Mir ist das liebe Wertherische Blut
Immer zu einem Probirhengst gut
Den lass ich mit meinem Weib spazieren
Vor ihren Augen sich abbranliren
Samstag, 24. August 2019
Montag, 12. August 2019
Die Weiber sind rechte Egoisten, indem man nur in ihr Interesse fällt,
sofern sie uns lieben oder wir ihre Liebhaber machen oder sie uns zu Liebhabern
wünschen. Eine ruhige, freie, absichtslose Teilnahme und Beurteilung fällt ganz
außer ihrer Fähigkeit. Sie sehen alles nicht etwa nur aus ihrem Standpunkt,
sondern in persönlichem Bezug auf sich.
Donnerstag, 8. August 2019
Ein sehr schöner dreispänniger Reisewagen rollt daher, eine freundliche junge Dame versäumt nicht, sich am Schlage sehen zu lassen und hüben und drüben zu grüßen; aber dem Postillion fällt man in die Zügel, der Schlag wird eröffnet, ein Erzklubist an ihrer Seite sogleich erkannt.
Zu verkennen war er freilich nicht, kurz gebaut, dicklich, breiten Angesichts, blatternarbig. Schon ist er bei den Füßen herausgerissen; man schließt den Schlag und wünscht der Schönheit glückliche Reise. Ihn aber schleppt man auf den nächsten Acker, zerstößt und zerprügelt ihn fürchterlich; alle Glieder seines Leibes sind zerschlagen, sein Gesicht unkenntlich.
Eine Wache nimmt sich endlich seiner an, man bringt ihn in ein Bauernhaus, wo er auf Stroh liegend zwar vor Tätlichkeiten seiner Stadtfeinde, aber nicht vor Schimpf, Schadenfreude und Schmähen geschützt war.
Doch auch damit ging es am Ende so weit, daß der Offizier niemand mehr hineinließ; auch mich, dem er es als einem Bekannten nicht abgeschlagen hätte, dringend bat: ich möchte diesem traurigsten und ekelhaftesten aller Schauspiele entsagen.
Da kommen wir mit vollem Trab;
Verzeiht! es ging nicht gütlich ab.
Wir klopften an, wir pochten an,
Und immer ward nicht aufgetan;
Wir rüttelten, wir pochten fort,
Da lag die morsche Türe dort;
Wir riefen laut und drohten schwer,
Allein wir fanden kein Gehör.
Und wie's in solchem Fall geschicht,
Sie hörten nicht, sie wollten nicht;
Wir aber haben nicht gesäumt,
Behende dir sie weggeräumt.
Das Paar hat sich nicht viel gequält,
Vor Schrecken fielen sie entseelt.
Ein Fremder, der sich dort versteckt
Und fechten wollte, ward gestreckt.
In wilden Kampfes kurzer Zeit
Von Kohlen, ringsumher gestreut,
Entflammte Stroh. Nun lodert's frei,
Als Scheiterhaufen dieser drei.
Mittwoch, 31. Juli 2019
Mittwoch, 24. Juli 2019
Die
chronikalischen Notizen von den Abenteuern der Schmeling-Mara haben freylich
den wahrhaften Charakter einer empirischen Welt; daher ist's um alles
Geschichtliche ein gar wunderliches unsicheres Wesen und es geht wirklich in's
Komische wenn man überdenkt wie man von längst Vergangenem sich mit Gewißheit
überzeugen will. Wir besitzen hier eine alte niedliche silberne Schaale, die
sich, wie eingegrabenes Bild und Inschrift beweist, von Kaiser Friedrich den
Ersten herschreibt. Es ist unbestritten ein Pathengeschenk, und doch können
sich die Gelehrten nicht vereinigen, wer eigentlich der Getaufte, wer der
Taufzeuge sey. Hierüber existiren nun schon fünf Meynungen, die man als Muster
des Scharfsinns und des Unsinns schätzen und halten kann; eine einzige ist gradsinnig
und plausibel.
Vorgenanntes
Buch gelesen mit besonderm Vergnügen. Concipirt und mundirt. Nebenstehendes
ausgefertigt: Herrn Garteninspector Sckell in Belvedere. – Herr
Salinendirector Glenck zum Neuenjahr Sole von Stotternheim bringend, und auf
Befragen über alle die neuen Bohrunternehmungen in Thüringen Auskunft gebend;
nicht weniger eine geognostische Tabelle in Bezug auf die verschiedenen
Salzformationen aufzeichnend. Verschiedene ihm vorgewiesene Mineralien
geognostisch ordnend und erklärend. Einige Fragen vorlegend, deren Beantwortung
überdenkend. Mittags für uns. Leo, Geschichte des jüdischen Staats fortgesetzt.
Abends Professor Riemer. Einige Abtheilungen gedachten Buches mit demselben
durchgelesen. Anderes Naheliegende besprochen. Späterhin fortgefahren an diesem
Lesen.
Donnerstag, 11. Juli 2019
Ich traf gegen 4 Uhr Hofrath Meyer bei Goethe an.
Letzterer war sehr munter, ja aufgeregt; wie ein Gewitter bei heiterm Himmel
suchte er sich seiner Kraftfülle durch geistige Blitze und Donnerschläge zu
entledigen. Knebeln über Meteorologie consultiren, äußerte Goethe, heiße den
Barometer über den Barometer befragen. Voltaire habe gesagt, die Erde sei eine
alte Coquette, die sich jung zu machen strebe. Die Atmosphäre sei auch so eine
Coquette, die eine zeitlang geregelten Gang affectire, aber bald sich dem
ersten besten Wind preis gebe.
Daß man über
Wellington's Omnipotenz als Premier-Minister jetzt schelte, sei absurd; man
sollte froh sein, daß er endlich seinen rechten Platz eingenommen; wer Indien
und Napoleon besiegt habe, möge wohl mit Recht über eine lumpige Insel
herrschen. Wer die höchste Gewalt besitze, habe Recht; ehrfurchtsvoll müsse man
sich vor ihm beugen. "Ich bin nicht so alt geworden, um mich um die
Weltgeschichte zu bekümmern, die das Absurdeste ist, was es giebt; ob dieser
oder jener stirbt, dieses oder jenes Volk untergeht ist mir einerlei; ich wäre
ein Thor, mich darum zu bekümmern.
Wenn Alexander
Humboldt und die andern Plutonisten mir's zu toll machen, werde ich sie
schändlich blamiren; schon zimmere ich Xenien genug im Stillen gegen sie; die
Nachwelt soll wissen, daß doch wenigstens ein gescheidter Mann in unserm
Zeitalter gelebt hat, der jene Absurditäten durchschaute. Ich finde immer mehr,
daß man es mit der Minorität, die stets die gescheidtere ist, halten muß."
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