Mittwoch, 1. August 2018
Triebe mich nicht die
deutsche Sinnesart und das Verlangen, mehr zu lernen und zu tun als zu
genießen, so sollte ich in dieser Schule des leichten und lustigen Lebens noch
einige Zeit verweilen und mehr zu profitieren suchen. Es ist hier gar
vergnüglich sein, wenn man sich nur ein klein wenig einrichten könnte.
Dienstag, 24. Juli 2018
Plinius im fünften
Kapitel des dritten Buchs seiner »Naturgeschichte« hält Kampanien allein einer
weitläufigen Beschreibung wert. »So glücklich, anmutig, selig sind jene
Gegenden«, sagt er, »daß man erkennt, an diesem Ort habe die Natur sich ihres
Werks erfreut. Denn diese Lebensluft, diese immer heilsame Milde des Himmels,
so fruchtbare Felder, so sonnige Hügel, so unschädliche Waldungen, so schattige
Haine, so nutzbare Wälder, so luftige Berge, so ausgebreitete Saaten, solch
eine Fülle von Reben und Ölbäumen, so edle Wolle der Schafe, so fette Nacken
der Stiere, so viel Seen, so ein Reichtum von durchwässernden Flüssen und
Quellen, so viele Meere, so viele Hafen! Die Erde selbst, die ihren Schoß
überall dem Handel eröffnet und, gleichsam dem Menschen nachzuhelfen begierig,
ihre Arme in das Meer hinausstreckt.
Ich erwähne nicht
die Fähigkeiten der Menschen, ihre Gebräuche, ihre Kräfte und wie viele Völker
sie durch Sprache und Hand überwunden haben.
Mittwoch, 18. Juli 2018
Dein Büchlein war
mir willkommen, weil ich nach deiner Ankündigung daraus deine Überzeugung, die
sich in früheren und späteren Tagen gleich geblieben, und zu eben der Zeit den
eigentlichen statum controversiae so mancher philosophischen Streitigkeiten
erfahren sollte, deren wunderlichen decurs ich, mit mehr oder weniger
Aufmerksamkeit, selbst erlebt hatte. Diesen Gewinn habe ich nun auch davon und
soll dir dagegen der gebührende dank abgestattet seyn. ich würde jedoch die
alte Reinheit und Aufrichtigkeit verletzten, wenn ich dir verschweige, daß mich
das Büchlein ziemlich indisponirt hat. ich bin nun einmal einer der Ephesischen
Goldschmiede, der sein ganzes Leben in Anschauen und Anstaunen und Verehrung
des wunderwürdigen Tempels der Göttin und in Nachbildung ihrer geheimnisvollen
Gestalten zugebracht hat, und dem es unmöglich eine angenehme Empfindung
erregen kann, wenn irgend ein Apostel seinen Mitbürgern einen und noch dazu
formlosen Gott aufdringen will. Hätte ich daher irgend eine ähnliche Schrift
zum Preis der großen Artemis herauszugeben, (welches jedoch meine Sache nicht
ist, weil ich zu denen gehöre, die selbst gern ruhig seyn mögen und auch das
Volk nicht aufregen wollen,) so hätte auf der Rückseite des Titelblatts stehen
müssen: »Man lernt nichts kennen, als was man liebt, und je tiefer und
vollständiger die Kenntniß werden soll, desto stärker, kräftiger und lebendiger
muß Liebe, ja Leidenschaft seyn.«
Du erlässest mir,
wie billig, eine weitere Ausführung dieses Textes, denn da du deine Seite so
gut kennst, so weißt du auch alles, was die anderen zu sagen haben.
Ich für mich kann,
bey den mannigfaltigen Richtungen meines Wesens, nicht an einer Denkweise genug
haben; als Dichter und Künstler bin ich Polytheist, Pantheist hingegen als
Naturforscher, und eins so entschieden als das andre. Bedarf ich eines Gottes
für meine Persönlichkeit, als sittlicher Mensch, so ist dafür auch schon
gesorgt. Die himmlischen und irdischen Dinge sind ein so weites Reich, daß die
Organe aller Wesen zusammen es nur erfassen mögen.
Siehst du so steht
es mit mir, und so wirke ich nach Innen und Außen immer im Stillen fort, mag
auch gern, daß ein jeder das Gleiche thue. Nur wenn dasjenige, was mir zu
meinem Daseyn und Wirken unentbehrlich ist, von andern als untergeordnet,
unnütz oder schädlich behandelt wird, dann erlaube ich mir, einige Augenblicke
verdrießlich zu seyn und auch dieß vor meinen Freunden und Nächsten nicht zu
verbergen. Das geht aber gleich vorüber, und wenn ich auch eigensinnig auf
meine Weise fortwirke, so hüte ich mich doch vor aller Gegenwirkung, wie sonst,
so auch jetzt.
Donnerstag, 12. Juli 2018
Samstag, 23. Juni 2018
Der Dichter wird
als Mensch und Bürger sein Vaterland lieben, aber das Vaterland seiner
poetischen Kräfte und seines poetischen Wirkens ist das Gute, Edle und Schöne,
das an keine besondere Provinz und an kein besonderes Land gebunden ist, und
das er ergreift und bildet, wo er es findet. Er ist darin dem Adler gleich, der
mit freiem Blick über Ländern schwebt und dem es gleichviel ist, ob der Hase,
auf den er hinabschießt, in Preußen oder in Sachsen läuft.
Und was heißt
denn: sein Vaterland lieben, und was heißt denn: patriotisch wirken? Wenn ein
Dichter lebenslänglich bemüht war, schädliche Vorurteile zu bekämpfen,
engherzige Ansichten zu beseitigen, den Geist seines Volkes aufzuklären, dessen
Geschmack zu reinigen und dessen Gesinnungs- und Denkweise zu veredeln, was
soll er denn da Besseres tun? und wie soll er denn da patriotischer wirken? - An einen Dichter so ungehörige und undankbare Anforderungen zu machen, wäre
ebenso, als wenn man von einem Regimentschef verlangen wolle: er müsse, um ein
rechter Patriot zu sein, sich in politische Neuerungen verflechten und darüber
seinen nächsten Beruf vernachlässigen. Das Vaterland eines Regimentschefs aber
ist sein Regiment, und er wird ein ganz vortrefflicher Patriot sein, wenn er
sich um politische Dinge gar nicht bemüht, als soweit sie ihn angehen, und wenn
er dagegen seinen ganzen Sinn und seine ganze Sorge auf die ihm untergebenen
Bataillons richtet und sie so gut einzuexerzieren und in so guter Zucht und
Ordnung zu erhalten sucht, daß sie, wenn das Vaterland einst in Gefahr kommt,
als tüchtige Leute ihren Mann stehen.
Armer
Anfang solcher Leute leben aus der Hand in Mund der Verleger hängt ihnen erst
den Stuhl auf, heurathen leicht. Sonst gaben die Verleger die gesponnene Wolle
dem Fabrikanten iezt muss sie der Fabrikant spinnen oder Spinnen lassen und das
Gewicht an Strümpfen liefern. Verlust dabey an Abgang Schmuz und Fett denn die
Strümpfe werden gewaschen. Kann sie der Fabrikant nicht selbst durch die seinen
spinnen lassen wird er noch obendrein bestohlen Sonst wog man die Strümpfe
überhaupt und ein Paar übertrug das andre, iezzo werden sie einzeln gewogen und
das schweerere Paar nicht vergütet vom leichtern Paar aber abgezogen.
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