Dienstag, 2. Juni 2015
Donnerstag, 21. Mai 2015
Wenn steigend sich der Wasserstrahl
entfaltet,
Allspielende, wie froh erkenn' ich dich;Wenn Wolke sich gestaltend umgestaltet,
Allmannigfalt'ge, dort erkenn' ich dich.
An des geblümten Schleiers
Wiesenteppich,
Allbuntbesternte, schön erkenn' ich
dich;Und greift umher ein tausendarm'ger Eppich,
O Allumklammernde, da kenn' ich dich.
Wenn am Gebirg der Morgen sich
entzündet,
Gleich, Allerheiternde, begrüß' ich
dich;Dann über mir der Himmel rein sich ründet,
Allherzerweiternde, dann atm' ich dich.
Freitag, 8. Mai 2015
O meine Freunde! Warum der Strom des Genies so
selten ausbricht, so selten in hohen Fluten hereinbraust und eure staunende
Seele erschüttert? Liebe Freunde, da wohnen die gelassenen Herren auf beiden
Seiten des Ufers, denen ihre Gartenhäuschen, Tulpenbeete und Krautfelder
zugrunde gehen würden, die daher in Zeiten mit Dämmen und Ableiten der künftig
drohenden Gefahr abzuwehren wissen.
Samstag, 2. Mai 2015
Samstag, 25. April 2015
Auch
mir war durch die Gunst hoher Gönner eine regelmäßige Mitteilung dieser Blätter
beschieden, die ich mit großem Bedacht eifrig zu studieren nicht unterließ. Nun
darf ich mir wohl nachrühmen, daß ich von jeher die Vorzüge der Menschen und
ihrer Produktionen willig anerkannt, geschätzt und bewundert, auch mich daran
dankbar auferbaut habe. Deshalb mußte mir in der Grimmischen Korrespondenz gar
bald auffallen, daß in Erzählung, Anekdote, Charakterschilderung, Darstellung,
Urteil durchaus mehr Tadel als Lob zu bemerken sei, mehr scheltende als ehrende
Terminologie vorzukommen pflege. Wohlgelaunt begann ich eines Tages, zum
Vorteil meiner Betrachtung und eigenen Unterrichts, jene sämtlichen Ausdrücke
auszuziehen, auch in späterer Zeit zu sondern und alphabetisch zu ordnen, halb
im Scherz, halb im Ernst, und so blieben sie viele Jahre bei mir liegen.
Die
große Ordnung, auf die er streng hielt, das Planvolle in seinen Arbeiten war
ein ferneres wichtiges Mittel, wodurch er sich vor Zeitverlust schützte. Jahre
oder Jahrzehnte hindurch sammelte er Material für zukünftige Schriften. Als
Knebel über Lukrez schrieb, beklagte es Goethe, daß der alte Freund keine
Kollektionen, keine Akten darüber habe; darum sei es ihm schwer, produktiv und
positiv zu sein. "Da habe ich ganz anders gesammelt, Stöße von Exzerpten
und Notizen über jeden Lieblingsgegenstand!"
Für
jede Arbeit entwarf er ferner eine sorgfältige Disposition, überdachte die
Hauptteile und Unterabteilungen, sammelte dann für die einzelnen Kapitel
Tatsachen und Gedanken; so konnte er bald an diesem, bald an jenem Teile des
Werkes schreiben, je nachdem er aufgelegt war, und so kamen ihm seine Vorarbeiten
oft nach Jahrzehnten noch zugute.
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