Sonntag, 4. Februar 2007
Donnerstag, 1. Februar 2007
Die Menge, die Majorität, ist notwendig immer absurd und verkehrt; denn sie ist bequem, und das Falsche ist stets viel bequemer als die Wahrheit. Letztere will ernst erforscht und rücksichtslos angeschaut und angewendet sein; das Falsche aber schmiegt sich an jede träge, bequeme oder törichte Individualität an, ist wie ein Firnis, mit dem man leicht alles übertüncht.
Dienstag, 30. Januar 2007
"Es liegen in der
menschlichen Natur wunderbare Kräfte", erwiderte Goethe, "und eben
wenn wir es am wenigsten hoffen, hat sie etwas Gutes für uns in Bereitschaft.
Ich habe in meinem Leben Zeiten gehabt, wo ich mit Tränen einschlief; aber in
meinen Träumen kamen nun die lieblichsten Gestalten, mich zu trösten und zu
beglücken, und ich stand am andern Morgen wieder frisch und froh auf den
Füssen.
Es geht uns alten Europäern
übrigens mehr oder weniger allen herzlich schlecht; unsere Zustände sind viel
zu künstlich und zu kompliziert, unsere Nahrung und Lebensweise ist ohne die
rechte Natur, und unser geselliger Verkehr ohne eigentliche Liebe und
Wohlwollen. Jedermann ist fein und höflich, aber niemand hat den Mut, gemütlich
und wahr zu sein, so dass ein redlicher Mensch mit natürlicher Neigung und
Gesinnung einen recht bösen Stand hat. Man sollte oft wünschen, auf einer der
Südseeinseln als sogenannter Wilder geboren zu sein, um nur einmal das
menschliche Dasein ohne falschen Beigeschmack, durchaus rein zu geniessen.
Montag, 1. Januar 2007
Als ich von der bewunderungswürdigen Menge seiner täglichen Lektüre sprach, versicherte er, im Durchschnitt wenigstens einen Oktavband täglich zu lesen. So habe er kürzlich einen ganzen Band absurder Krummacherscher Predigten durchgelesen, ja einen Aufsatz darüber zusammenzubringen versucht, den er dem p. Röhr mitteilen wolle. Mir freilich werde seine Geduld dabei verwunderlich erscheinen, weil ich diese Predigten nur in Beziehung auf mich beurteile; aber ihm sei daran gelegen, so ein tolles Individuum zu lernen und zu ergründen, wie es sich zu unserer Zeit und unserer Bildung verhalte und sich darin habe gestalten können.
Mittwoch, 20. Dezember 2006
Sonntag, 10. Dezember 2006
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