Mittwoch, 5. Juli 2023

 

Nun werd ich tiefer tief zunichte!

Dienstag, 4. Juli 2023

An Friedrich Heinrich Jacobi

Mit dem Postwagen erhältst du ein Packet das einen physicalischen Aufsatz enthält den ich während der Belagerung ausgearbeitet habe. Es widersteht mir etwas aufzuschreiben von dem was ich sehe und höre, sonst hätte ich ein schönes Tagebuch führen können. Die Letzten Tage, der Capitulation, der Übergabe, des Auszugs der Franzosen gehören unter die interessantesten meines Lebens, ich wünsche dir einmal davon zu erzählen. Die Clubbisten waren in der Capitulation übergangen und man hatte keine Anstalten gemacht sie zu fangen auch kamen den ersten Tag des Auszugs viele durch; Rüffel der Gastwirth ritt neben Merlin, beyde in Husaren Uniform an der Spitze der Reuterey welche du Bayet ausführte. Am Chaussehauße schrie das Volck sein kreuzige, auch hätten sie ihn gewiß ohne die Contenance von du Bayet und Merlin und ohne die Gegenwart der preußischen Officire vom Pferde gerissen. Dafür paßten sie andern auf die nicht so gut eskortirt waren und fingen und beraubten und prügelten sie und führten sie nach Marienborn. Darunter denn Metternich und der Pfarrer vom heil. Creuz waren. Das geschah durch die emigrirten Maynzer die selbigen Tages nicht in die Stadt durften, schon am Abend aber schickte die Bürgerschafft eine Liste derer die sich vorbereiteten Morgens mit den Franzosen der zweyten Abtheilung auszuziehen und verlangte ihre Arrettirung. Das geschah auch durch ein Commando, sie wurden aus der Colonne herausgenommen ohne daß die Franzosen sich widersetzen. Das Volck fing an durch die Straßen zu laufen und sich derer zu bemächtigen die noch zurück geblieben waren. Es ward geplündert und man legte sich auch darein und nahm diese auch noch in Empfang. Der Modus daß man die Sache gleichsam dem Zufall überließ und die Gefangennehmung von unten heraus bewirckte, deucht mich gut. Das Unheil das diese Menschen angestiftet haben ist groß. Daß sie nun von den Franzosen verlassen worden, ist recht der Welt Lauf und mag unruhigem Volck zur Lehre dienen. Hofmann ist durch und mehrere. Nun ist es so ziemlich ruhig nur daß immer Händel zwischen Preusen, Sachsen, Darmstädtern, auch mit den überbliebnen blessirten Franzosen sind. Eine ungeheure Bagage haben sie mit fortgenommen. Lebe wohl. Mehr kann ich nicht sagen. Ich halte die Feder kaum.

Maynz d. 27. Jul. 1793. 

Freitag, 30. Juni 2023

Auch ist die Bemerkung nicht zu versäumen, daß mit dem Romantischen zugleich das Krankhafte bei ihnen überhandgenommen, und daß von uns doch eher Genesung zu hoffen ist, da jene schon ganz und gar in Fäulnis und Verwesung überzugehen angefangen.

Donnerstag, 29. Juni 2023

Da die Wirkung des Buches gar nicht pathologisch, vielleicht auch nicht ganz ästhetisch sein kann; so ist um desto mehr ein Wort über die verständige und sittliche Wirkung dieser Arbeit am Platze.

Wenn man die Erfahrungen seines eigenen Lebens durchgeht, so erinnert man sich wohl solcher Frauenzimmer, deren Bild man jener Amazone unterlegen könnte, aber nur weniger. Die Hauptfrage, die das Buch behandelt, ist: wie kann ein Frauenzimmer seinen Charakter, seine Individualität gegen die Umstände, gegen die Umgebung retten? Hier beantwortet ein Mann die Frage durch eine Männin. Ganz anders würde eine geist- und gefühlvolle Frau sie durch ein Weib beantworten lassen. Aber das gegenwärtige Buch ist nun einmal da. Die Mädchen, die Frauen werden es lesen. Was werden sie daraus nehmen? – Gar manches werden sie daraus nehmen. – Wozu sie es aber, nach Rez. Rat, nutzen könnten und vielleicht sollten, wäre, sich zu überzeugen, daß das Problem auf diese Weise nicht zu lösen ist.

Montag, 26. Juni 2023

Donnerstag, 22. Juni 2023

Im Ganzen fühlt Man durch, daß Er nicht sehr heiter gestimmt ist, ungern sich wieder in die hießige Lebensweise resignirt. Die öftern Pausen seines sonst so lebendig fort fließenden Gesprächs immer wieder mit neuen intereßanten Gegenständen auszufüllen, ist keine leichte Aufgabe.

Dienstag, 20. Juni 2023

Ich freue mich nur wie stattlich und in schönster Ordnung meine Institute zu Jena sind, die nur errichtet wurden, um das zu leisten, was die Nominal-Professuren nicht vermögen. Ich habe auch den Stolz, daß sie nicht zwei Jahre nach meinem Tode fortbestehen, sondern mit mir untergehen werden. Denn dann wird Man hinein pfuschen, alles persönlich und willkührlich betrachten, statt daß ich alles rein objectiv behandelt und keine einzigen unnützen oder überflüssigen Angestellten habe. Er sprach dann von Meteorologie und wie er den Einfluß der Planeten und selbst des Mondes verwerfe, nichts auf den Thermometer und alles auf den Barometer setze. Je mehr er auf seine Studien kam, je lebendiger und heitrer wurde er und erregte auch in mir lebhaftere Arbeitslust.

Sonnabends Von 8-10 bey Göthe, den seine Kinder vergebens in den Freyschützen hatten bereden wollen und der mir vielmehr betheuerte, auch diesen Winter „in seiner Dachshöhle“ bleiben zu wollen. Mayer sah eben die Probedrucke zu den Berliner Tableaux aus Lalla-Rook durch, blieb jedoch nicht lange.

 

 

Von dem Abgrunde der Jenaischen Professor-Gemeinheit, veranlaßt durch Besprechung über Voigts j. Anspruch auf eine Facultäts Stelle. Von Hands Intriguen und des Curators entsezlicher Schwäche. Von des Fürsten unbegreiflicher Passivität in diesen Jenensibus. Er hat absolut keinen Begrif von der Vergangenheit und dem was in ihr geleistet worden, kaum die Gegenwart ist ihm klar, es ist kein wahres daurendes Intereße an dem was geschieht vorhanden und so müßte Man sich zu Tode ärgern, hätte Man sich nicht längst Raison gemacht und auf das Unerreichbare verzichtet. Man muß eben alles so hingehen lassen und sich im Sommer auswärts Heiterkeit und frische Lebenslust hohlen, den Winter durch hier auszuhalten.