Endlich
erhalten Sie den Ibykus. Möchten Sie damit zufrieden sein. Ich gestehe, daß ich
bei näherer Besichtigung des Stoffes mehr Schwierigkeiten fand als ich anfangs
erwartete, indessen däucht mir, daß ich sie größtentheils überwunden habe. Die
zwei Hauptpunkte worauf es ankam schienen mir erstlich eine Continuität in die
Erzählung zu bringen, welche die rohe Fabel nicht hatte, und zweitens die
Stimmung für den Effect zu erzeugen. Die letzte Hand habe ich noch nicht daran
legen können, da ich erst gestern Abend fertig geworden, und es liegt mir
zuviel daran, daß Sie die Ballade bald lesen, um von Ihren Erinnerungen noch
Gebrauch machen zu können. Das angenehmste wäre mir, zu hören, daß ich in
wesentlichen Punkten Ihnen begegnete.
Dienstag, 9. November 2021
Schiller. - Mit meiner Gesundheit geht es seit acht Tagen wieder besser und im Hause steht es auch gut. Meine Frau grüßt Sie herzlich. Von Humboldts habe ich seit ihrer Abreise aus Dresden noch nichts vernommen. Aus dem Gotterischen Nachlaß erhalte ich seine Oper: die Geisterinsel, die nach Shakespeares Sturm bearbeitet ist; ich habe den ersten Act gelesen, der eben sehr kraftlos ist und eine dünne Speise. Indessen danke ich dem Himmel, daß ich einige Bogen in den Horen auszufüllen habe und zwar durch einen so classischen Schriftsteller, der das Genie- und Xenien-Wesen vor seinem Tode so bitter beklagt hat - Und so zwingen wir denn Gottern, der lebend nichts mit den Horen zu thun haben wollte, noch todt darin zu spuken.
Leben
Sie recht wohl, lassen Sie bald wieder von sich hören.
Dienstag, 26. Oktober 2021
Hölderlin
an Schiller. - Haben Sie Ihre Meinung von mir geändert? Haben Sie mich
aufgegeben? Verzeihen Sie mir diese Fragen. Eine Anhänglichkeit an Sie, gegen
welche ich oft vergebens angieng, wenn sie Leidenschaft war, eine
Anhänglichkeit, die noch immer mich nicht verlassen hat, nöthigt solche Fragen
mir ab. Ich würde mich darüber tadeln, wenn Sie nicht der einzige Mann wären,
an den ich meine Freiheit so verloren habe.
Sonntag, 24. Oktober 2021
Mittwoch, 20. Oktober 2021
Ehe
man mehreres von dem Verfasser gesehen hätte, daß man wüßte, ob er noch andere
Talente in andern Versarten hat, wüßte ich nicht, was ihm zu raten wäre. Ich
möchte sagen, in beiden Gedichten sind gute Ingredienzien zu einem Dichter, die
aber keinen Dichter machen. Vielleicht täte er am besten, wenn er einmal ein
ganz einfaches idyllisches Faktum wählte und es darstellte; so könnte man eher
sehen, wie es ihm mit der Menschenmalerei gelänge, worauf doch am Ende alles
ankommt. Ich sollte denken, der 'Äther' würde nicht übel im Almanach und 'Der
Wanderer' gelegentlich ganz gut in den Horen stehen.
