Blocksberg vor! Ich sage es dem Alten. Ei nun, wir kommen noch nicht herunter - solange wir die Welt noch nicht ganz durchgesprochen haben, müssen wir auf diesem saubern Gespräch über die Gesellschaft verweilen.
Die Menschen werfen sich im Politischen wie auf einem Krankenlager von einer Seite zur andern in der Meinung, besser zu liegen.

Donnerstag, 1. Februar 2007

Die Menge, die Majorität, ist notwendig immer absurd und verkehrt; denn sie ist bequem, und das Falsche ist stets viel bequemer als die Wahrheit. Letztere will ernst erforscht und rücksichtslos angeschaut und angewendet sein; das Falsche aber schmiegt sich an jede träge, bequeme oder törichte Individualität an, ist wie ein Firnis, mit dem man leicht alles übertüncht.
Goethe hat in etwas den Vorzug vor allen seiner Zeit: dass er nie tadelt. Er entwickelt die Unarten, aber er schilt sie nicht. Er bemerkt die Fehler als Unzulängliches, aber er prätendiert nicht, dass einer sie hätte wissen und ablegen sollen. Darin übertrifft er bei weitem Schiller.
Er liess mich nicht ausreden, sondern unterbrach mich sehr freundlich: Ja, ja, ihr guten Kinder, wenn ihr nur nicht so dumm wäret? - Hierauf liess er mich stehen etc.

Dienstag, 30. Januar 2007


"Es liegen in der menschlichen Natur wunderbare Kräfte", erwiderte Goethe, "und eben wenn wir es am wenigsten hoffen, hat sie etwas Gutes für uns in Bereitschaft. Ich habe in meinem Leben Zeiten gehabt, wo ich mit Tränen einschlief; aber in meinen Träumen kamen nun die lieblichsten Gestalten, mich zu trösten und zu beglücken, und ich stand am andern Morgen wieder frisch und froh auf den Füssen.

Es geht uns alten Europäern übrigens mehr oder weniger allen herzlich schlecht; unsere Zustände sind viel zu künstlich und zu kompliziert, unsere Nahrung und Lebensweise ist ohne die rechte Natur, und unser geselliger Verkehr ohne eigentliche Liebe und Wohlwollen. Jedermann ist fein und höflich, aber niemand hat den Mut, gemütlich und wahr zu sein, so dass ein redlicher Mensch mit natürlicher Neigung und Gesinnung einen recht bösen Stand hat. Man sollte oft wünschen, auf einer der Südseeinseln als sogenannter Wilder geboren zu sein, um nur einmal das menschliche Dasein ohne falschen Beigeschmack, durchaus rein zu geniessen.

Denkt man sich in deprimierter Stimmung recht tief in das Elend unserer Zeit hinein, so kommt es einem oft vor, als wäre die Welt nach und nach zum Jüngsten Tage reif. Und das Uebel häuft sich von Generation zu Generation! Denn nicht genug, dass wir an den Sünden unserer Väter zu leiden haben, sondern wir überliefern auch diese geerbten Gebrechen, mit unsern eigenen vermehrt, unsern Nachkommen."

Montag, 1. Januar 2007

Als ich von der bewunderungswürdigen Menge seiner täglichen Lektüre sprach, versicherte er, im Durchschnitt wenigstens einen Oktavband täglich zu lesen. So habe er kürzlich einen ganzen Band absurder Krummacherscher Predigten durchgelesen, ja einen Aufsatz darüber zusammenzubringen versucht, den er dem p. Röhr mitteilen wolle. Mir freilich werde seine Geduld dabei verwunderlich erscheinen, weil ich diese Predigten nur in Beziehung auf mich beurteile; aber ihm sei daran gelegen, so ein tolles Individuum zu lernen und zu ergründen, wie es sich zu unserer Zeit und unserer Bildung verhalte und sich darin habe gestalten können.