Nichts ist rührender als wenn eine Liebe die sich im Stillen genährt, eine Treue die sich im Verborgenen befestiget hat, endlich dem der ihrer bisher nicht wert gewesen, zur rechten Stunde nahe kömmt und offenbar wird. Die lang und streng verschlossene Knospe war reif und Wilhelms Herz konnte nicht empfänglicher sein. Sie stand vor ihm und sah seine Unruhe. – Herr! rief sie aus, wenn du unglücklich bist, was soll aus Mignon werden? – Liebes Geschöpf, sagte er, indem er ihre Hände nahm, du bist auch mit unter meinen Schmerzen. – Sie sah ihm in die Augen, die von verhaltenen Tränen blinkten, und kniete mit Heftigkeit vor ihm nieder, er behielte ihre Hände sie legte ihr Haupt auf seine Knie und war ganz stille. Er spielte mit ihren Haaren und war freundlich. Sie blieb lange ruhig. Endlich fühlte er eine Art Zucken durch alle ihre Glieder, das ganz sachte anfing und sich stärker verbreitete.
Mittwoch, 5. Februar 2014
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