Ich hasse alle
Pfuscherei wie die Sünde, besonders aber die Pfuscherei in
Staatsangelegenheiten, woraus für Tausende und Millionen nichts als Unheil
hervorgeht.
Samstag, 23. Juni 2018
Armer
Anfang solcher Leute leben aus der Hand in Mund der Verleger hängt ihnen erst
den Stuhl auf, heurathen leicht. Sonst gaben die Verleger die gesponnene Wolle
dem Fabrikanten iezt muss sie der Fabrikant spinnen oder Spinnen lassen und das
Gewicht an Strümpfen liefern. Verlust dabey an Abgang Schmuz und Fett denn die
Strümpfe werden gewaschen. Kann sie der Fabrikant nicht selbst durch die seinen
spinnen lassen wird er noch obendrein bestohlen Sonst wog man die Strümpfe
überhaupt und ein Paar übertrug das andre, iezzo werden sie einzeln gewogen und
das schweerere Paar nicht vergütet vom leichtern Paar aber abgezogen.
Mittwoch, 13. Juni 2018
Goethe
und sein Freund Heinrich Meyer liessen es sich gutgehen. Sie waren nach dem
Weingenuss in einem wunderbaren Zustand. Als ein durchreisender Verehrer Goethe
sprechen wollte, richtete sich der Dichterfürst auf, lehnte sich mit der Hand
an eine Wand, um sich aufrecht zu halten und sagte: „Halte mir diesen Menschen
ab.“ Meyer ging zur Tür, riss sie auf und rief hinaus: „Exzellenz können Sie
nicht sprechen, Exzellenz sein besoffe!“
Ein
anderes Mal forderte ihn ein Engländer zu einem Wetttrinken auf. Er habe
nämlich gehört, dass Goethe als der tüchtigste Zecher von Deutschland gelte. In
einer Wirtschaft im Kreise von Freunden wurde nun gezecht. Goethe war in einer
Superstimmung, während der Engländer immer ruhiger wurde und dann von seinem
Stuhle herabsank. Der alte Goethe (die Geschichte spielte sich in Weimer 1826
ab) wandte sich aufrecht an seine Freunde: „So, meine Herren, nachdem wir
diesen guten Mann besorgt haben, können wir doch unser Glas Wein in Ruhe
trinken!“
Sonntag, 10. Juni 2018
Seit drey Wochen,
wie ich schon geklagt habe, von katarrhalischen Unbilden und dem
widerwärtigsten Wetter niedergehalten, hab ich mich denn doch immer, wie dir
auch angenehm zu hören seyn wird, dergestalt zu fassen und zu wehren gesucht,
daß ich Tag vor Tag nicht nachgab, sondern fort und fort das Nächste zu fördern
trachtete, so daß ich durch diese Hindernisse nicht zurückgehalten ward,
sondern vorwärts gegangen bin und zwar in bedeutenden Angelegenheiten, wo man,
wenn auch nicht große, nur sichre Schritte zumachen hat. Darunter ist denn auch
einiges, das, wenn es dir seiner Zeit vor die Seele gebracht wird, dich nicht
ohne Anregung lassen kann.
Wie es die Welt jetzt
treibt, muß man sich immer und immerfort sagen und wiederholen: daß es tüchtige
Menschen gegeben hat und geben wird, und solchen muß man ein schriftlich gutes
Wort gönnen, aussprechen und auf dem Papier hinterlassen. Das ist die
Gemeinschaft der Heiligen, zu der wir uns bekennen. Mit den Lippen mag ich nur
selten ein wahres, grund-gemeyntes Wort aussprechen; gewöhnlich hören die
Menschen etwas Anderes, als was ich sage, und das mag denn auch gut seyn.
Der
Maler Charles Gore war ein leidenschaftlicher Sammler von Autogrammen. Eines
Tages kam er auf den Gedanken, doch einmal alle Unterschriften von berühmten
Leuten auf einem Blatt zu sammeln. Er ging zunächst zu Johann Gottfried Herder.
Dieser schrieb:
„Die
Erde ist ein Jammertal“.
Dann
wandte er sich an Friedrich Schiller. Er las den Spruch und setzte ihn
sinngemäss fort:
„Voller
Narren und Toren.“
Auch
Goethe folgte seinem Wunsch. Er schrieb:
„Wo
Sie der allergrösste sind,
Mein lieber Herr von Goren.“
Mein lieber Herr von Goren.“
Donnerstag, 31. Mai 2018
Mittwoch, 30. Mai 2018
1818
kurte Goethe vom 26. Juli bis 13. September in Karlsbad. Goethes Diener Karl
erhielt am 17. August den Auftrag, 2 Flaschen Wein zu besorgen und diese mit
Gläsern an den beiden Fenstern seiner Unterkunft aufzustellen. Der getreue
Diener tat, wie ihm geheissen war. Bei jedem Rundgang durchs Zimmer trank
Goethe den Wein. Nach geraumer Zeit trat Goethes Hausarzt Wilhelm Rehbein, der
ihn zur Kur begleitete hatte, ins Zimmer, und Goethe sagte zu ihm: „Ihr seid
mir ein schöner Freund! Was für einen Tag haben wir heute und welches Datum?“
Rehbein antwortete: „Der 27. August.“ Der Dichterfürst wollte dies nicht
glauben, er war der Meinung, es sei schon der 28. August, sein Geburtstag. Auch
der herbeigeklingelte Diener Karl sagte, es sei der 27. August. Als Goethe
schliesslich in einem Kalender nachsah und das von den beiden richtig erwähnte
Datum bestätigt fand, sagte Goethe: „Donnerwetter! Da habe ich mich ja umsonst
besoffen.“
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