Aber dann, o Genius! dass offenbar werde, nicht Fläche, Weichheit des Herzens sei an seiner Unbestimmtheit schuld; lass ihn ein Mädchen finden, seiner wert!
Lass
die beiden sich finden, beim ersten Nahen werden sie dunkel und mächtig ahnen,
was jedes für einen Inbegriff von Glückseligkeit in dem andern ergreift, werden
nimmer voneinander lassen. Und dann lall er ahnend und hoffend und genießend:
Abends sitzt er in einer wohlgeheizten Stube, eine weisse Fuhrmannsmütze
auf dem Kopf, ein Moltumjäckchen und lange Flauschpantalons an, in nieder
getretenen Pantoffeln und herabhängenden Strümpfen im Lehnstuhl, während sein
kleiner Junge auf seinen Knieen schaukelt. In einem Winkel sitzt
stillschweigend und meditierend der Maler Meyer, auf der anderen
Seite die Donna Vulpia mit dem Strickstrumpf. Dies ist die
Familiengruppe.
Merck
war mit Goethen schon früh Kumpan und Lebebruder gewesen, ohngeachtet er etwa 6
Jahre älter war. Er hatte einst seine Frau in flagranti mit einem Liebhaber
ergriffen, und zweifelte daher an der Echtheit seiner Kinder. Weil er sich nun
selbst aktäonisiert wußte, bezweifelte er auch die Treue der übrigen Weiber, und
streuete überall, wo er Eheglück fand, Samen der Zwietracht aus. Überhaupt fand
er eine teuflische Lust darinnen, Leute, die sich glücklich fühlten, auf die
linke Seite aufmerksam zu machen, und ihr Glück zu stören. Ihn hat daher auch
Goethe zum Original des Mephistopheles in seinem Faust (dies ist Goethe selbst)
genommen, und mehrere Szenen sind Anspielungen auf wirkliche Begebenheiten, die
er mit Merck erlebt hatte, z.B. die Szene in Auerbachs Hof und das Liedchen vom
Stroh. Schade nur, dass dieser Faust, so wie wir ihn jetzt in seinen Werken
haben, ein aus frühern und spätern Arbeiten zusammengeflicktes Lappenwerk ist
(so wie auch der Wilhelm Meister), und dass die interessantesten Wollustszenen
(z.B. im Gefängnisse, wo Faust so wütend wird, dass er selbst den
Mephistopheles erschreckt) unterdrückt worden sind.
Bonstetten ist ein Mann, der von Voltaire und Rousseau herauf bis zu der Frau v. Staël und Lord Byron mit aller Literatur des Jahrhunderts gelebt hat. Er besitzt eine grenzenlose Erfahrung und eine besondere Gabe, die Eigenheiten verschiedener Personen durch die feinsten und schärfsten Andeutungen einem anderen zu überliefern und anschaulich zu machen.
Er trat ins Zimmer, und seine Augen begegneten sogleich den Augen der Gräfin, die auf ihn gerichtet waren. Philine zog ihn zu der Dame, indes der Graf sich mit den übrigen beschäftigte. Wilhelm neigte sich und gab auf verschiedene Fragen, welche die reizende Dame an ihn tat, nicht ohne Verwirrung Antwort. Ihre Schönheit, Jugend, Anmut, Zierlichkeit und feines Betragen machten den angenehmsten Eindruck auf ihn, um so mehr, da ihre Reden und Gebärden mit einer gewissen Schamhaftigkeit, ja man dürfte sagen Verlegenheit begleitet waren.