Dienstag, 9. November 2021

 Schiller.  -  Mit meiner Gesundheit geht es seit acht Tagen wieder besser und im Hause steht es auch gut. Meine Frau grüßt Sie herzlich. Von Humboldts habe ich seit ihrer Abreise aus Dresden noch nichts vernommen. Aus dem Gotterischen Nachlaß erhalte ich seine Oper: die Geisterinsel, die nach Shakespeares Sturm bearbeitet ist; ich habe den ersten Act gelesen, der eben sehr kraftlos ist und eine dünne Speise. Indessen danke ich dem Himmel, daß ich einige Bogen in den Horen auszufüllen habe und zwar durch einen so classischen Schriftsteller, der das Genie- und Xenien-Wesen vor seinem Tode so bitter beklagt hat - Und so zwingen wir denn Gottern, der lebend nichts mit den Horen zu thun haben wollte, noch todt darin zu spuken.

Leben Sie recht wohl, lassen Sie bald wieder von sich hören.

Donnerstag, 4. November 2021

Vergebne Hoffnung. Regenwetter. Dumpfheit.

 

Wir fuhren um eine Ecke!

Dienstag, 26. Oktober 2021

Hölderlin an Schiller. - Haben Sie Ihre Meinung von mir geändert? Haben Sie mich aufgegeben? Verzeihen Sie mir diese Fragen. Eine Anhänglichkeit an Sie, gegen welche ich oft vergebens angieng, wenn sie Leidenschaft war, eine Anhänglichkeit, die noch immer mich nicht verlassen hat, nöthigt solche Fragen mir ab. Ich würde mich darüber tadeln, wenn Sie nicht der einzige Mann wären, an den ich meine Freiheit so verloren habe.

Sonntag, 24. Oktober 2021

Damals trug er lange Locken an der Seite, und das oft starre, grosse Auge war von einem ungewöhnlichen Liebesschimmer belebt.

Mittwoch, 20. Oktober 2021

Ehe man mehreres von dem Verfasser gesehen hätte, daß man wüßte, ob er noch andere Talente in andern Versarten hat, wüßte ich nicht, was ihm zu raten wäre. Ich möchte sagen, in beiden Gedichten sind gute Ingredienzien zu einem Dichter, die aber keinen Dichter machen. Vielleicht täte er am besten, wenn er einmal ein ganz einfaches idyllisches Faktum wählte und es darstellte; so könnte man eher sehen, wie es ihm mit der Menschenmalerei gelänge, worauf doch am Ende alles ankommt. Ich sollte denken, der 'Äther' würde nicht übel im Almanach und 'Der Wanderer' gelegentlich ganz gut in den Horen stehen.

Dienstag, 19. Oktober 2021

Da wir überzeugt sind, dass derjenige, der die intellektuelle Welt beschaut und des wahren Intellekts Schönheit gewahr wird, auch wohl ihren Vater, der über allen Sinn erhaben ist, bemerken könne, so versuchen wir denn, nach Kräften einzusehen und für uns selbst auszudrücken - insofern sich dergleichen deutlich machen lässt -, auf welche Weise wir die Schönheit des Geistes und der Welt anzuschauen vermögen.  

Donnerstag, 30. September 2021

Sauwohl u Projeckte.

Dienstag, 28. September 2021

Als ich von der Behauptung des Journals des Débats sprach, daß eine Melodie aus dem Freischütz Motive aus Rousseau's Musik enthalte, schalt er lebhaft alles solches Nachgrübeln von Parallelstellen. Es sei ja alles, was gedichtet, argumentirt, gesprochen werde, allerdings schon dagewesen, aber wie könne denn eine Lectüre, eine Conversation, ein Zusammenleben bestehen, wenn man immer opponiren wolle: Das habe ich ja schon im Aristoteles, Homer und dergl. gelesen. Kurz, er war ziemlich negirend, ironisch, widersprechend.

Von 7-9 Uhr war ich heute bei Goethe allein, der ziemlich heiter und gesprächig, doch nicht so festhaltend an den Gegenständen und mittheilend war, wie in ganz guten Stunden. Er sprach vom Nekrolog der Fr.v. Krüdener. »So ein Leben ist wie Hobelspäne; kaum ein Häufchen Asche ist daraus zu gewinnen zum Seifensieden.« Doch rieth er mir ›Valerie‹ zu lesen.