... „Sie hat etwas“,
sagte Goethe, „wovon Ihr beide keinen Begriff habt und welches ich nicht
verraten will.“ ....
„Da wir allein sind“, sagte Goethe, „so kann ich
Ihnen wohl entdecken, wie es um jenes Fräulein steht. - Geist hat sie nicht,
denn dies ist etwas sehr Seltenes, besonders bei Frauen. Aber sie hat eine
gewisse innere Freiheit, wodurch sie dem Augenblick überlegen ist und wodurch
sie oft höchst anmutig und angenehm sein kann. ... “
Mittwoch, 13. Januar 2016
Samstag, 2. Januar 2016
Bey manchen
innern stillen Arbeiten, wobey ich dein immerfort gedenke, bin ich doch auch in
das neuere Französische mitunter hineingezogen worden und habe bey solcher
Veranlassung über die Réligion Simonienne nachzudenken gehabt. An der Spitze
dieser Secte stehen sehr gescheite Leute, sie kennen die Mängel unserer Zeit
genau und verstehen auch das Wünschenswerthe vorzutragen; wie sie aber anmaßen
wollen, das Unwesen zu beseitigen und das Wünschenswerthe zu befördern, so
hinkt sie überall. Die Narren bilden sich ein, die Vorsehung verständig spielen
zu wollen, und versichern, jeder solle nach seinem Verdienst belohnt werden,
wenn er sich mit Leib und Seele, Haut und Haar an anschließt und sich mit ihnen
vereinigt.
Donnerstag, 31. Dezember 2015
... und die Szene Fausts
mit Gretchen im Kerker erschütterte mich so sehr, dass ich trotz alles Schämens
und mächtigen Bemühens (ich war nämlich in der Loge des Herrn Vogel) nicht
imstande war, nicht nur die Tränen, sondern, was noch schlimmer war, ein lautes
Schluchzen zurückzuhalten, was sich mir zum Ärger gewaltsam aus der Brust
vordrängte. Frau Rosa hatte nichts Angelegentlicheres, als es bei der Soiree
Goethe sogleich zu erzählen, was mir ein solches dankbares Anblicken und
Lächeln und zuletzt ein Gespräch ... verschaffte ...
Dienstag, 29. Dezember 2015
Alle Damen in glänzender
Toilette, die Herren mit weissen Halsbinden, auf den Tischen grosse Buketts,
überall festliche Kleidung und Drapierung. Goethe war als Sonne und Idol des
Festes der Zentralpunkt, gegen den alles gravierte. Die Menge folgte ihm, bei
seiner Annäherung verstummte das Gespräch und lauschte man nur auf seine Worte.
Er beteilte damit, langsam den Salon umschreitend, wohlwollend alle.
Montag, 7. Dezember 2015
Wirst du nicht immer zu
dir sagen: ‘Natalie ist nicht da!’ und doch wird leider Natalie dir immer
gegenwärtig sein. Schliessest du die Augen, so wird sie sich dir darstellen;
öffnest du sie, so wird sie vor allen Gegenständen hinschweben wie die
Erscheinung, die ein blendendes Bild im Auge zurücklässt.
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