Selbst
die Zeitungen, die er las, wurden aktenmäßig geheftet.
Freitag, 22. August 2014
Wichtiger als dieses Sammeln und Einordnen ist
die Ordnung und Beherrschung der Arbeitsstoffe durch fleißiges Bedenken. In
Goethes Tagebüchern lesen wir neben andern Tätigkeiten oft: "Das
Vorliegende durchdacht" oder "das Jüngstvergangene überdacht"
oder "Überlegung des Gegenwärtigen" oder nach einem wichtigeren
Ereignis: "Betrachtungen darüber." So handelte er nach seiner
Lebenregel: "Tun und Denken, Denken und Tun" und ging nicht unter in
den Massen, die auf ihn eindrangen.
Dem Gegenstande, der ihn beschäftigte, gehörte
er jedesmal ganz an, identificirte sich mit ihm nach allen Seiten und wußte,
während er irgend eine wichtige Aufgabe sich gesetzt, alles seinem Ideengang
Fremdartige standhaft abzulehnen. »In den hundert Dingen, die mich
interessiren,« – äußerte er – »constituirt sich immer eins in der Mitte als
Hauptplanet und das übrige Quodlibet meines Lebens treibt sich indessen in
vielseitiger Mondgestalt umher, bis es einem und dem andern auch gelingt,
gleichfalls in die Mitte zu rücken.
Donnerstag, 21. August 2014
Doch lobt
ihr vieles, was zu tadeln wäre.
Ich kenn' ihn lang , er ist so leicht zu kennen,
Und ist zu stolz sich zu verbergen. Bald
Versinkt er in sich selbst, als wäre ganz
Die Welt in seinem Busen, er sich ganz
In seiner Welt genug, und alles rings
Umher verschwindet ihm. Er läßt es gehn,
Läßt's fallen, stößt's hinweg und ruht in sich –
Ich kenn' ihn lang , er ist so leicht zu kennen,
Und ist zu stolz sich zu verbergen. Bald
Versinkt er in sich selbst, als wäre ganz
Die Welt in seinem Busen, er sich ganz
In seiner Welt genug, und alles rings
Umher verschwindet ihm. Er läßt es gehn,
Läßt's fallen, stößt's hinweg und ruht in sich –
Auf
einmal, wie ein unbemerkter Funke
Die Mine zündet, sey es Freude, Leid,
Zorn oder Grille, heftig bricht er aus:
Dann will er Alles fassen, Alles halten,
Dann soll geschehn, was er sich denken mag',
In einem Augenblicke soll entstehn,
Was Jahre lang bereitet werden sollte,
In einem Augenblick gehoben seyn,
Was Mühe kaum in Jahren lösen könnte.
Er fordert das Unmögliche von sich,
Damit er es von andern fordern dürfe.
Die letzten Enden aller Dinge will
Sein Geist zusammen fassen; das gelingt
Kaum Einem unter Millionen Menschen,
Und er ist nicht der Mann: er fällt zuletzt,
Um nichts gebessert, in sich selbst zurück.
Die Mine zündet, sey es Freude, Leid,
Zorn oder Grille, heftig bricht er aus:
Dann will er Alles fassen, Alles halten,
Dann soll geschehn, was er sich denken mag',
In einem Augenblicke soll entstehn,
Was Jahre lang bereitet werden sollte,
In einem Augenblick gehoben seyn,
Was Mühe kaum in Jahren lösen könnte.
Er fordert das Unmögliche von sich,
Damit er es von andern fordern dürfe.
Die letzten Enden aller Dinge will
Sein Geist zusammen fassen; das gelingt
Kaum Einem unter Millionen Menschen,
Und er ist nicht der Mann: er fällt zuletzt,
Um nichts gebessert, in sich selbst zurück.
Dienstag, 12. August 2014
Wenn wir
das Edle in Handlung und Gesinnung mit dem Unedlen messen, so nennen wir das
Edle groß, das Unedle klein. Messen wir wieder das Edle, Große und Schöne nach
der Höhe, in der es über uns, unsrer Fassungskraft kaum noch erreichbar, ist,
so geht der Begriff des Schönen in den Begriff des Erhabenen über.
Montag, 28. Juli 2014
Abonnieren
Posts (Atom)
