»Wer wie ich,« antwortete Goethe, »sein ganzes Leben hindurch mit hohen Personen zu verkehren gehabt, für den ist es nicht schwer. Das einzige dabei ist, daß man sich nicht durchaus menschlich gehen lasse, vielmehr sich stets innerhalb einer gewissen Convenienz halte.«
Dienstag, 19. Mai 2020
Goethe las mir seine
Antwort an den König von Bayern. Er hatte sich dargestellt wie einen, der
persönlich die Stufen der Villa hinaufgeht und sich in des Königs unmittelbarer
Nähe mündlich äußert. »Es mag schwer sein,« sagte ich, »das richtige Verhältniß
zu treffen, wie man sich in solchen Fällen zu halten habe.«
»Wer wie ich,« antwortete Goethe, »sein ganzes Leben hindurch mit hohen Personen zu verkehren gehabt, für den ist es nicht schwer. Das einzige dabei ist, daß man sich nicht durchaus menschlich gehen lasse, vielmehr sich stets innerhalb einer gewissen Convenienz halte.«
»Wer wie ich,« antwortete Goethe, »sein ganzes Leben hindurch mit hohen Personen zu verkehren gehabt, für den ist es nicht schwer. Das einzige dabei ist, daß man sich nicht durchaus menschlich gehen lasse, vielmehr sich stets innerhalb einer gewissen Convenienz halte.«
Sonntag, 10. Mai 2020
Ich
muss noch viel herumgetrieben werden, und dann einen Augenblick an Ihrem
Herzen! – Das ist immer so mein Traum, meine Aussicht durch viel Leiden. – Ich
habe mich so offt am Weiblichen Geschlecht betrogen – O Gustgen wenn ich nur
einen Blick in Ihr Aug thun könnte! – Ich will schweigen – Hören Sie nicht auf,
auch für mich zu seyn. Ade.
Samstag, 2. Mai 2020
Alles Grosse und Gescheite existiert in der Minorität. Es hat Minister gegeben, die Volk und König gegen sich hatten und die ihre grossen Pläne einsam durchführten. Es ist nie daran zu denken, dass die Vernunft popular werde. Leidenschaften und Gefühle mögen popular werden, aber die Vernunft wird immer nur im Besitz einzelner Vorzüglicher sein.
Es ist etwas Unstetes
und Mistrauisches in seinem ganzen Wesen, wobey sich niemand in seiner
Gegenwart wohl befinden kann. Es ist mir, als wenn ich auf keinem seiner Stühle
ruhig sitzen könnte. Er ist der glücklichste Mensch von aussen. Er hat Geist,
Ehre, Bequemlichkeit, Genuss der Künstle. Und doch möchte ich nicht 3000 Rthlr.
Einnahme haben und an seiner Stelle sein.
Dienstag, 28. April 2020
Ich will Ihnen etwas sagen, woran Sie sich im Leben halten mögen. Es gibt in der Natur ein Zugängliches und ein Unzugängliches. Dieses unterscheide und bedenke man wohl und habe Respekt. Es ist uns schon geholfen, wenn wir es überhaupt nur wissen, wiewohl es immer sehr schwer bleibt, zu sehen, wo das eine aufhört und das andere beginnt. Wer es nicht weiß, quält sich vielleicht lebenslänglich am Unzugänglichen ab, ohne je der Wahrheit nahe zu kommen. Wer es aber weiß und klug ist, wird sich am Zulänglichen halten, und indem er in dieser Region nach allen Seiten geht und sich befestiget, wird er sogar auf diesem Wege dem Unzugänglichen etwas abgewinnen können, wiewohl er hier doch zuletzt gestehen wird, daß manchen Dingen nur bis zu einem gewissen Grade beizukommen ist, und die Natur immer etwas Problematisches hinter sich behalte, welches zu ergründen, die menschlichen Fähigkeiten nicht hinreichen.
Samstag, 25. April 2020
Und eben diese durchdringenden Augen des umsichtigen Mannes scheinen uns
ein Entsetzen zu verraten; er blickt auf eine fürchterliche Erscheinung, die
unmittelbar, unerwartet aus den Wellen bricht. Die Helden, sämtlich erstaunt,
feiern von der Arbeit. Herkules allein fährt fort, das Meer zu schlagen; was
den übrigen als Wunder erscheint, sind ihm bekannte Dinge. Rastlos gewohnt zu
arbeiten, strebt er kräftig vor wie nach, unbekümmert um alles nebenbei.
Alle
nun schauen auf Glaukus, der sich dem Meer enthebt. Dieser, sonst ein Fischer,
genoß vorwitzig Tang und Meerpflanze; die Wellen schlugen über ihm zusammen und
führten ihn hinab als Fisch zu den Fischen. Aber der übriggebliebene
menschliche Teil ward begünstigt: zukünftige Dinge kennt er, und nun steigt er
herauf, den Argonauten ihre Schicksale zu verkünden. Wir betrachten seine
Gestalt: aus seinen Locken, aus seinem Bart trieft, gießt das Meerwasser über Brust
und Schultern herab, anzudeuten die Schnelligkeit, womit er sich hervorhob.
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