In
Darmstadt befand sich übrigens eine Gesellschaft von sehr gebildeten Männern.
Geheimerat von Hesse, Minister des Landgrafen, Professor Petersen, Rektor Wenck
und andere waren die Einheimischen, zu deren Wert sich manche fremde
Benachbarte und viele Durchreisende abwechselnd gesellten. Die Geheimerätin von
Hesse und ihre Schwester, Demoiselle Flachsland, waren Frauenzimmer von
seltenen Verdiensten und Anlagen, die letztre, Herders Braut, doppelt
interessant durch ihre Eigenschaften und ihre Neigung zu einem so
vortrefflichen Manne.
Samstag, 12. Mai 2018
Dadurch
kam ich mit jenen in einige Berührung, die sich, jung und talentvoll,
zusammenhielten, und nachher so viel und mannigfaltig wirkten. Die beiden Grafen
Stolberg, Bürger, Voß, Hölty und andere waren im Glauben und Geiste um
Klopstock versammelt, dessen Wirkung sich nach allen Seiten hin erstreckte. In
einem solchen, sich immer mehr erweiternden deutschen Dichterkreise entwickelte
sich zugleich, mit so mannigfaltigen poetischen Verdiensten, auch noch ein
anderer Sinn, dem ich keinen ganz eigentlichen Namen zu geben wüßte. Man könnte
ihn das Bedürfnis der Unabhängigkeit nennen, welches immer im Frieden
entspringt, und gerade da, wo man eigentlich nicht abhängig ist. Im Kriege
erträgt man die rohe Gewalt so gut man kann, man fühlt sich wohl physisch und
ökonomisch verletzt, aber nicht moralisch; der Zwang beschämt niemanden, und es
ist kein schimpflicher Dienst, der Zeit zu dienen; man gewöhnt sich, von Feind
und Freund zu leiden, man hat Wünsche und keine Gesinnungen. Im Frieden
hingegen tut sich der Freiheitssinn der Menschen immer mehr hervor, und je
freier man ist, desto freier will man sein. Man will nichts über sich dulden:
wir wollen nicht beengt sein, niemand soll beengt sein, und dies zarte ja
kranke Gefühl erscheint in schönen Seelen unter der Form der Gerechtigkeit.
Dieser Geist und Sinn zeigte sich damals überall, und gerade da nur wenige
bedrückt waren, wollte man auch diese von zufälligem Druck befrein, und so
entstand eine gewisse sittliche Befehdung, Einmischung der einzelnen ins
Regiment, die, mit löblichen Anfängen, zu unabsehbar unglücklichen Folgen
hinführte.
Voltaire hat durch den Schutz, den er der Familie Calas angedeihen ließ,
großes Aufsehn erregt und sich ehrwürdig gemacht. Für Deutschland fast noch
auffallender und wichtiger war das Unternehmen Lavaters gegen den Landvogt
gewesen. Der ästhetische Sinn, mit dem jugendlichen Mut verbunden, strebte
vorwärts, und da man noch vor kurzem studierte, um zu Ämtern zu gelangen, so
fing man nun an den Aufseher der Beamten zu machen, und die Zeit war nah, wo
der Theater- und Romanendichter seine Bösewichter am liebsten unter Ministern
und Amtleuten aufsuchte. Hieraus entstand eine halb eingebildete, halb
wirkliche Welt von Wirkung und Gegenwirkung, in der wir späterhin die
heftigsten Angebereien und Verhetzungen erlebt haben, welche sich die Verfasser
von Zeitschriften und Tagblättern, mit einer Art von Wut, unter dem Schein der
Gerechtigkeit erlaubten, und um so unwiderstehlicher dabei zu Werke gingen, als
sie das Publikum glauben machten, vor ihm sei der wahre Gerichtshof: töricht!
da kein Publikum eine exekutive Gewalt hat, und in dem zerstückten Deutschland
die öffentliche Meinung niemanden nutzte oder schadete.
Donnerstag, 19. April 2018
Gern
will ich Ihnen glauben, daß Ihnen unser kaltes Schattenreich wunderbar
vorkommt. Fast noch nie haben sich die Verhältnisse so zersprengt und isolirt
als diesmal. Mit viel Freude erwarte ich Sie heute Nachmittag. Nur wünsche ich
Sie, so lange die Sonne noch scheint, in meinem freundlichen Garten Zimmer zu
sehen.
G.Hier einsweilen ein alter Freund.
Vor
einigen Stunden bin ich hier angekommen, habe schon die Stadt durchlaufen, das
Olympische Theater und die Gebäude des Palladio gesehen! Es ist wirklich etwas
Göttliches in seinen Anlagen, völlig wie die Force des großen Dichters, der aus
Wahrheit und Lüge ein Drittes bildet, dessen erborgtes Dasein uns bezaubert.
Freitag, 13. April 2018
Es ist im Wercke daß man dem Seiler Wächter neben der Buchholzen die
Erlaubniß Schläuche zu verfertigen geben will. Wir fürchte beyde es werde die
Operation dem Gewerbe mehr schaden als nutzen. Es ist nicht so ausgebreitet daß
mehrere Personen mit entschiedenem Vortheil sich darin sollten theilen können.
Die Concurrenz wird geringere Preise erzwingen, die Fremden werden davon
profitiren und die Waare wird wahrscheinlich geringer und beyde reiben sich
auf. Die Buchholz ist betriebsam, und verdient wohl daß man auf ihre Erhaltung
dencke und ihr einigen Vortheil gönne, um so mehr als sie nicht schuldenfrey,
ja der Kriegskasse noch 700 schuldig ist, die sie richtig verinteressirt und
nach abzutragen sucht. Käme sie zurück; so bliebe nichts übrig als ihr
väterlich Hauß anzuschlagen und eine Person zu Grunde zu richten die sich
bisher wacker gehalten hat und deren Unternehmungen eine Folge und Glück
hatten. Ich will nicht wie andre behaupten, daß es eine Privatabsicht des
Majors Germar sey mit dem sie sich von Anfang her nicht vertragen hat. Etwas
menschliches kann aber doch dabey zum Grunde liegen. Der Präsident und ich
dencken überein und bitten nur daß Sie es nochmals überlegen möchten! es ist
mir unbekannt was man für die Theilung des Gewerbs angeführt hat.
Donnerstag, 12. April 2018
1779
März
d.
11 Die Stuterey besehen. Mit Prizelius essen. Nach Kalbsrieth der Strase Wegen.
Abends allein.
d.
12 von Alstädt ab. mit Castrop nach Weimar Steinbruch. unterweegs gedacht.
endlich Castre Litaney von altem Saukram.
13.
Alles durchgesehn. leidlich gefunden. Glauers Arb. Gut. Die Garten Wirth.
hübsch. Abends vorgelesen die drey ersten Ackte Iph [*Herzog Carl August] und
Knebel bleiben da essen.
14.
Besorgung. Abschrifft der Rollen. Kirchgang der Herzoginn. Zu Hause gessen.
d.
16 nach Ilmenau. über Wölfershausen Arnstadt. Martinrode.
d
17 Auslesung beym Comm. Rath gessen. Auf die Porzellanfabr.
d.
18 nach Stüzzerbach. auf den Gickelhahn, Ascherofen, Schwalbenstein.
d.
19 Allein auf dem Schwalbenstein. d. 4. Ackt der Iph. geschrieben.
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