Samstag, 1. November 2014
Daß
das Leben des Menschen nur ein Traum sey, ist manchem schon so vorgekommen, und
auch mit mir zieht dieses Gefühl immer herum. Wenn ich die Einschränkung so
ansehe, in welche die thätigen und forschenden Kräfte des Menschen eingesperrt
sind, wenn ich sehe, wie alle Würksamkeit dahinaus läuft, sich die Befriedigung
von Bedürfnissen zu verschaffen, die wieder keinen Zwek haben, als unsere arme
Existenz zu verlängern, und dann, daß alle Beruhigung über gewisse Punkte des
Nachforschens nur eine träumende Resignation ist, da man sich die Wände,
zwischen denen man gefangen sizt, mit bunten Gestalten und lichten Aussichten
bemahlt. Das alles, Wilhelm, macht mich stumm. Ich kehre in mich selbst zurük,
und finde eine Welt! Wieder mehr in Ahndung und dunkler Begier, als in
Darstellung und lebendiger Kraft. Und da schwimmt alles vor meinen Sinnen, und
ich lächle dann so träumend weiter in die Welt.
Daß
die Kinder nicht wissen, warum sie wollen, darinn sind alle hochgelahrte Schul-
und Hofmeister einig. Daß aber auch Erwachsene, gleich Kindern, auf diesem
Erdboden herumtaumeln, gleichwie jene nicht wissen, woher sie kommen und wohin
sie gehen, eben so wenig nach wahren Zwekken handeln, eben so durch Biskuit und
Kuchen und Birkenreiser regiert werden, das will niemand gern glauben, und mich
dünkt, man kann's mit Händen greifen.
Samstag, 25. Oktober 2014
Was meynst du Behrisch sollte es nicht bloser
Stolz seyn, daß sie mich liebt. Es vergnügt sie einen stolzen Menschen wie ich
bin an ihrem Fusschemel angekettet zu sehen. Sie hat weiter nicht auf ihn acht
so lang er ruhig liegt, will er sich aber loßreisen, dann fällt er ihr erst
wieder ein, ihre Liebe erwacht wieder mit der Aufmercksamkeit.
Sonntag, 19. Oktober 2014
Ich habe mir daher Akten gemacht, worin ich alle
Arten von öffentlichen Papieren die mir jetzt begegnen: Zeitungen,
Wochenblätter, Predigtauszüge, Verordnungen, Komödienzettel, Preiskurrente
einheften lasse und sodann auch sowohl das was ich sehe und bemerke als auch
mein augenblickliches Urteil einschalte. Ich spreche nachher von diesen Dingen
in Gesellschaft und bringe meine Meinung vor, da ich denn bald sehe, in wiefern
ich gut unterrichtet bin, und in wiefern mein Urteil mit dem Urteil
wohlunterrichteter Menschen übereintrifft. Sodann nehme ich die neue Erfahrung
und Belehrung auch wieder zu den Akten, und so gibt es Materialien, die mir
künftig als Geschichte des Äußern und Innern interessant genug bleiben müssen.
Wenn ich bei meinen Vorkenntnissen und meiner Geistesgeübtheit Lust behalte
dieses Handwerk eine Weile fortzusetzen, so kann ich eine große Masse zusammenbringen.
Er küßte ihre Hand und wollte aufstehn; aber wie
im Traum das Seltsame aus dem Seltsamsten sich entwickelnd uns überrascht, so
hielt er, ohne zu wissen, wie es geschah, die Gräfin in seinen Armen, ihre
Lippen ruhten auf den seinigen, und ihre wechselseitigen lebhaften Küsse
gewährten ihnen eine Seligkeit, die wir nur aus dem ersten aufbrausenden Schaum
des frisch eingeschenkten Bechers der Liebe schlürfen.
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