Freitag, 20. Mai 2016
Als man dem Dichter
mitteilte, man wolle ihm zu Ehren den Faust am Hoftheater spielen, wobei wohl
La Roche, der den Mephisto darstellte, der drängendste Sprecher war, fuhr Goethe
auf, wie von einer Bremse gestochen. "Ist es billig, über meine Werke zu
verfügen, ohne zu fragen, was ich selbst damit vorhabe? Bin ich denn nicht mehr
am Leben? Beschlossen hat man?" Goethe ging wütend in seinem Zimmer auf und ab.
Die Beschließer befanden sich in einer peinlichen Lage. Trotzdem fand die
Aufführung statt, doch Goethe hat sie nicht besucht.
Aber wenn Sie nun auch alle Quellen zu
klären und zu durchforschen vermöchten: was würden Sie finden? Nichts anderes,
als eine grosse Wahrheit, die längst entdeckt ist, und deren Bestätigung man
nicht weit zu suchen braucht; die Wahrheit nämlich, dass es zu allen Zeiten und
in allen Ländern miserabel gewesen ist. Die Menschen haben sich stets
geängstigt und geplagt; sie haben sich untereinander gequält und gemartert; sie
haben sich und anderen das bisschen Leben sauer gemacht, und die Schönheit der
Welt und die Süssigkeit des Daseins, welche die schöne Welt ihnen darbietet,
weder zu achten noch zu geniessen vermocht. Nur wenigen ist es bequem und
erfreulich geworden. Die meisten haben wohl, wenn sie das Leben eine Zeitlang
mitgemacht haben, lieber hinausscheiden, als von neuem beginnen mögen. Was
ihnen noch etwa einige Anhänglichkeit an das Leben gab oder gibt, das war und
ist die Furcht vor dem Sterben. So ist es; so ist es gewesen; so wird es wohl
auch bleiben. Das ist nun einmal das Los der Menschen. Was brauchen wir weiter
Zeugnis.
Es ist mit den
Völkern wie mit den Menschen. Die Völker bestehen ja aus Menschen. Auch sie
treten ins Leben, wie die Menschen, treiben’s, etwas länger, in gleich
wunderlicher Weise, und sterben gleichfalls entweder eines gewaltsamen Todes,
oder eines Todes vor Alter und Gebrechlichkeit. Die Gesamtnot und Gesamtplage
der Menschen ist eben die Not und die Plage der Völker.
Samstag, 30. April 2016
Donnerstag, 28. April 2016
Mittwoch, 13. April 2016
Goethe zeigte mir einen
eleganten grünen Lehnstuhl, den er dieser Tage in einer Auktion sich hatte
kaufen lassen. „Ich werde ihn jedoch wenig oder gar nicht gebrauchen“, sagte
er, „denn alle Arten von Bequemlichkeit sind eigentlich ganz gegen meine Natur.
Sie sehen in meinem Zimmer kein Sofa, ich sitze immer in meinem alten hölzernen
Stuhl, und habe erst seit einigen Wochen eine Art von Lehne für den Kopf
anbringen lassen. Eine Umgebung von bequemen geschmackvollen Meublen hebt mein
Denken auf und versetzt mich in einen behaglichen passiven Zustand. Prächtige
Zimmer und elegante Meublen ist etwas für Leute, die keine Gedanken haben und
haben möchten.
Dienstag, 12. April 2016
Man bildet sich
vergebens ein, dass man allen literarischen Erscheinungen face machen könnte;
es geht einmal nicht; man tappt in allen Jahrhunderten, in allen Weltteilen
herum und ist doch nicht überall zu Hause, stumpft sich Sinn und Urteil ab,
verliert Zeit und Kraft; mir geht es selbst so, ich bereue es, aber zu spät.
Man liest Folianten und Quartanten durch und wird um nichts klüger, als wenn
man alle Tage in der Bibel läse, man lernt nur, dass die Welt dumm ist, und das
kann man in der Seifengasse hier zunächst auch erproben.
Abonnieren
Posts (Atom)
