Freitag, 8. September 2023

 

In Marienbad wurde auf Wunsch einer polnischen Gräfin Goethe ihr vorgestellt. Die war entzückt, und schwärmte von seinen Tragödien. Die Tragödie „Athalie“ bezeichnete sie als grossartig. Goethe: „Auch ich schwärme für Tragödien. Aber die ‚Athalie’ ist von Jean Racine.“

Die Gräfin bemerkte darauf, sie habe sich geirrt, sie meinte sein Drama „Don Juan“. Das war aber auch nicht von ihm. Goethe hatte genug von den Verwechslungen und sagte, es sei Zeit für sie, in den Ballsaal zu gehen. Dann entfernte sich Goethe wortlos.

Später erzählet die Gräfin: „Goethe, grossartiger Dichter, aber unhöflich!“

Sonntag, 3. September 2023

 

Es trafen sich immer viele Leute im Haus von Goethe. Bei den Gesprächen standen oft Gegenstände der Kunst und Wissenschaft im Vordergrund. Goethe war sehr ungehalten, wenn Klatscherei verbreitet wurde. Bei einer solchen Gelegenheit konnte er sehr derb werden und rief mit nachdrücklicher Stimme: „Euren Schmutz kehrt bei euch zusammen, aber bringt ihn nicht mir ins Haus.“

 

Eine Sammlung von Anekdoten ist für den Weltmann der grösste Schatz, wenn er sie an schicklichen Orten ins Gespräch einzustreuen weiss.

Sonntag, 27. August 2023

 

Wie selig kann man seine Freunde preisen die wenigstens das Unheil nicht mit Augen sehen das in dieser Gegend und nun auch in dem unglücklichen Maynz angerichtet wird. Ihre gütigen Briefe zeigen mir Sie auf dem gewöhnlichen ruhigen, obgleich mitunter beschwerlichen Pfade der bürgerlichen Geschäfte und des häußlichen Lebens, möge ein gutes Geschick Sie lange drauf erhalten.

Mich wandelt in meiner jetzigen Lage eine Art Stupor an und ich finde den trivialen Ausdruck: der Verstand steht mir still, trefflich um die Lage meines Geistes auszudrucken.

 

Die Hälfte der schönen und wohlgelegnen Stadt mag nun wohl schon verbrannt seyn der Erfolg muß diesen grimmigen Entschluß rechtfertigen. Die Situation der emigrirten Maynzer ist die traurigste von der Welt. Von Kälte und Nässe haben wir seit 14 Tagen sehr gelitten nun ists wieder schön doch abwechselnd.

 

Seit dem Anfange der eigentlichen Belagrung haben unsre Jäger auf ihrem gewöhnlichen Posten weniger Gefahr als vorher. Es wollte einigen gar nicht schmecken. Einer der sich ziemlich gut gehalten hat Nahmens Blumenstein hat um den Trauschein gebeten, er lebt schon lange mit einem Mädchen die Güntherinn heißt. Durchl. sind geneigt ihm zu willfahren, hätten Sie wohl die Gütigkeit zu sorgen? daß dem Mädchen das er schwanger zurückgelassen biß zu seiner Rückkunft von Stadtraths wegen kein Leid geschehe. Es gehen jetzt soviel Weltbürger zu Grunde daß man den neu eintretenden wohl ihre Ankunft facilitiren kann.

Dienstag, 22. August 2023

 

Doch das Schlimmste find ich den Dünkel des irrigen Wahnes,

Der die Menschen ergreift: es könne jeder im Taumel

Seines heftigen Wollens die Welt beherrschen und richten.

Hielte doch jeder sein Weib und seine Kinder in Ordnung,

Wüßte sein trotzig Gesinde zu bändigen, könnte sich stille,

Wenn die Toren verschwenden, in mäßigem Leben erfreuen.

 

Aber wie sollte die Welt sich verbessern? Es läßt sich ein jeder

Alles zu und will mit Gewalt die andern bezwingen.

Und so sinken wir tiefer und immer tiefer ins Arge.

Afterreden, Lug und Verrat und Diebstahl und falscher

Eidschwur, Rauben und Morden, man hört nichts anders erzählen.

Falsche Propheten und Heuchler betriegen schändlich die Menschen.

Dienstag, 1. August 2023

 

EDELMANN. Ich weiß, was ich zu tun habe. Findet sich alles wahr, so muß eine solche Kleinigkeit nicht gerügt werden; sie erregt nur Schrecken und Mißtrauen in einem ruhigen Lande. Wir haben nichts zu befürchten. Kinder, liebt euch, bestellt euren Acker wohl und haltet gut Haus.

Freitag, 28. Juli 2023

Bei Tische teilt er manches mit mir und gibt mir von seinem Teller. Wenn ich abends komme, lässt er gleich eine Bouteille Wein bringen.