Seine
Gutheit, Ergebenheit, Beschränktheit, Unschuld, Genügsamkeit, Verehrung, und
Herzlichkeit machten sie Anfangs verlegen. Sie hatte in ihren ersten Jahren gar
zu bald die kindlichen Freuden der Liebe von sich weg gescheucht gesehen, sie
war sich so mancher Erniedrigungen bewußt, denen sie sich in den Armen eins und
des andern hatte hingeben müssen, auch gegenwärtig opferte sie sich den
heimlichen Vergnügungen eines reichen und unausstehlich platten Muttersöhngens
auf, und da sie von Natur eine gute Seele war wurd's ihr niemals recht wohl,
wenn Wilhelm ihr die Hand mit treuem Herzen hielt und küßte, wenn er ihr mit
dem vollen reinen Blick jugendlicher Liebe in die Augen sah, sie konnte den
Blick nicht aushalten, sie fürchtete er mögte Erfahrenheit in den ihrigen
lesen, verwirrt schlug sie die Augen nieder, und der glückliche Wilhelm glaubte
Ahndung, liebliches Geständnis der Liebe zu finden, und seine Sinnen gingen
durcheinander wie Saiten auf dem Psalter.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen