Samstag, 26. Oktober 2019
Sonderbar war es,
dass ich auf äußere Veranlassung verschiedene Maßregeln nehmen musste, welche
mich in neue Verhältnisse setzten, wodurch mein Aufenthalt in Rom immer
schöner, nützlicher und glücklicher ward. Ja, ich kann sagen, dass ich die
höchste Zufriedenheit meines Lebens in diesen letzten acht Wochen genossen habe
und nun wenigstens einen äußersten Punkt kenne, nach welchem ich das Thermometer
meiner Existenz künftig abmessen kann.
Mein Abschied von
hier betrübt drei Personen innigst. Sie werden nie wieder finden, was sie an
mir gehabt haben, ich verlasse sie mit Schmerzen. In Rom hab' ich mich selbst
zuerst gefunden, ich bin zuerst übereinstimmend mit mir selbst glücklich und
vernünftig geworden, und als einen solchen haben mich diese dreie in
verschiedenem Sinne und Grade gekannt, besessen und genossen.
Freitag, 25. Oktober 2019
20. Jan. 87 abends
Dein Brief vom 1. Jan. ist mir gekommen und hat mir Freude und Schmertzen
gebracht. Dazu kann ich nichts weiter sagen als: ich habe nur Eine
Existenz, diese hab ich diesmal ganz gespielt und spiele sie noch. Komm
ich leiblich und geistlich davon, überwältigt meine Natur, mein Geist, mein
Glück, diese Krise, so ersetz ich dir tausendfältig was zu ersetzen ist. – Komm
ich um, so komm ich um, ich war ohne dies zu nichts mehr nütze.
Ach liebe Lotte du
weist nicht welche Gewalt ich mir angethan habe und anthue und daß der Gedancke
dich nicht zu besitzen mich doch im Grunde, ich mags nehmen und stellen und
legen wie ich will aufreibt und aufzehrt. Ich mag meiner Liebe zu dir Formen
geben welche ich will, immer immer – Verzeih mir daß ich dir wieder einmal sage
was so lange stockt und verstummt. Wenn ich dir meine Gesinnungen meine
Gedancken der Tage, der einsamsten Stunden sagen könnte. Leb wohl. Ich bin
heute konfus und fast schwach. Leb wohl Liebe mich, ich gehe nun weiter und du
hörst bald von mir und sollst durch mich noch ein Stück Welt weiter kennen
lernen. Rom d. 21. Febr. 87.
Mittwoch, 16. Oktober 2019
Donnerstag, 10. Oktober 2019
Wenn man vorstehendes
Liedchen nicht in buchstäblichem Sinn nehmen, nicht jenen Dämon, den man
gewöhnlich Amor nennt, dabei denken, sondern eine Versammlung tätiger Geister
sich vorstellen will, die das Innerste des Menschen ansprechen, auffordern, hin
und wider ziehen und durch geteiltes Interesse verwirren, so wird man auf eine
symbolische Weise an dem Zustand teilnehmen, in dem ich mich befand, und
welchen die Auszüge aus Briefen und die bisherigen Erzählungen genugsam
darstellen. Man wird zugestehen, dass eine große Anstrengung gefordert ward,
sich gegen so vieles aufrecht zu erhalten, in Tätigkeit nicht zu ermüden und im
Aufnehmen nicht lässig zu werden.
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