Mittwoch, 16. September 2026

 

Seine Gutheit, Ergebenheit, Beschränktheit, Unschuld, Genügsamkeit, Verehrung, und Herzlichkeit machten sie Anfangs verlegen. Sie hatte in ihren ersten Jahren gar zu bald die kindlichen Freuden der Liebe von sich weg gescheucht gesehen, sie war sich so mancher Erniedrigungen bewußt, denen sie sich in den Armen eins und des andern hatte hingeben müssen, auch gegenwärtig opferte sie sich den heimlichen Vergnügungen eines reichen und unausstehlich platten Muttersöhngens auf, und da sie von Natur eine gute Seele war wurd's ihr niemals recht wohl, wenn Wilhelm ihr die Hand mit treuem Herzen hielt und küßte, wenn er ihr mit dem vollen reinen Blick jugendlicher Liebe in die Augen sah, sie konnte den Blick nicht aushalten, sie fürchtete er mögte Erfahrenheit in den ihrigen lesen, verwirrt schlug sie die Augen nieder, und der glückliche Wilhelm glaubte Ahndung, liebliches Geständnis der Liebe zu finden, und seine Sinnen gingen durcheinander wie Saiten auf dem Psalter.

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