Eine
Sammlung von Anekdoten ist für den Weltmann der grösste Schatz, wenn er sie an
schicklichen Orten ins Gespräch einzustreuen weiss.
Wie
selig kann man seine Freunde preisen die wenigstens das Unheil nicht mit Augen
sehen das in dieser Gegend und nun auch in dem unglücklichen Maynz angerichtet
wird. Ihre gütigen Briefe zeigen mir Sie auf dem gewöhnlichen ruhigen, obgleich
mitunter beschwerlichen Pfade der bürgerlichen Geschäfte und des häußlichen
Lebens, möge ein gutes Geschick Sie lange drauf erhalten.
Mich
wandelt in meiner jetzigen Lage eine Art Stupor an und ich finde den trivialen
Ausdruck: der Verstand steht mir still, trefflich um die Lage meines
Geistes auszudrucken.
Die Hälfte der schönen und wohlgelegnen Stadt mag nun wohl schon verbrannt seyn der Erfolg muß diesen grimmigen Entschluß rechtfertigen. Die Situation der emigrirten Maynzer ist die traurigste von der Welt. Von Kälte und Nässe haben wir seit 14 Tagen sehr gelitten nun ists wieder schön doch abwechselnd.
Seit
dem Anfange der eigentlichen Belagrung haben unsre Jäger auf ihrem gewöhnlichen
Posten weniger Gefahr als vorher. Es wollte einigen gar nicht schmecken. Einer
der sich ziemlich gut gehalten hat Nahmens Blumenstein hat um den Trauschein
gebeten, er lebt schon lange mit einem Mädchen die Güntherinn heißt. Durchl.
sind geneigt ihm zu willfahren, hätten Sie wohl die Gütigkeit zu sorgen? daß
dem Mädchen das er schwanger zurückgelassen biß zu seiner Rückkunft von
Stadtraths wegen kein Leid geschehe. Es gehen jetzt soviel Weltbürger zu Grunde
daß man den neu eintretenden wohl ihre Ankunft facilitiren kann.
Doch das
Schlimmste find ich den Dünkel des irrigen Wahnes,
Der die Menschen
ergreift: es könne jeder im Taumel
Seines heftigen
Wollens die Welt beherrschen und richten.
Hielte doch
jeder sein Weib und seine Kinder in Ordnung,
Wüßte sein
trotzig Gesinde zu bändigen, könnte sich stille,
Wenn die Toren
verschwenden, in mäßigem Leben erfreuen.
Aber wie sollte
die Welt sich verbessern? Es läßt sich ein jeder
Alles zu und
will mit Gewalt die andern bezwingen.
Und so sinken
wir tiefer und immer tiefer ins Arge.
Afterreden, Lug
und Verrat und Diebstahl und falscher
Eidschwur,
Rauben und Morden, man hört nichts anders erzählen.
Falsche
Propheten und Heuchler betriegen schändlich die Menschen.