Montag, 9. Juni 2014
Freitag, 6. Juni 2014
Schon lange würde ich Ew. Durchl. Rechenschafft
von meiner Reise, von meinem Aufenthalte in Rom gegeben haben, wenn ich hätte
hoffen können etwas zu schreiben das Ihrer Aufmercksamkeit werth wäre. Der Reisende
kann selten aus sich selbst herausgehen, was er von Schicksalen zu melden hat
ist wenig bedeutend und meistens schreibt er mit selbstgefälligem Entzücken:
daß er nun auch jene langgewünschten Gegenden betrete, jene herrlichen
Gegenstände mit Augen sehe und nach seiner Art davon und dabey genieße.
Ich habe nun den ersten flüchtigen Lauf durch
Rom beynahe geendigt, ich kenne die Stadt und ihre Lage, die Ruinen, Villen,
Palläste, Gallerien und Musea. Wie leicht ist es bey einer solchen Fülle von
Gegenständen etwas zu dencken, zu empfinden, zu phantasiren. Aber wenn es nun
darauf ankommt die Sachen um ihrer selbst willen zu sehen, den Künsten aufs
Marck zu dringen, das Gebildete und Hervorgebrachte nicht nach dem Effeckt den
es auf uns macht, sondern nach seinem innern Werthe zu beurtheilen; dann fühlt
man erst wie schwer die Aufgabe ist und wünscht mehr Zeit und ernsthaftere
Betrachtung diesen schätzbaren Denckmalen menschlichen Geistes und menschlicher
Bemühungen wiedmen zu können.
Donnerstag, 29. Mai 2014
Um nichts zu versäumen habe ich gleich einen
Teil des ersten Genußes aufgeopfert und habe die Ruinen in Gesellschaft von
Baukünstlern, die übrigen Kunstwercke mit andern Künstlern gesehen und dabey
bemercken können: daß ein Leben voll Thätigkeit und Übung kaum hinreicht unsre
Kenntniß auf den höchsten Punckt der Reinheit zu bringen. Und doch wäre nur
diese Sicherheit und Gewißheit die Dinge für das zu nehmen was sie sind, selbst
die besten Sachen einander subordiniren zu können, jedes im Verhältniße zum
andern zu betrachten der größte Genuß nach dem wir im Kunst wie im Natur und
Lebenssinne streben sollten. Indessen sehe ich fleißig ohne mich aufzuspannen
und freue mich wenn mir von Zeit zu Zeit ein neues Licht erscheint.
Hier kann ich eine Betrachtung nicht
verschweigen die ich gemacht habe: daß es nämlich bequemer und leichter sey die
Natur als die Kunst zu beobachten und zu schätzen. Das geringste Produckt der
Natur hat den Kreis seiner Vollkommenheit in sich und ich darf nur Augen haben
um zu sehen, so kann ich die Verhältniße entdecken, ich bin sicher daß
innerhalb eines kleinen Cirkels eine ganze wahre Existenz beschloßen ist. Ein
Kunstwerck hingegen hat seine Vollkommenheit ausser sich, das »Beste« in der
Idee des Künstlers, die er selten oder nie erreicht, die folgenden in gewissen
angenommen Gesetzen, welche zwar aus der Natur der Kunst und des Handwercks hergeleitet,
aber doch nicht so leicht zu verstehen und zu entziffern sind als die Gesetze
der lebendigen Natur. Es ist viel Tradition bey den Kunstwercken, die
Naturwercke sind immer wie ein erstausgesprochnes Wort Gottes. Kommen denn nun
gar noch handwercksmäsige Copisten hinzu; so entsteht eine neue Verwirrung und
wer nicht sehr geübt ist, weiß sich nicht zu finden.
Freitag, 23. Mai 2014
Während
Goethe so mit einer Kraft und einem Reichtum des Ausdruckes sprach, wie ich in
ganzer Wahrheit wiederzugeben nicht imstande bin, glänzten seine Augen von
einem außerordentlichen Feuer. Man sah darin den Ausdruck des Triumphes,
während ein ironisches Lächeln um seine Lippen spielte. Die Züge seines schönen
Gesichtes waren imposanter als je.
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