Mittwoch, 23. Februar 2022

An Zelter. - Doch will ich hier, obgleich zu Ende eilend, nicht schließen ohne zu bemerken, daß mein Aufenthalt auch dadurch angenehm ist daß ich zwar vor jedem An- und Überlauf sicher bin, die jenaischen Freunde aber bey sehr gutem Weg nur ein Stündchen hierher haben, da sie sich denn mit einer leichten Erfrischung begnügend nach angenehmer Unterhaltung wieder zurückbegeben. Auch von Weimar aus sind sie schon früh ausgefahren, haben den Mittag froh bey mir zugebracht und Abends wieder zurückgekehrt; man braucht immer vier Stunden zur Fahrt.

 Damit dir nun nichts Nothwendiges und Nützliches zuletzt verborgen bleibe, so muß ich dir sagen daß mein Tisch gut versorgt ist, durch einen sonderbaren Zufall, daß der Castellan, mein gegenwärtiger Wirth, ehmals ein Hofküchenverwandter gewesen ist und seinem frühern Beruf noch immer Ehre zu machen weiß.

Das klingt ja ganz bequem und behaglich! wirst du sagen, und das wär es auch, erschiene nicht sogleich im Hintergrunde der düstere Katafalk, der alle jene Betrachtungen aufregt die der Mensch in heiterer Stunde mit Recht beseitigt. Das Menschen- und Weltwesen dreht sich um einen herum daß man schwindlig werden möchte.

 

Freitag, 11. Februar 2022

Und so halte dich denn auf deinen Füßen so gut es gehen will, ich muß das Gleiche versuchen.

Allen wohlwollenden Dämonen bestens empfohlen,

 Dornburg d. 27. Jul. 1828.  

Donnerstag, 3. Februar 2022

Goethe sagt, man lebe erst dann gut, wenn man vergesse, dass man lebe …
Göthe hat gewiß poetische Momente, wo er sich für den heiligen Geist, die Vulpia für die gebenedeite Jungfrau und seinen Jungen für das Christuskind hält.
Göthe sollte die Vulpia als Pagen mit nach Italien nehmen, damit die Italiener auch einmal etwas zu sehn bekämen. Sie sei eine Sau mit dem Perlenhalsband.

Montag, 31. Januar 2022

Unterbrochen wird der arkadische Dialog zwischen Helena und Faust durch „Signale, Explosionen von den Türmen, Trompeten und Zinken, kriegerische Musik“. Ein „Durchmarsch gewaltiger Heereskraft“ vollzieht sich unter den Augen des Liebespaars.  

Freitag, 28. Januar 2022

Fluch sei der Hoffnung!
Fluch dem Glauben!
Und Fluch vor allem der Geduld!

Mittwoch, 26. Januar 2022

Meine alte Gabe, die Welt mit Augen desjenigen Malers zu sehen, dessen Bilder ich mir eben eingedrückt, brachte mich auf einen eignen Gedanken. Es ist offenbar, daß sich das Auge nach den Gegenständen bildet, die es von Jugend auf erblickt, und so muß der venezianische Maler alles klarer und heiterer sehn als andere Menschen. Wir, die wir auf einem bald schmutzkotigen, bald staubigen, farblosen, die Widerscheine verdüsternden Boden und vielleicht gar in engen Gemächern leben, können einen solchen Frohblick aus uns selbst nicht entwickeln.     

Montag, 24. Januar 2022

In jedem Kleide werd' ich wohl die Pein

Des engen Erdelebens fühlen.

Ich bin zu alt, um nur zu spielen,

Zu jung, um ohne Wunsch zu sein.

Was kann die Welt mir wohl gewähren?

Entbehren sollst du! sollst entbehren!

Das ist der ewige Gesang,

Der jedem an die Ohren klingt,

Den, unser ganzes Leben lang,

Uns heiser jede Stunde singt.

Nur mit Entsetzen wach' ich morgens auf,

Ich möchte bittre Tränen weinen,

Den Tag zu sehn, der mir in seinem Lauf

Nicht Einen Wunsch erfüllen wird, nicht Einen,

Der selbst die Ahnung jeder Lust

Mit eigensinnigem Krittel mindert,

Die Schöpfung meiner regen Brust

Mit tausend Lebensfratzen hindert.

Auch muß ich, wenn die Nacht sich niedersenkt,

Mich ängstlich auf das Lager strecken;

Auch da wird keine Rast geschenkt,

Mich werden wilde Träume schrecken.

Der Gott, der mir im Busen wohnt,

Kann tief mein Innerstes erregen;

Der über allen meinen Kräften thront,

Er kann nach außen nichts bewegen;

Und so ist mir das Dasein eine Last,

Der Tod erwünscht, das Leben mir verhaßt.