Freitag, 13. Juli 2012

»Man will,« sagte Herr von Martius, »auf dem Ararat ein Stück von der Arche Noah's versteinert gefunden haben, und es sollte mich wundern, wenn man nicht auch die versteinerten Schädel der ersten Menschen finden sollte.« 
»Dieser Meinung,« sagte Goethe, »muß ich widersprechen. Ich behaupte vielmehr, daß die Natur sich immer reichlich, ja verschwenderisch erweise, und daß es weit mehr in ihrem Sinne sei, anzunehmen, sie habe statt eines einzigen armseligen Paares die Menschen gleich zu Dutzenden, ja zu Hunderten hervorgehen lassen. Als nämlich die Erde bis zu einem gewissen Punkt der Reise gediehen war, die Wasser sich verlaufen hatten und das Trockene genugsam grünte, trat die Epoche der Menschwerdung ein, und es entstanden die Menschen durch die Allmacht Gottes überall, wo der Boden es zuließ, und vielleicht auf den Höhen zuerst. Anzunehmen, daß dieses geschehen, halte ich für vernünftig, allein darüber nachzusinnen, wie es geschehen, halte ich für ein unnützes Geschäft, das wir denen überlassen wollen, die sich gern mit unauflößbaren Problemen beschäftigen und die nichts Besseres zu thun haben.«
»Ich kann es dem Guten nicht verargen,« sagte Goethe, »daß er von Italien mit solcher Begeisterung redet; weiß ich doch, wie mir selber zu Muthe gewesen ist! Ja ich kann sagen, daß ich nur in Rom empfunden habe, was eigentlich ein Mensch sei. Zu dieser Höhe, zu diesem Glück der Empfindung bin ich später nie wieder gekommen; ich bin, mit meinem Zustande in Rom verglichen, eigentlich nachher nie wieder froh geworden.«

Freitag, 6. Juli 2012

Donnerstag, 5. Juli 2012

Heute bei Tische war die heiterste Gesellschaft. 
»Ich begreife Euch nicht, Ihr guten Kinder,« sagte er, »wie ihr Sujet und Musik trennen und jedes für sich genießen könnt. Ihr sagt, das Sujet tauge nicht, aber Ihr hättet es ignorirt und Euch an der trefflichen Musik erfreut. Ich bewundere wirklich die Einrichtung euerer Natur, und wie euere Ohren im Stande sind, anmuthigen Tönen zu lauschen, während der gewaltigste Sinn, das Auge, von den absurdesten Gegenständen geplagt wird.«

Freitag, 29. Juni 2012

Mittwoch, 27. Juni 2012


Der Philister negiert nicht nur die anderen Zustände, als der seinige ist, er will auch, dass alle übrigen Menschen auf seine Weise existieren sollen. ....
Es ist der blindeste Egoismus, der von sich selbst nichts weiss, und nicht weiss, dass der der andern ebensoviel Recht hätte, den seinigen auszuschliessen, als der seinige hat, den andern. 

Häufig ist er bei Anna Amalia, die er im Tagebuch mit dem Mondsymbol umschreibt (zunehmender Mond oder abnehmender Mond), am gleichen oder nächsten Tag dann auch bei Frau von Stein, seiner Sonne (Sonne). Die Balance zwischen den beiden Frauen wird mit geradezu zwanghafter Akribie gewahrt.

Zunehmender Mond: eine Sichel, offen gegen links. Sonne: ein Kreis mit einem Punkt.