Freitag, 5. September 2025

 

Soviel für heute.

 

So viel ist gewiß und haben Sie, als ein Doctor longe experientissimus, vollkommen recht, daß eine dergleichen mäßige Bewegung, das Gemüth erfrischt und den Körper in ein köstliches Gleichgewicht bringt. Wie ich solches in meinem Leben mehr als einmal erfahren, dagegen auch die Unbequemlichkeit gespürt habe, wenn ich mich von dem breiten Wege, auf dem engen Pfad der Enthaltsamkeit und Sicherheit einleiten wollte.

Montag, 1. September 2025


 

Wie ich mich an Goethes herrlichem Gesicht, an diesen edlen, schönen Zügen geweidet habe! Sie schienen mir, bei allem Imposanten, milder als je; und ich war ohne Scheu, da er mich freunlich auf seinem Sofa neben sich niedersitzen hiess.

Freitag, 29. August 2025

 

Es war mein Vorsatz, Ihnen heute meinen Glückwunsch zum Geburtstag selbst zu überbringen, aber weil ich zu spät aufstand und mich auch nicht wohl fühlte, so mußte das gute Vorhaben für heute aufgegeben werden. Wir haben aber mit herzlicher Teilnehmung Ihrer gedacht, und uns besonders der Erinnerung an alles das Gute überlassen, was durch Sie bei uns gegründet worden ist.

Sonntag, 17. August 2025

 Goethe schrieb kurze Zeit nach der Einweihung (1825) seinem Dienstherrn, Großherzog Karl August von Sachsen-Weimar-Eisenach: »Das Gebäude bewirkt schon selbst Kultur, wenn man es von außen ansieht und hineintritt. Die rohsten Kinder, die solche Treppen auf- und abgehen, durch solche Vorräume durchlaufen, in solchen heiteren Sälen Unterricht empfangen, sind schon auf der Stelle aller düstern Dummheit entrückt und sie können einer heitern Tätigkeit ungehindert entgegengehen.« 

Samstag, 16. August 2025

Dienstag, 12. August 2025

 

Goethe sprach heute mit großer Anerkennung über eine kleine Schrift des Kanzlers, die den Großherzog Karl August zum Gegenstande hat und das thatenreiche Leben dieses seltenen Fürsten in gedrängter Kürze vorüberführt.

 

»Die kleine Schrift ist wirklich sehr gelungen,« sagte Goethe, »das Material mit großer Umsicht und großem Fleiß zusammengebracht, sodann alles vom Hauch der innigsten Liebe beseelt, und zugleich die Darstellung so knapp und kurz, daß That auf That sich drängt und bei dem Anblick einer solchen Fülle von Leben und Thun es uns zu Muthe wird, als würden wir von einem geistigen Schwindel ergriffen. Der Kanzler hat seine Schrift auch nach Berlin geschickt und darauf vor einiger Zeit einen höchst merkwürdigen Brief von Alexander von Humboldt erhalten, den er nicht ohne tiefe Rührung habe lesen können. Humboldt war dem Großherzog während eines langen Lebens auf das innigste befreundet, welches freilich nicht zu verwundern, indem die reich angelegte tiefe Natur des Fürsten immer nach neuem Wissen bedürftig und gerade Humboldt der Mann war, der bei seiner großen Universalität auf jede Frage die beste und gründlichste Antwort immer bereit hatte.

Nun fügte es sich in der That wunderbar, daß der Großherzog gerade die letzten Tage vor seinem Tode in Berlin in fast beständiger Gesellschaft mit Humboldt verleben, und daß er über manches wichtige Problem, was ihm am Herzen lag, noch zuletzt von seinem Freunde Aufschluß erhalten konnte; und wiederum war er nicht ohne höhere günstige Einwirkung, daß einer der größten Fürsten, die Deutschtand je besessen, einen Mann wie Humboldt zum Zeugen seiner letzten Tage und Stunden hatte. Ich habe mir von dem Briefe eine Abschrift nehmen lassen und will Ihnen doch einiges daraus mittheilen.«

 

Goethe stand auf und ging zu seinem Pult, wo er den Brief nahm und sich wieder zu mir an den Tisch setzte. Er las eine Weile im stillen. Ich sah Thränen in seinen Augen. »Lesen Sie es für sich,« sagte er dann, indem er mir den Brief zureichte. Er stand auf und ging im Zimmer auf und ab, während ich las.